Bali-Anschlag Drei weitere deutsche Vermisste identifiziert

Die schreckliche Ungewissheit für die Angehörigen der deutschen Vermissten auf Bali hat ein Ende. Am Dienstag wurden auch die letzten beiden Frauen auf der Ferieninsel zweifelsfrei identifiziert. Unterdessen erzielte die indonesische Polizei offenbar erste Erfolge bei der Suche nach den Hintermännern der Anschläge.

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Mehrere Bombenexplosion in der belebten Straße auf Bali hinterließen eine Spur der Verwüstung
AP

Mehrere Bombenexplosion in der belebten Straße auf Bali hinterließen eine Spur der Verwüstung

Berlin/Jakarta - Alle drei nach den Bombenanschlägen auf Bali noch vermissten deutschen Frauen sind tot. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE informierten die deutschen Behörden am Montag und Dienstag die Familien der drei noch als vermisst geltenden Bali-Touristen, dass ihre Angehörigen bei dem verheerenden Bombenanschlägen am 12,. Oktober ums Leben gekommen sind. Anhand von DNS-Proben konnten die Behörden auf Bali sowohl eine Frau, die im Ausland lebte, eine weitere Frau aus Bayern und die Berliner Kellnerin Alexandra K. zweifelsfrei identifizieren. Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte am Dienstagnachmittag die Identifizierung auf Nachfrage.

Damit stieg die Zahl der deutschen Opfer des Terror-Anschlags auf insgesamt sechs. Bereits kurz nach Anschlägen wurde die 27-jährige Ex-Berlinerin Claudia T., die seit längerem auf Bali lebte, durch eine französische Freundin unter den Leichen erkannt. Erst am vergangenen Freitag konnten die Behörden dann ein Pärchen aus Brandenburg, das auf Bali Urlaub gemacht hatte und sich in der Discothek "Sari" aufhielt, mit Hilfe von DNS-Proben identifizieren. Ob bei der Identifizierung auch die Beamten des Bundeskriminalamtes (BKA), die auf Bali eingesetzt sind, beteiligt waren, war am Dienstag unklar.

Freund der Toten zurück in Berlin

Bei der Berlinerin Alexandra K. hatten die Angehörigen noch Hoffnung, denn ihr Freund hatte sie noch im Krankenhaus auf Bali gesehen. Offenbar erlag sie aber wenig später in der Klinik ihren schweren Verletzungen. Der ebenfalls verletzte Freund ist mittlerweile nach Berlin zurück gekehrt. Weitere vier deutsche Verletzte werden zurzeit noch in australischen Kliniken behandelt.

Bisher haben die Behörden auf Bali rund hundert Opfer identifiziert, die Zahl der Toten liegt inzwischen bei 191, da noch mehrere Menschen in den Kliniken starben. Unter den Toten sind viele Australier, aber auch Touristen aus Europa, Japan, den USA, Südamerika und Taiwan. Noch immer arbeitet die Polizei fieberhaft an der Identifizierung der Leichen.

Unabhängig von der grausigen Arbeit der Polizisten in den provisorischen Leichenhallen auf der Ferieninsel konnten die Behörden am Dienstag erste Erfolge bei der Suche nach den Hintermännern des Anschlags vermelden. Ein hoher General sagte Reportern in Indonesien, dass man einen Verdächtigen durch mehrere Aussagen von Verhörten und Zeugenaussagen identifiziert habe. Der Fahnder weigerte sich, Details zu nennen. Er sagte lediglich, dass der Verdächtige Indonesier sei und dass er nun von der Polizei gesucht werde. Er soll nach den Angaben der Polizei eine oder mehrere Bomben in und nahe der Discothek platziert und möglicherweise auch gezündet haben.

Spur zu al-Qaida?

Trotz dieser mageren Aussage ist die Fahndung nach einem Verdächtigen das erste Zeichen, dass die Ermittlungen überhaupt voran kommen. Die USA und Australien vermuten, dass hinter dem Anschlag das Terror-Netzwerk al-Qaida von Osama Bin Laden steht. Bisher fehlen dafür jedoch Beweise. Besonders die Aussagen von mehreren al-Qaida-Leuten in Haft hatten die US-Geheimdienste schon vor den Anschlägen auf Bali auf die Spur gesetzt.

Die indonesische Polizei hatte nach den Anschlägen den Führer der radikal-islamistischen Gruppierung Jemaah Islamijah, den 64-jährigen Prediger Abu Bakar Bashir, festgenommen. Da dieser jedoch vor der Festnahme einen Herzanfall erlitt, konnte er noch nicht befragt werden. US-Fahnder sehen Bashir als Helfer Bin Ladens in Indonesien, seine Gruppe wurde jetzt auch auf die Terror-Liste der Vereinten Nationen aufgenommen. Die örtlichen Behörden in Indonesien betonten bisher jedoch immer wieder, dass Bashir aktuell wegen anderen Straftaten verhört werden soll.



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