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Überschwemmung: Hochwasser auf dem Balkan

Foto: ANTONIO BRONIC/ REUTERS

Hochwasser auf dem Balkan Behörden warnen vor Typhus und Hepatitis

Überflutete Städte und Dörfer, Gefahr durch Landminen - und nun die Sorge vor Krankheiten: Im Katastrophengebiet Bosnien-Herzegowinas ist das Wasser durch Tierkadaver verunreinigt, es besteht Seuchengefahr.

Belgrad - Wegen des Hochwassers auf dem Balkan befürchten die Behörden in Bosnien-Herzegowina nun den Ausbruch von Seuchen. Bei steigenden Temperaturen könnte von Tierkadavern verunreinigtes Wasser zum Ausbruch von Krankheiten wie Typhus oder Hepatitis führen, sagte der Leiter des Gesundheitsamts in Sarajevo dem bosnischen Fernsehen. In erster Linie gehe es nun darum, eine sichere Wasserversorgung zu gewährleisten.

Bei dem Hochwasser auf dem Balkan sind Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Zehntausende mussten ihre Häuser verlassen.

In Bosnien warnte das Minenaktionszentrum davor, dass Landminen aus dem Krieg in den neunziger Jahren von den Fluten mitgerissen werden könnten. Einige seien bereits explodiert. Noch immer liegen rund 120.000 Landminen in Bosnien-Herzegowina. Die Gegenden um Doboj und Olovo, die besonders vom Hochwasser betroffen sind, gelten nach wie vor als stark vermint.

Die Minenaktionszentren (MAC) in Bosnien, Kroatien und Serbien stellten ein Team zusammen, das die Gefahr der Sprengkörper einschätzen soll. "Es gibt keine nicht-tödliche Mine", sagt Sasa Obradovic vom MAC in Sarajevo. Eine Mine sei auch nach Jahren noch eine tödliche Gefahr, selbst wenn der Zündmechanismus feucht geworden sei. Das Hochwasser habe zudem Schilder zerstört, die vor Sprengkörpern warnten.

In Serbien hielten die von Helfern errichteten Schutzwälle entlang der Save dem steigenden Wasser stand, wie der Fernsehsender RTS berichtete. Besondere Sorge galt dem Kraftwerk Nikola Tesla in der Nähe der vom Hochwasser schwer getroffenen Stadt Obrenovac. Mit einem Damm aus 60.000 Sandsäcken versuchen Soldaten und Mitarbeiter, das größte serbische Kraftwerk zu schützen und am Netz zu halten. Es produziert etwa die Hälfte Stroms in Serbien. Energieminister Aleksandar Antic nannte den Schutz des Kraftwerks "entscheidend" für die Sicherheit der Energieversorgung im Land.

"Wir haben alles getan, was in unserer Macht stand. Alles weitere liegt in Gottes Hand", sagte eine Gewerkschaftssprecherin. Einige Arbeiter hätten drei Tage nahezu ohne Pause Sandsäcke gefüllt, da Hilfsmannschaften nicht zu dem von Wassermassen eingeschlossenen Kraftwerk durchgedrungen seien.

hut/dpa/AFP/Reuters