Becker gegen Becker Einigung noch vor dem Gerichtstermin?

Emsige Verhandlungen, geheime Treffen: Die Beckers scheinen fieberhaft nach Möglichkeiten zu suchen, den Showdown vor Gericht zu vermeiden. Derweil wollen TV-Sender trotz massiver Kritik live aus dem Gerichtssaal senden.


Boris Becker am 4. Januar im Gerichtssaal von Miami
REUTERS

Boris Becker am 4. Januar im Gerichtssaal von Miami

Miami - Einigung oder Schlammschlacht im Fall Becker gegen Becker? Einen Tag vor der zweiten gerichtlichen Anhörung in Miami ist noch unklar, ob es überhaupt zum juristischen Showdown zwischen Boris und seiner Ehefrau Barbara kommen wird. Nach der ersten Verhandlung im Bezirksgericht von Miami am Donnerstag hatten sich beide mehrmals zu vertraulichen Gesprächen in Anwesenheit ihrer Anwälte getroffen - vermutlich um eine außergerichtliche Einigung zu erzielen. Die "Bild am Sonntag" berichtete sogar, die Anwälte hätten sich als Ziel gesetzt, bis spätestens eine Stunde vor Beginn der Anhörung am Montag um 09.00 Uhr Ortszeit (15.00 MEZ) eine Einigung zu präsentieren.

Zudem prüfen die Anwälte Beckers, ob sich die Live-Übertragung im deutschen Fernsehen gerichtlich stoppen lässt. Nach Meinung etlicher Medienrechtler wäre das Senden der Bilder aus dem Gerichtssaal ein Verstoß gegen das Persönlichkeitsrecht und deshalb in Deutschland nicht zulässig. In einer Emnid-Umfrage für Spiegel Online hatten sich am Freitag 89 Prozent der Befragten gegen eine Übertragung ausgesprochen.

Für den Fall eines Scheiterns dieser Bemühungen hat Boris aber schon vorsorglich seine Mutter Elvira einfliegen lassen. Sie soll als Zeugin bestätigen, dass der Lebensmittelpunkt der beiden Becker-Söhne Noah (6) und Elias (1) Deutschland und nicht Florida ist.

Es gibt jedoch Anzeichen, dass beide Ehepartner zum Einlenken bereit sind und eine öffentliche Schlammschlacht vor laufenden TV- Kameras vermeiden wollen. So wirkte Boris Becker sichtlich gelassen, als er sich am Freitag nach einem etwa dreistündigen Treffen mit Frau und Anwälten den wartenden Fotografen präsentierte. Noch am Tag zuvor, als ihn der Anwalt seiner Frau, Samuel I. Burstyn, hart ins Kreuzverhör genommen hatte, machte Boris einen sehr angespannten Eindruck und wirkte mitgenommen.

Aus dem Umfeld der Anwälte verlautete bisher aber nur, außergerichtliche Gespräche der Streitparteien seien in den USA durchaus üblich, etwa um Verfahrensfragen zu klären.

Viele Prozessbeobachter sind überzeugt, dass die Anhörung am Donnerstag beiden die Augen geöffnet habe, welch gefundenes Fressen ihr Rosenkrieg für die Medien ist. Vor allem Boris Becker dürfte um sein Image als Werbeträger fürchten, auch wenn seine Werbepartner Mercedes Benz und AOL am Samstag betonten, die Glaubwürdigkeit und der Marktwert von Boris seien von dem Scheidungsdrama nicht betroffen - noch nicht, ergänzen Kenner der Szene.

Ein möglicher Imageschaden und die Demontage des Idols Becker könnten aber vermutlich schwerer und teurer wiegen, als eine Einigung, die Barbara mit einer großzügigen finanziellen Abfindung ausstatten würde. Boris gibt ihr mehr als die im Ehevertrag vereinbarten fünf Millionen Mark und die Kinder bleiben bei ihr, dafür lässt sie die Klage in Miami fallen und gewährt Boris ein uneingeschränktes Besuchsrecht der Kinder - so könnte eine mögliche Einigung aussehen. Dann könnte man sich vor einem Familiengericht mit mehr Ruhe scheiden lassen - ohne Live-Übertragung aus dem Gerichtssaal.

Der deutsche Nachrichtensender N24 hatte die erste Verhandlung live übertragen. Am kommenden Montag wollen dann gleich mehrere Privatsender live dabei sein. Allerdings könnten Beckers Anwälte in Deutschland im Falle des Fortgangs des Verfahrens versuchen, die Übertragung im deutschen Fernsehen mit einer Einstweiligen Verfügung zu untersagen. Nach Meinung verschiedener deutscher Rechtsexperten hätte solch ein Vorgehen durchaus Aussichten auf Erfolg.

Boris Becker und seine Geschäftspartner dürften aber auch ein geschäftliches Interesse daran haben, dass der Fall und damit Details über finanzielle Beteiligungen und Marketingstrategien nicht in der Öffentlichkeit breit getreten werden. Außerdem befindet sich Becker nach eigener Aussage seit vier Jahren in einem Steuerstreit mit dem bayerischen Fiskus. Bei einer Offenlegung seiner Finanzen könne die Steuerfahndung mehr herausbekommen, als Becker lieb sei, unterstellte Anwalt Burstyn. Ein Beamter des bayerischen Finanzministeriums bestätigte der "Bild"-Zeitung, dass der Fall Becker gegen Becker aufmerksam verfolgt werde. Becker musste bereits einmal zehn Millionen Mark Steuern nachzahlen.

Sollte es nicht zu einer schnellen Einigung über die Unterhalts- und Sorgerechtsfragen kommen, wird sich das einstige deutsche Vorzeigepaar an diesem Montag wohl direkt vor Gericht gegenüberstehen. Zudem sollen Elvira Becker, ein Sicherheitsmann und ein Kindermädchen im Sinne von Boris aussagen, dass der Lebensmittelpunkt der Kinder München sei. Er möchte den Fall nach Deutschland holen, Barbara besteht auf Miami als Verhandlungsort. Wie sich Richter Maynard "Skip" Gross dann entscheidet, ist nach Meinung eines in Miami ansässigen deutschen Rechtsexperten völlig offen. "Es gibt einige rechtliche Hürden, die vorher aus dem Weg geräumt werden müssen. Diese Entscheidung kann sich noch hinziehen", meinte Rechtsanwalt Alexander Reus.

Sollte der Fall in Miami bleiben, so könnte der Prozess viel teurer werden, als eine noch so großzügige Einigung: In den USA könne der Ehevertrag der Beckers viel leichter angefochten werden als in Deutschland, meinte Reus. "Bis zu 50 Prozent des gemeinsam erwirtschafteten Vermögens könnten dann der Frau zugesprochen werden." Und das sind, so zeigt eine Aufstellung, mehr als 160 Millionen



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.