Bangladesch Monster-Zyklon tötet Tausende, Nothilfe läuft an

Dörfer sind komplett zerstört, Hunderte Leichen wurden geborgen - und es könnte noch schlimmer kommen: Die Behörden in Bangladesch fürchten, der Zyklon "Sidr" könnte Tausende getötet haben. Von vielen Fischern fehlt noch immer jede Spur.

Dhaka - "Die Zahl der Opfer nimmt ständig zu", sagte ein Mitglied des Krisenstabs im Innenministerium, Mahatab Uddin Zamade, heute Morgen. Die meisten Menschen starben nach Behördenangaben durch umher fliegende Trümmer und umstürzende Bäume, die auf ihre Bambushütten gefallen waren.

Noch ist unklar, wie viele durch den Zyklon "Sidr" verursachte Todesopfer es genau gibt. Bis zum Nachmittag wurden 1070 Todesfälle offiziell bestätigt. Doch in den kommenden Tagen könnten noch Tausende Leichen gefunden werden, sagte der stellvertretende Leiter der Katastrophenschutzbehörde, Shekhar Chandra.

Der Tropensturm war in der Nacht zum Freitag mit Geschwindigkeiten von bis zu 240 Stundenkilometern über die Südküste des Landes hinweggefegt und hatte Augenzeugen zufolge eine Schneise der Verwüstung gezogen. 1,5 Millionen Menschen haben Zuflucht in Notunterkünften gefunden, doch aus vielen Ortschaften fehlt noch jede Nachricht. Ganze Siedlungen seien von dem Sturm förmlich zerrissen worden.

Zur Stunde sucht das Militär die Küste mit Helikoptern und Schiffen nach weiteren Opfern ab. Mehr als hundert Fischerboote gelten als vermisst. Hilfskräfte versuchen derweil, zu den am schlimmsten Betroffenen durchzukommen. An vielen Orten sei der Zugang zu Wasser und Lebensmitteln aber durch Trümmer blockiert, hieß es. Sogar Elefanten würden eingesetzt, um die Wege freizuräumen.

Auswärtiges Amt stellt 200.000 Euro zur Verfügung

Die Uno hat angekündigt, mehrere Millionen Dollar Soforthilfe zur Verfügung zu stellen. Das versprach Unter-Generalsekretär John Holmes. Uno-Organisationen schätzten, dass mindestens 20.000 Häuser zerstört worden seien und die Opferzahlen höher liegen könnten als die derzeitigen Angaben der Behörden in dem verarmten südasiatischen Land, sagte der für humanitäre Angelegenheiten zuständige Uno-Diplomat.

Viele Zyklon-Opfer in Bangladesch stehen nun vor dem Nichts. "Wir haben alles verloren", sagte der betroffene Kleinbauer Mosharaf Hossain. "Wir können nirgendwo hingehen". "Wir haben überlebt, aber jetzt brauchen wir Hilfe, um alles wieder aufzubauen", sagte Chand Miah, ein Bewohner der betroffenen Stadt Khulna.

Die EU stellte zunächst 1,5 Millionen Euro als Nothilfe zur Verfügung. Europäische Experten seien bereits vor Ort, um die Hilfsmaßnahmen zu unterstützen, teilte die EU-Kommission gestern mit. Die Bundesregierung sagte nach Angaben des Auswärtigen Amtes zunächst 200.000 Euro für dringende Sofortmaßnahmen zu, später erhöhte Berlin die Summe auf 500.000. Die US-Regierung unterstützt die örtlichen Rettungsmannschaften mit Geräten und Ausrüstungsgegenständen.

Bangladesch wird häufig von Zyklonen heimgesucht, doch "Sidr" war der schlimmste seit über einem Jahrzehnt. Der letzte Monster-Zyklon erreichte das Land 1996, er zerstörte 80 Dörfer und tötete 621 Menschen.

yas/AP/AFP/Reuters

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