Bayern Helfer kämpfen um Kloster Weltenburg

Obwohl Teile des Klosters Weltenburg schon unter Wasser stehen, bleibt die weltberühmte Abteikirche wohl von den Fluten verschont. Auch an der Isar wappnen sich die Anwohner gegen die herannahenden Wassermassen. Andernorts sinken die Pegel, doch für eine Entwarnung ist es noch zu früh.

München - Hunderte Helfer sind seit den Morgenstunden im Einsatz, um wertvolle Gegenstände in Sicherheit zu bringen. Vorsorglich mussten alle Gäste des Klosters das Gelände verlassen. Ob die Wassermassen, die im Keller stehen, bereits Schäden am Gemäuer angerichtet haben, ist noch unklar.

In Kelheim nahe Regensburg herrscht seit heute Katastrophenalarm. Nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Wasserwirtschaft werden dort gegen Nachmittag Pegelstände der Donau von bis zu 7,20 Metern erwartet - das ist zwar deutlich weniger als beim Pfingsthochwasser von 1999, dennoch hatten die Behörden befürchtet, dass das Wasser in die Kirche von Kloster Weltenburg eindringen könnte. Dort hatte Hochwasser schon in der Vergangenheit Millionenschäden angerichtet. Das Kloster gilt als das älteste in Bayern. Bereits um 600 nach Christus sollen sich dort Wandermönche niedergelassen haben.

Nach Angaben der Klosterleitung war der Pegel am Mittag schon so weit gestiegen, dass das Erdgeschoss voller Wasser war. "Wir sind überschwemmt, und das Wasser läuft immer weiter in unsere Räume", sagte der Prior des Klosters, Pater Benedikt. Pro Jahr besuchen 500.000 Touristen das weltberühmte Kloster.

In Neustadt an der Donau droht ein Deich zu brechen. Dutzende Helfer sind im Einsatz und versuchen, den Deich zu stabilisieren. Die kritische Situation ist nach Angaben des Landratsamts Kelheim durch einen Rückstau des Flusses Ilm entstanden. Sollte der Deich brechen, würde der Wasserstand in den betroffenen Gebieten aber weit unter dem Wert des Hochwassers von 1999 liegen. Die Donaudeiche in Neustadt selbst und in Kelheim seien nicht gefährdet.

Auch die Lage an der Isar bei Erding und in Landshut ist weiterhin kritisch. Das Wasser stieg am Morgen weiter an. Bei Erding stehen die Fluten mit 4,27 Metern höher als 1999 und drücken gegen die aufgeweichten Deiche. An der Donau erreichte die Flutwelle Ingolstadt. Größere Überschwemmungen blieben aber aus. Ein Todesopfer forderte unterdessen ein leichtsinniger Ausflug mit einem Schlauchboot auf dem Hochwasser führenden Fluss Mangfall bei Feldkirchen-Westerham im Landkreis Rosenheim. Das Boot kenterte, ein 28-Jähriger konnte nur noch tot geborgen werden.

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Flut: Wellen, Wälle, Wallungen

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In Passau, wo Donau und Inn zusammen fließen, beruhigte sich die Situation deutlich. Der Pegelstand des Inn ging stark zurück, so dass in den überfluteten Gebieten in der Altstadt die Aufräumarbeiten beginnen konnten. Bis zum Eintreffen des Scheitels der Donau sollte der Inn-Pegel weiter sinken. Damit erwarteten die Helfer keine gravierenden neuen Überflutungen durch die Donau.

Dämme unter hoher Belastung

In Erding werde der Isar-Pegel bis Samstagmorgen unverändert hoch bleiben, sagte eine Sprecherin des Landratsamtes Erding. "Das ist für die Dämme eine hohe Belastung, wir bleiben weiterhin im Einsatz." Erding hat weitere 100 Soldaten der Bundeswehr zur Unterstützung angefordert. Gestern Abend hatte sich in Moosburg die Lage zugespitzt, als ein Damm zu brechen drohte. Eine Evakuierung wurde bereits vorbereitet, am frühen Morgen gab es jedoch Entwarnung.

Auch in Landshut werden die hohen Wasserstände wahrscheinlich noch tagelang anhalten. "Das Wasser steigt immer noch, der Pegel steht bei 3,88 Metern", sagte ein Sprecher des Wasserwirtschaftsamtes. Bewohner und Hilfskräfte hatten gefährdete Stellen mit Tausenden Sandsäcken gesichert.

In Oberbayern und im Allgäu begannen die Aufräumarbeiten. "Die Lage entspannt sich auf hohem Niveau", teilte das Polizeipräsidium Oberbayern am Morgen mit. In mehreren Landkreisen wurde der Katastrophenalarm aufgehoben, so in Weilheim-Schongau, Traunstein und - bis auf zwei Gemeinden - Garmisch-Partenkirchen.