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Explosion mit mehreren Toten Retter suchen Vermisste auf BASF-Gelände

Mehrere Tote, mehr als zwei Dutzend Verletzte: Im BASF-Werk Ludwigshafen ist der Großbrand gelöscht, aber die Lage bleibt unübersichtlich. Neue Erkenntnisse gibt es über den Hergang des Unglücks.

Auf dem Werksgelände des Chemiekonzerns BASF in Ludwigshafen hat die Feuerwehr nach der schweren Explosion mit mindestens zwei Toten den Brand gelöscht. "Das Feuer ist zwar aus", sagte ein Sprecher der Polizei. Die Lage sei aber nach wie vor diffus. "Für die Rettungskräfte ist es schwer, an den Unglücksort heranzukommen."

Am Montagvormittag waren zwei Mitglieder der Werkfeuerwehr getötet worden, als es nach einem Brand an einer Rohrleitung des Hafens zu einer Explosion gekommen war. Nach Darstellung des Unternehmens war zu diesem Zeitpunkt gerade die Werkfeuerwehr zum Löschen eingetroffen. "Wir sind sehr bestürzt, dass zwei unserer Mitarbeiter ums Leben gekommen sind. Sie haben sich als Feuerwehrleute für die Rettung von Menschenleben eingesetzt", erklärte BASF-Vorstandsmitglied Margret Suckale.

Eine weitere Person wird derzeit noch vermisst, acht wurden schwer verletzt. Zudem gibt es nach derzeitigem Stand 17 Leichtverletzte. "Wir bedauern zutiefst, dass Mitarbeiter verstorben sind und mehrere Menschen verletzt wurden. Unser Mitgefühl gilt den Betroffenen und ihren Familien", sagte Werksleiter Uwe Liebelt laut einer Mitteilung des Konzerns .

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Explosion bei BASF: Einsatz am Landeshafen Nord

Foto: KAI PFAFFENBACH/ REUTERS

Die genau Ursache des Unglücks ist noch unklar. "Wir werden natürlich alles daran setzen, das schnell in Erfahrung zu bringen", hatte Liebelt am Montag gesagt. Dem Unternehmen zufolge waren Rohrleitungen mit Ethylen und Propylen in Brand geraten. Ethylen werde unter anderem zur Herstellung von Dämmstoffen und Lösemitteln verwendet, Propylen komme bei der Produktion von Autolacken, Dispersionen und Klebstoffen zum Einsatz.

Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) sagte dem SWR, dass es nach allen vorliegenden Informationen zu keiner Schadstoffbelastung der Luft gekommen sei. Eine Wolke aus Rauch und Ruß zog über Teile von Ludwigshafen und Mannheim hinweg. Anwohner wurden deshalb aufgefordert, in ihren Häusern zu bleiben, Türen und Fenster geschlossen zu halten. Die starke Rauchentwicklung ist Lewentz zufolge vor allem darauf zurückzuführen, dass am Unglücksort Fahrzeuge brannten.

Aus Sicherheitsgründen fuhr die BASF nach der Explosion insgesamt 14 Produktionsanlagen herunter, insgesamt sind nach Konzernangaben rund 20 Anlagen ausgeschaltet oder im Teillastbetrieb. Betroffen davon waren unter anderen zwei sogenannte Steamcracker. Diese Anlagen sind laut BASF das Herzstück des Werks, dort entstünden etliche chemische Grundbausteine für die Produktion von Kunststoffen.

Die Landesregierung beraumt eine Sondersitzung an

In dem Binnenhafen des Chemiekonzerns werden Flüssiggase und brennbare Flüssigkeiten verladen. Am Montag fanden nach BASF-Angaben Arbeiten auf dem Gelände statt - ob jedoch am späteren Explosionsort, ist noch unklar. Auch die wirtschaftlichen Folgen und die Schadenshöhe sind noch völlig unklar.

Bei den Rettungs- und Löscharbeiten waren die Freiwillige Feuerwehr Ludwigshafen, die Berufsfeuerwehr und die BASF-Feuerwehr mit über 160 Mann im Einsatz. Auch Notfallseelsorger sowie weitere Rettungskräfte waren vor Ort. Das Löschwasser werde in einer werkseigenen Kläranlage gesammelt. Sperren verhindern demnach, dass es in den Rhein fließt. "Die Messwerte sind unauffällig", so das Unternehmen.

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer hatte den Einsatzkräften am Montag für ihre Arbeit gedankt. Die Koalitionsfraktionen im Mainzer Landtag kündigten eine Sondersitzung an. Die zuständigen Ausschüsse sollten darüber beraten, wie es zu dem Vorfall kam und welche Folgen sie für Menschen und Umwelt in der Region habe, teilten die Fraktionen von SPD, FDP und Grünen mit.

mxw/dpa/AFP