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Überlebende des Fabrikeinsturzes 17 Tage gefangen unter den Trümmern

Tagelang hat die verschüttete Überlebende des Hochhauseinsturzes von Bangladesch die Helfer graben und suchen hören. Nach ihrer Rettung sagte sie nun in einem Interview: "Ich habe nicht geglaubt, dass ich jemals wieder das Licht sehen werde." Trotzdem tat sie alles, um zu überleben.

Dhaka - Zuletzt schwand ihre Hoffnung: "Ich habe nicht geglaubt, dass ich jemals wieder das Licht sehen werde", sagte Reshma Begum dem Privatfernsehsender Somoy Television nach ihrer Rettung. Doch jetzt fühle sie sich gut, ergänzte sie im Krankenhaus liegend. Die 19-Jährige Begum war am Freitag lebend aus den Trümmern des eingestürzten Fabrikgebäudes in Bangladesch geborgen worden - 17 Tage nach dem Unglück.

Bereits einige Tage vor ihrer Rettung habe sie Stimmen der Bergungskräfte gehört. "Ich habe auf Trümmer getrommelt, um sie auf mich aufmerksam zu machen", erzählte sie dem Sender weiter, während Ärzte und Krankenschwestern ihr Salze gaben und ihren Gesundheitszustand checkten.

Obwohl sie zunächst niemand hören konnte und ihre Hoffnung schwand, tat Begum alles, um zu überleben. In ihrem Gefängnis unter den Trümmern habe sie getrocknete Nahrung gefunden - 15 Tage lang habe diese sie ernährt. "Die letzte zwei Tage hatte ich nichts außer Wasser." Sie habe wenig getrunken und sich das Wasser eingeteilt.

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Eingestürzte Fabrik in Bangladesch: "Wir versuchen, die gefundene Person zu befreien"

Foto: STRDEL/ AFP

Ein Retter berichtete, sie sei in einer Lücke im Keller des eingestürzten Gebäude gefangen gewesen. Eine knappe Stunde dauerte es, bis Bergungskräfte mit Hammern, Handbohrern und Sägen zu ihr vorgedrungen waren. Dann reichten sie ihr Wasser und Kekse. Die Rettungsaktion wurde live im Fernsehen übertragen. Hunderte Menschen warteten vor den Trümmern. Sie jubelten und priesen Gott, als die Einsatzkräfte Reshma Begum durch ein Bohrloch nach oben zogen. Die bislang letzte Überlebende hatten die Einsatzkräfte am 28. April gefunden, vier Tage nach der Katastrophe. Die Textilarbeiterin konnte jedoch nicht gerettet werden, weil beim Versuch, sie zu befreien, ein Feuer ausgebrochen war. Wahrscheinlich hatte in den Fabriken genähte Kleidung Feuer gefangen, als die Retter Metallstangen durchsägen wollten und Funken dabei sprühten

Das Hochhaus nahe der Hauptstadt Dhaka, das mehrere Textilfabriken beherbergte, war am 24. April eingestürzt. Bislang seien 1034 Leichen gefunden worden, teilten die Behörden am Freitag mit. Die meisten Toten seien Frauen, die in den Textilfabriken in den oberen Stockwerken des Hauses Kleidung nähten. Der Einsturz ist der schlimmste Fabrikunfall in der Geschichte des Landes. Zwölf mutmaßliche Verantwortliche wurden festgenommen, darunter der Besitzer des Gebäudes und leitende Mitarbeiter mehrerer Textilfirmen. 18 Textilwerke wurden nach der Katastrophe aus Sicherheitsgründen geschlossen

sun/AP/dpa