Münchner Missbrauchsgutachten Benedikt XVI. gesteht Falschaussage ein

Das Missbrauchsgutachten von München belastet Benedikt XVI. schwer. Er wies die Vorwürfe zurück, doch nun korrigiert er eine wichtige Aussage. Den Fehler sieht er aber nicht bei sich selbst.
Papst Benedikt XVI. (2013): Fehler in der Aussage

Papst Benedikt XVI. (2013): Fehler in der Aussage

Foto: Franco Origlia / Getty Images

Das Münchner Missbrauchsgutachten wirft Benedikt XVI. Fehlverhalten im Umgang mit sexuellem Missbrauch in seiner Zeit als Erzbischof der Erzdiözese München-Freising vor. Der emeritierte Papst – der bürgerlich Joseph Ratzinger heißt – wies die Vorwürfe zurück. Doch nun korrigiert er eine zentrale Aussage .

Der konkrete Fall dreht sich um den Priester Peter H. Der Geistliche aus Nordrhein-Westfalen soll vielfach Jungen missbraucht haben und wurde zur Amtszeit Ratzingers in dessen Bistum versetzt, wurde wieder als Seelsorger eingesetzt und Jahre später rechtskräftig wegen Kindesmissbrauchs verurteilt. Er soll immer wieder rückfällig geworden sein.

Über die Aufnahme des Priesters in München war in einer Sitzung im Januar 1980 entschieden worden. In einer Stellungnahme an die Gutachter gab Benedikt XVI. an, er sei bei dieser Sitzung nicht anwesend gewesen. Ein Protokoll der Sitzung führte Ratzinger jedoch nicht als abwesend, deswegen zweifelten die Gutachter an seiner Aussage.

Fehler tut Benedikt XVI. »sehr leid«

Nun berichten mehrere Medien, darunter »Vatican News« , dass Benedikt seine Aussage in einer Stellungnahme korrigiert habe. Demnach habe er doch an der Ordinariatssitzung am 15. Januar 1980 teilgenommen. Der Fehler sei aber »nicht aus böser Absicht heraus geschehen«, sondern »Folge eines Versehens bei der redaktionellen Bearbeitung seiner Stellungnahme«. Dies tue ihm »sehr leid«, und er bitte, dies zu entschuldigen. Wie es zu dem Versehen gekommen sei, wolle er in einer weiteren Stellungnahme erklären.

In der damaligen Sitzung sei jedoch nicht über einen »seelsorgerlichen Einsatz« des Priesters entschieden worden. Man habe aber der Bitte entsprochen, dem Mann »während seiner therapeutischen Behandlung in München Unterkunft zu ermöglichen«.

In einer Stellungnahme zum Fall Peter H. hatte Benedikt XVI. zuletzt auch geschrieben, er habe H. »nicht gekannt und auch keine Erinnerung an den Fall«. Er bestritt auch, von der Warnung eines Personalreferenten aus dem Bistum Essen gewusst zu haben.

Priester H. ist einer von 235 mutmaßlichen Tätern, die das Missbrauchsgutachten der Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) für das Erzbistum München  identifiziert hat. Die Juristen haben als externe Prüfer für die Jahre 1945 bis 2019 Dutzende Personalakten, Sitzungsprotokolle und Nachlassbestände ausgewertet und 56 Zeitzeugen befragt. Ihr Gutachten nennt insgesamt 247 männliche und 182 weibliche Betroffene. Die meisten von ihnen waren Kinder und Jugendliche, als sich die Vorfälle ereigneten.

ptz