Streit über Beer-Pong-Turnier in Bayern Wettkampf oder Wettsaufen?

Ein Barbesitzer in Fürstenfeldbruck wollte ein Beer-Pong-Turnier veranstalten. Doch das Ordnungsamt lehnte den Antrag ab - das Trinkspiel fördere den Alkoholmissbrauch. Der Streit ist damit aber noch nicht beendet.

20 Becher und ein Tischtennisball: Beer-Pong wird auf Festivals, Feiern und bei Turnieren gespielt
Wolfgang Rattay/ REUTERS

20 Becher und ein Tischtennisball: Beer-Pong wird auf Festivals, Feiern und bei Turnieren gespielt


In einer Musikbar im bayerischen Fürstenfeldbruck sollte am Samstagnachmittag ein Beer-Pong-Turnier stattfinden. Der Geschäftsführer hatte dafür sogar einen Antrag auf Genehmigung des Turniers bei der Stadt eingereicht.

Doch das Ordnungsamt reagierte auf die Anfrage eher nüchtern. Es legte dem Barbesitzer die Rechtsgrundlage dar: Trinkspiele wie Beer-Pong förderten und verharmlosten über ihren Wettbewerbscharakter in unzulässiger Weise den Alkoholkonsum. Die Gesundheit der Gäste könne gefährdet werden.

Beim Beer-Pong treten in der Regel zwei Teams gegeneinander an. Zehn Plastikbecher werden auf beiden Seiten eines Tisches aufgestellt. Die Spieler versuchen, einen Tischtennisball in die mit Alkohol gefüllten Becher des gegnerischen Teams zu werfen. Landet der Ball in einem Becher, muss dieser von den Gegnern ausgetrunken werden. Danach wird ohne den leeren Becher weitergespielt.

Für Volksfeste gilt die Regelung nicht

Die Ausrichtung solch eines Turniers verstoße gegen die allgemeinen Verbote des Gaststättengesetzes und könne zum Schutz der Gäste und der Allgemeinheit untersagt werden, argumentierte die Stadt. Darüber hinaus könne dem verantwortlichen Gastwirt die Erlaubnis entzogen werden. Der Gastronom nahm seine Anfrage daraufhin zurück.

Die Stadt teilte mit, sie habe in der Sache die Regierung von Oberbayern kontaktiert. Diese habe ihr empfohlen, die Veranstaltung zu unterbinden, da Beer-Pong als ein problematisches Veranstaltungskonzept zu sehen sei.

Damit ist der Streit um das Bier-Pong-Turnier jedoch noch nicht beendet. Die Einwohner von Fürstenfeldbruck gucken nun argwöhnisch auf die Gemeinde Emmering, die im gleichen Landkreis liegt. Wie eine Sprecherin der Stadt Fürstenfeldbruck bestätigte, finden dort regelmäßig Beer-Pong-Turniere statt.

Auf die Frage, weshalb das Turnier in der Bar dann nicht erlaubt wurde, hieß es, man wisse nicht, ob die Veranstaltungen in Emmering genehmigt würden. Und: "Hier steht unseres Wissens auch der wettkampfsportliche Charakter im Vordergrund, da primär mit alkoholfreien Getränken gespielt wird."

Die in Bayern typischen Volksfeste indes seien mit einem Beer-Pong-Turnier nicht vergleichbar, hieß es von der Stadt. Gäste könnten selbst entscheiden, was und wie viel sie konsumieren, während der Konsum bei Trinkspielen mittels Spielregeln vorgegeben sei und teilweise von nicht beeinflussbaren Faktoren wie Geschicklichkeit bestimmt werde.

cmb



insgesamt 4 Beiträge
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spiegelleser85 09.08.2019
1. Ein Glück
dass so etwas Stumpfes nicht genehmigt wird. Sie können es ja mit alkoholfreien Getränken spielen und nebenbei unabhängig vom Spielverlauf Bier trinken, so viel sie wollen. Insofern keine wirkliche Einschränkung oder gar Bevormundung.
ynwa_ 09.08.2019
2. genau
verbieten , verbieten, das die Begründung schwachsinnig ist sollte selbst ihnen (@spiegelleser...) einleuchten. Alkoholwerbung, Biermessen, Weinmessen, ja richtig dient dem kultiviertem Genuss und fördert natürlich nicht den Missbrauch. Das Ordnungsamt macht sich lächerlich.
carlow 09.08.2019
3. Bevormundung
Wenn man den Teilnehmern keinen verantwortungsvollen Konsum von Alkohol zutraut weil es ja "abhängig von geschicklichkeit" sei wieviel zu trinken sei, sollte man das Oktoberfest und jedwede Kirmes genauso streichen, denn klar "den Becher trink ich nicht mehr sonst Kipp ich um" ist natürlich wenn es um Wettkampf geht nicht zu erwarten. auf den Wiesn aber schon eher?
Datenschubser 09.08.2019
4.
Finde ich ehrlich gesagt ein wenig übertrieben. Die Leute sind erwachsen, keiner wird gezwungen da mitzumachen und aufgeben ist jederzeit möglich. Außerdem wird Bierpong in der Regel mit nicht vollständig gefüllten Bechern gespielt, so dass pro Runde vielleicht 0,5-1l Bier anfallen, sofern man verliert. Das dürfte die Zielgruppe des Turniers vor keine allzu große Herausforderung stellen.
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