Baschkortostan Am Bodensee starben die Kinder der Elite

Die Menschen in der autonomen russischen Republik Baschkortostan stehen unter kollektivem Schock. Dutzende Kinder des Landes starben bei dem Flugzeugunglück über dem Bodensee-Ufer, darunter etliche Angehörige von Spitzenpolitikern.

Ufa - Auf dem Flughafen von Ufa warten weinende Angehörige darauf, dass sie nach Deutschland fliegen können, um dort ihre Söhne und Töchter zu identifizieren. Unter den 47 toten Jugendlichen sind viele Kinder der politischen und intellektuellen Elite der kleinen Republik Baschkortostan. Manche Familien sind mehrfach betroffen, in einem Fall starben vier Mitglieder einer Familie.

Für die Menschen in Ufa ist klar: Schuld an der Katastrophe habe möglicherweise die Schweizer Flugsicherung, keinesfalls aber die Bashkirian Airlines, heißt es hier. Als Chefpilot Alexander Gross von der Zürcher Flugleitzentrale die Anweisung zum Sinkflug bekommen habe, so werden vermeintlich sichere Informationen gestreut, sei dort unter ihm bereits die Boeing 757 gewesen, deren Antikollisionsautomatik reagiert habe.

Der russische Premierminister Michail Kassjanow mahnt zwar, die Schuldfrage erst nach der Auswertung der Flugschreiber und der Gespräche zwischen Flugleitern und Maschinen zu stellen. Der Chef der russischen Zivilluftfahrtsbehörde, Alexander Neradko, erklärt allerdings schon, das offensichtlich menschliches Versagen zu der Katastrophe geführt habe - vermutlich Versagen des Bodenpersonals. Keinesfalls trage die Besatzung die Schuld. Ein Terroranschlag sei äußerst unwahrscheinlich.

Staatstrauer angeordnet

In Baschkortostan ist Staatstrauer ausgerufen. Unter den Toten sind die Töchter des Chefs der Präsidentenadministration, Ildar Gimajew, seines Stellvertreters Alexander Nowikow, des Finanzchefs Ramsil Nisametdinow, des Gesundheitsministers Chassanow und die Kinder vieler anderer Beamter und einiger Hochschulleiter.

Die Kinder sollten auf Einladung der Unesco als Belohnung für gute Schulleistungen nach Spanien in die Ferien fliegen. Nur fünf mussten zu Hause bleiben, weil sie kein Visum bekamen.

Kinder sollten ursprünglich Samstag fliegen

Ursprünglich hatten sie mit ihren fünf Begleitpersonen schon am Samstag fliegen sollen, verpassten aber den Flug mit der russischen Regierungsfluglinie Rossia, weil sie in Moskau statt zum Flughafen Scheremetewo zum Airport Domodedowo gefahren waren. Der nicht minder hochkarätige Ersatzflug der Bashkirian Airlines startete gestern Abend um 22.48 Uhr Ortszeit in Richtung Barcelona.

Gross galt als einer der besten baschkirischen Piloten

In der Kanzel der Maschine saß einer der erfahrensten baschkirischen Piloten: Alexander Gross. Er war deutscher Abstammung, Pilot seit 1972, seit 1991 eingesetzt auf internationalen Flügen, mit besten Englischkenntnissen, letzte Sprachprüfung vor einem Jahr, sagen die Bashkirian Airlines. Neben ihm saß ein Fluginspektor. Die erst sechs Jahre alte Tupolew war der Fluggesellschaft zufolge mit einem neuen holländischen Anti-Kollisionssystem (TKAF) ausgestattet. Folglich seien die Kinder der baschkirischen Elite in besten Händen gewesen.

Gisbert Mrozek, Internetzeitung RUSSLAND.ru