Suchhund schlug an Rettungskräfte in Beirut finden mögliches Lebenszeichen unter Trümmern

Rund einen Monat ist die Explosion von Beirut her - nun gibt es möglicherweise Hinweise auf eine lebende Person unter einem zerstörten Haus. Die Sucharbeiten mussten aber unterbrochen werden.
Rettungskräfte in zerstörtem Gebäude in Beirut: "Zu 99 Prozent ist da nichts"

Rettungskräfte in zerstörtem Gebäude in Beirut: "Zu 99 Prozent ist da nichts"

Foto: MOHAMED AZAKIR / REUTERS

Es wäre vermutlich ein mittelgroßes medizinisches Wunder. Doch rund einen Monat nach der verheerenden Explosion im Hafen der libanesischen Hauptstadt Beirut haben Rettungshelfer möglicherweise Hinweise auf einen weiteren Überlebenden entdeckt.

Unter den Trümmern eines eingestürzten Hauses hätten ein chilenisches Rettungsteam und dessen Suchhund ein Lebenszeichen ausgemacht. Der Feuerwehr zufolge handelt es sich um Hinweise auf eine Person, die atmet.

Laut dem britischen "Guardian"  wurden Anzeichen für einen Puls mit 18 bis 19 Schlägen pro Minute festgestellt. Insgesamt wurden libanesischen Medien zufolge zwei Körper unter den Trümmern ausgemacht. Der Gouverneur von Beirut, Marwan Abbud, sagte der Nachrichtenagentur dpa, möglicherweise gebe es einen Überlebenden.

Der "Guardian" zitiert Youseef Malah, der an den Rettungsarbeiten beteiligt ist: "Zu 99 Prozent ist da nichts. Aber auch wenn wir nur ein Prozent Hoffnung haben, müssen wir weitersuchen." Tatsächlich sind die Chancen auf Überleben über einen derart langen Zeitraum in der Sommerhitze verschwindend gering.

Die Sucharbeiten gingen auch nach Einbruch der Dunkelheit bis zum späten Abend weiter, wurden dann aber unterbrochen. Die Helfer hätten versucht, von oben durch die Trümmer zu kommen, hieß es. Die zerstörten Mauern hätten sich jedoch bewegt und könnten einstürzen. Es dürfe kein Risiko eingegangen werden. Die Armee habe die Anweisung gegeben, die Rettungsarbeiten zu unterbrechen. Sie sollten am Freitagmorgen mit einem Kran fortgesetzt werden.

Einige empörte Augenzeugen machten ihren Unmut über die Unterbrechung der Rettungsarbeiten laut. Sie forderten den sofortigen Einsatz eines Krans und riefen "Schande über euch".

Nur das Erdgeschoss des Hauses ist noch erhalten

Scheinwerfer erhellten am Abend den Ort, an dem das dreistöckige Haus im Beiruter Stadtteil Gemmayze eingestürzt war. Von dem Gebäude steht nur noch das Erdgeschoss, die oberen Stockwerke sind fast vollständig in sich zusammengebrochen. Das Gebäude ist nur wenige Hundert Meter vom Explosionsort im Beiruter Hafen entfernt.

Bei der Explosionskatastrophe am 4. August waren mindestens 190 Menschen ums Leben gekommen und mehr als 6000 verletzt worden. Der Hafen und große Teile der umliegenden Wohngebiete wurden massiv beschädigt. Bis zuletzt wurden nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums noch sieben Menschen vermisst.

jok/dpa