Serbien Europride-Parade zieht durch Belgrad – trotz Widerstand der Behörden

Die serbische Regierung wollte sie verbieten, aber die Europride-Parade in Belgrad fand trotzdem statt. Um die 1000 Teilnehmende der LGBTIQ+-Community demonstrierten, die Polizei schirmte rechte Gegendemonstranten ab.
Europride-Parade in Belgrad

Europride-Parade in Belgrad

Foto: Darko Vojinovic / dpa

Unter dem Missfallen von Regierung und Behörden ist in Belgrad die Europride-Parade gefeiert worden. An die 1000 Teilnehmende demonstrierten in der serbischen Hauptstadt bei teils strömendem Regen für die Rechte von Homosexuellen, Lesben und anderen Angehörigen der LGBTIQ+-Community.

Die Polizei schuf für die Parade einen abgesicherten Korridor entlang der Marschroute. Rechtsextreme und ultraklerikale Gegendemonstranten, die in der Unterzahl waren, hielt sie auf diese Weise auf Distanz. Nach Angaben des Fernsehsenders N1 kam es am Rande zu Zusammenstößen zwischen Gegendemonstranten und Polizisten. Das Innenministerium meldete 31 Festnahmen.

Ursprünglich hätte die Regenbogen-Parade durch die halbe Innenstadt ziehen sollen. Doch das Innenministerium wich von der Praxis der vergangenen Jahre ab und untersagte die Veranstaltung. Das serbische Verwaltungsgericht wies am Samstag eine Beschwerde der Veranstalter gegen den Innenministeriums-Bescheid ab.

Deutlich verkürzte Streckenführung

Die Staatsanwaltschaft drohte den Teilnehmern einer potenziell »illegalen Demonstration« mit drakonischen Geldstrafen. Die Veranstalter verständigten indes das Innenministerium über eine deutlich verkürzte Streckenführung, nur wenige hundert Meter lang. Die Behörde reagierte bis zum Beginn der Parade nicht darauf.

Pride-Paraden fanden in Belgrad seit 2014 ohne Zwischenfälle, aber unter einem großen Polizeiaufgebot statt. 2001 und 2010 wurden die Parade der nationalen LGBTQ+-Bewegung von Gewalt und Ausschreitungen überschattet.

In diesem Jahr hatte Belgrad als erste Stadt in Südosteuropa die Austragung einer Europride zuerkannt bekommen. Mehrere Europaabgeordnete und europäische Politiker nahmen daran teil. Auch der Queer-Beauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann, reiste nach Belgrad.

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Serbiens Präsident Aleksandar Vučić hatte Ende August die Absage oder Verschiebung der Pride in Aussicht gestellt. Der rechte Nationalist orientiert sich seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine stärker an Russland als zuvor. In diesem Sinne sucht er auch die Nähe zur ultrakonservativen und prorussischen serbisch-orthodoxen Kirche. Rechtsextremisten und klerikale Kreise veranstalteten in den vergangenen Wochen in Belgrad sogenannte Prozessionen gegen die Pride.

kfr/dpa/AFP
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