Beinahe-Crash in Hamburg 24-Jährige steuerte Airbus beim Landeanflug

Beim spektakulären Sturm-Landeversuch eines Airbus in Hamburg hat die junge Co-Pilotin die Maschine gesteuert. Das dramatische Durchstart-Manöver, das ein Unglück verhinderte, nahm dann der erfahrene Flugkapitän vor. Experten diskutieren nun, wer für den Beinahe-Crash verantwortlich ist.


Braunschweig - Warum Pilot Oliver A. seiner unerfahrenen Kollegin Maxi J. den Landeanflug während des Orkans "Emma" erlaubte, ist noch unklar. Ein Sprecher der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung bestätigte einen Bericht der "Bild"-Zeitung, wonach der 39-Jährige der jungen Kollegin die Landung überließ. Das anschließende Durchstart-Manöver, mit dem ein folgenschweres Unglück verhindert wurde, nahm dem Sprecher zufolge dann der Flugkapitän vor.

Der Rollentausch zwischen Pilot und Co-Pilot ist in einem Verkehrsflugzeug nicht außergewöhnlich. In der Regel übernimmt einer der beiden Piloten die Steuerung des Flugzeuges, der andere koordiniert den Funkverkehr. Für Co-Piloten gelten außerdem die gleichen Trainingsstandards wie für Kapitäne. Sie müssen alle Manöver genauso gut beherrschen. Ein Sprecher der Lufthansa wollte den Bericht mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht kommentieren.

Der mit 131 Passagieren besetzte Flieger aus München war am Samstag beim Landeanflug kurz vor dem Aufsetzen von einer starken Windböe erfasst worden und ins Schlingern geraten. Ein Flügel berührte mit der äußersten Spitze den Boden, ehe die Maschine durchstarten und auf einer anderen Piste des Flughafens sicher landen konnte. Die Passagiere blieben laut Lufthansa unverletzt, einige erlitten jedoch einen Schock.

Für die Beinahe-Katastrophe mit einem Airbus 320 sind nach Einschätzung der Vereinigung Cockpit weder die Piloten noch die Flugsicherung oder der Flughafen verantwortlich zu machen. "Ich sehe nach derzeitigem Kenntnisstand keinen, der eine Schuld hat", sagte deren Sprecher Markus Kirschneck. Damit wies er Spekulationen zurück, die Piloten hätten beim ersten Versuch die falsche Landebahn genutzt.

Nach Einschätzung Kirschnecks waren alle Bedingungen für den Landeanflug in Ordnung. Die angeflogene Landebahn 23 verfüge zudem über ein Instrumentenanflugsystem, das gerade bei starken Winden für eine Landung von Vorteil sei.

Nicht in der Verantwortung sieht sich die Deutsche Flugsicherung (DFS). "Der Pilot hatte die Wahl zwischen beiden Bahnen", bekräftigte DFS-Sprecher Axel Raab am Dienstag in Langen. Zwar sei die von dem Piloten genutzte Landebahn 23 zum Zeitpunkt des Vorfalls die Standardlandebahn gewesen. Mündlich sei dem Piloten aber auch die Nutzung der Landebahn 33 angeboten worden.

Nach Angaben der DFS waren zum Zeitpunkt des Landeversuchs die Seitenwindverhältnisse auf beiden Bahnen gleich. Den Angaben zufolge herrschten Seitenwinde von etwa 45 Kilometern pro Stunde. Der Airbus A320 sei für Landungen bei Seitenwinden bis zu 55 Stundenkilometern zugelassen.

Auch die Lufthansa bekräftigte am Dienstag, die Besatzung habe sich richtig verhalten. Die Landebahn werde in der zivilen Luftfahrt von der Flugsicherung zugewiesen, die Piloten hätten aber nach Abwägung aller Faktoren die letzte Entscheidung, ob sie die Landebahn auch nutzen, sagte ein Sprecher in Frankfurt.

han/AFP/dpa



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Zwietracht, 03.03.2008
1.
Zitat von sysopIm Landeanflug auf Hamburg geriet seine Maschine in Turbulenzen, ein Flügel berührte den Boden, doch Lufthansa-Pilot Oliver A. behielt die Nerven. Mit einem gekonnten Manöver verhinderte der 39-Jährige die Katastrophe. Sollte bei Extremwetter der Luftverkehr mehr eingeschränkt werden? War es Heldenmut des Piloten oder eher Leichtsinn?
Der Kapitän war 39, die Co-Pilotin 24 Jahre alt. Daraus jetzt einen Mangel an Erfahrung abzuleiten wäre aber ungerechtfertigt. Heldenmut oder Leichtsinn? Es war vor allem auch Glück im Unglück in Verbindung mit professionellem Handeln des Piloten. Ob die Sturmböe 10 Fuss über der Landebahn in dieser Stärke vorhersehbar war wage ich zu bezweifeln. Anscheinend hat der Pilot beim Decrabben (Flugzeug zur Landebahn geradestellen) auch Aileron zur windabgewandten Seite hin benutzt. Wenn in diesem Moment eine Böe zuschlägt kann so etwas passieren. Letztendlich müssen das die Experten entscheiden.
Danny Wilde 03.03.2008
2.
... nun ja, man kann auch alles zerreden. Wer sind wir Foristen, uns ein Urteil über die Fliegerei zu erlauben? Im SpOn-Artikel ist doch schon alles wesentliche gesagt worden: 1.: Piloten agieren eigenverantwortlich 2.: Notsituationen (wie auch die geschehene) werden bis zum Abwinken geprobt. 3.: Scherwinde / Turbulenzen können immer wieder unerwartet auftreten - es ist also damit zu rechnen, und der Pilot war dank 1. und 2. vorbereitet. Mein Fazit: Kein Held und erst recht kein Leichtfuß, sondern ein LH-Kapitän, der einfach nur dem bekannt hohen Anforderungsprofil der Company entspricht und die richtigen Entscheidungen zu rechten Zeit getroffen hat. Vielleicht hätte er die Entscheidung zum Durchstarten schon früher fällen müssen - das Video schaut schon a weng windig aus... aber genau hier erlaube ich mir kein Urteil; es war eine Frage des Abwägens. Sicher ist, dass diese Situation (ich bin bereit, darauf zu wetten) Anlass für Company-interne Schulungen sein wird. So long, D.W.
Darjaan 03.03.2008
3. Risiko
Auch wenn dieser Lufthanssprecher behauptet, der Pilot hätte alles richtig gemacht, bin ich der Meinung dass er schon früher hätte abbrechen sollen. Dass Flugzeuge in Querdrift angeflogen werden bei Seitenwinden ist ja normal, geht ja nicht anders um Parallel zur Rollbahn zu bleiben, um dann kurz vor dem Aufsetzen die Maschine auch mit dem Fahrwerk zur Landebahn zu fluchten. Aber die Querdrift war meiner Meinung nach in 20-30 m Höge schon viel zu stark. 50 cm mehr gekippt, und die Tragfläche hätte das Flugzeug herumgerissen, es hätte eine Katastrophe gegeben.
TheBrain, 03.03.2008
4. Ein echter Hero
Ein Busfahrer kann an einer Kreuzung gerade noch dem bei rot über die Ampel fahrendem Kleinlaster ausweichen. Der Dachdecker hält seinen Kollegen fest, der fast ausgerutscht und vom Dach gefallen wäre... Ja Helden solchen Kalibers brauchen wir, wenn SPON nix zu schreiben weiß.
rosebud55 03.03.2008
5.
Zitat von sysopIm Landeanflug auf Hamburg geriet seine Maschine in Turbulenzen, ein Flügel berührte den Boden, doch Lufthansa-Pilot Oliver A. behielt die Nerven. Mit einem gekonnten Manöver verhinderte der 39-Jährige die Katastrophe. Sollte bei Extremwetter der Luftverkehr mehr eingeschränkt werden? War es Heldenmut des Piloten oder eher Leichtsinn?
Der Luvwinkel war extrem, er hätte besser den Anflug abbrechen und um eine andere Runway mit geringerer Crosswindkomponente bitten sollen. Der Tower gibt normalerweise auch die Maximum Boeen an. Dass im falschen Moment soche Boeenwalzen kommen oder nicht spielt sich im Bereich Hoffnung und Stoßgebet ab! Die Leistung beim Goaround war natürlich super! Bei solchen Extremwinden sollten die Crosswindbahnen gesperrt werden!
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