Katholische Hardliner Corona-Ausbruch bei Piusbrüdern in Regensburg

In einem Priesterseminar in Bayern haben sich Dutzende Geistliche mit Covid-19 infiziert. Der Regens in Zaitzkofen vermutet, ein symptomfreier Seminarist könne das Virus eingeschleppt haben.
Priesterseminar der Piusbruderschaft in Zaitzkofen in der Oberpfalz (Archivbild)

Priesterseminar der Piusbruderschaft in Zaitzkofen in der Oberpfalz (Archivbild)

Foto: Armin Weigel/ picture-alliance/ dpa

Nach einem Corona-Ausbruch in einem Priesterseminar im Landkreis Regensburg sind 50 Menschen positiv auf das Virus getestet worden. 44 Priester sowie sechs Nonnen und Hilfskräfte seien Stand Montag infiziert gewesen, teilte das Landratsamt Regensburg mit. Zunächst hatte die "Mittelbayerische Zeitung" berichtet.

Die 56 Bewohner des Priesterseminars der katholischen Piusbrüder in Schierling seien unter Quarantäne gestellt worden. Eindeutige Hinweise, worauf der Corona-Ausbruch zurückzuführen ist, gebe es nicht, sagte ein Sprecher.

"Wir leben jetzt alle in Isolation"

Der Regens des Priesterseminars teilte mit, man habe den Verdacht, dass ein Seminarist das Virus mit Beginn des neuen Studienjahres mitgebracht habe. Der Mann selbst sei symptomfrei gewesen. Erst Ende Oktober waren elf neue Seminaristen in Zaitzkofen eingezogen, sie kamen aus Deutschland, Ungarn, der Schweiz, Polen, Weißrussland und dem Libanon.

"Wir leben jetzt alle in Isolation", sagte der Regens dem Bayerischen Rundfunk . Einige der infizierten Mitbrüder würden Symptome zeigen. Das Seminar agiere in enger Abstimmung mit dem örtlichen Gesundheitsamt. Über Infektionen außerhalb der Einrichtung durch den Ausbruch ist nach Angaben des Landratsamts bisher nichts bekannt.

Erzkonservative Gruppierung

Die Piusbrüder gelten als erzkonservative Gruppierung, sie lehnen wesentliche Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils ab. Seit 1975 hat die Vereinigung keinen kanonischen Status mehr - damit erfolgen Priester- und Bischofsweihen ohne die Erlaubnis Roms.

Gegründet wurde die Bruderschaft 1970 von Erzbischof Marcel Lefebvre. Das Priesterseminar im Schloss Zaitzkofen betreiben die Piusbrüder seit 1978.

Papst Johannes Paul II. exkommunizierte unerlaubt geweihte Geistliche, Papst Benedikt XVI. hob 2009 die Exkommunizierungen wieder auf. Teile der Piusbruderschaft sind offen antisemitisch, wie es der Skandal um Holocaustleugner Richard Williamson zeigte. Für die Piusbrüder sind Laizismus und Atheismus gleichbedeutend mit Todsünde, die Schriften der Aufklärung "Irrlehren". Sie verurteilen Abtreibungen, Empfängnisverhütung, Zinsspekulation, Gleichberechtigung, Homosexualität und Pornografie.

ala/dpa
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