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Klüger werden mit: Beate Berger

Die 44-jährige Autorin über die Geschichte des Bikinis
aus DER SPIEGEL 16/2004

SPIEGEL: Ihr Buch »Bikini. Eine Enthüllungsgeschichte« ist 272 Seiten dick. Was gibt es auf so vielen Seiten zu einem winzigen Stück Textil zu schreiben?

Berger: Der Bikini ist ein Kleidungsstück mit einer erstaunlichen Geschichte und unzähligen Anekdoten. Auf den Spuren des Bikinis lässt sich die Sittengeschichte des 20. Jahrhunderts verfolgen. Ich habe in Archiven gewühlt, alte Frauenzeitschriften durchgesehen und festgestellt: In der Geschichte des Bikini spiegelt sich die Geschichte der Emanzipation.

SPIEGEL: Inwiefern?

Berger: In den sechziger Jahren etwa, in der Phase der sexuellen Befreiung, war der Bikini für einige ein Kampfmittel. Frauen, die linksliberal dachten, hatten zwei Kleidungsstücke ganz bestimmt im Schrank: den Minirock und den Bikini.

SPIEGEL: Aber es gab auch Zeiten, in denen der Bikini im Schrank blieb.

Berger: In den Siebzigern verlor er an Bedeutung, weil Frauen, die liberal sein wollten, das Oberteil auszogen. Aber der Bikini hat es immer wieder auf die Titelseiten der Magazine geschafft. Das hängt mit seinem Verheißungscharakter zusammen. Der Bikini ist ein Traum. Ein ambivalenter Traum, weil Frauen abnehmen und an ihrem Körper arbeiten müssen. Der Bikini ist eine Aufgabe.

SPIEGEL: Was unterscheidet Bikini- von Badeanzugträgerinnen?

Berger: Eine Bikiniträgerin muss eine gewisse Präsenz haben, um in dem Teil nicht unterzugehen. Sogar Top-Models haben Manschetten vor Bikinis. Die »James Bond«-Szene, in der Ursula Andress aus dem Meer steigt, ist noch immer ein souveräner Bikiniauftritt. Frauen, denen es um sportliches Schwimmen geht, tragen Badeanzüge. Wer Bikini trägt, will braun werden und auch die Blicke auf der nackten Haut spüren.

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