Benedikt XVI. in Deutschland Ein paar Worte zum Islam - und dann weiter

Benedikt XVI. und der Islam - keine unbelastete Beziehung. In Berlin schlug der Papst versöhnliche Worte an: Die Anwesenheit von Muslimen in Deutschland sei inzwischen "ein Merkmal dieses Landes". Im Mittelpunkt steht nun allerdings seine Begegnung mit Protestanten in Thüringen.

Papst Benedikt XVI.: "Beständig daran arbeiten, sich gegenseitig besser kennenzulernen"
dapd

Papst Benedikt XVI.: "Beständig daran arbeiten, sich gegenseitig besser kennenzulernen"


Berlin - Seine Rede im Bundestag wurde überwiegend positiv aufgenommen, die Messe im Berliner Olympiastadion lief trotz der Proteste in der Innenstadt glatt: Nach dem Auftakt seines Deutschland-Besuchs hat Benedikt XVI. am Morgen Vertreter der muslimischen Gemeinde in Deutschland getroffen. Der Papst kam mit 15 Mitgliedern von Verbänden, Mitarbeitern von Hilfsorganisationen und Islam-Lehrern zusammen.

Das Treffen in der apostolischen Nuntiatur war nicht öffentlich. Laut seinem Redemanuskript sagte der Papst: "Die Anwesenheit zahlreicher muslimischer Familien ist seit den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zunehmend ein Merkmal dieses Landes geworden." Eine Äußerung, die an die Rede von Bundespräsident Christian Wulff erinnert, der 2010 zum 20. Jahrestag der Einheit sagte, auch der Islam gehöre zu Deutschland - und damit in einer von der Sarrazin-Debatte aufgeheizten Atmosphäre neue Diskussionen auslöste.

Benedikt rief dazu auf, "beständig daran zu arbeiten, sich gegenseitig besser kennenzulernen und zu verstehen". Dies sei "nicht nur für ein friedvolles Zusammenleben wichtig, sondern auch für den Beitrag, den jeder für den Aufbau des Gemeinwohls in dieser Gesellschaft zu leisten vermag".

"Viele Muslime messen der religiösen Dimension des Lebens große Bedeutung bei", was "zuweilen als Provokation aufgefasst" werde, sagte der Papst. Die katholische Kirche setze sich jedoch entschieden dafür ein, "dass der öffentlichen Dimension der Religionszugehörigkeit eine angemessene Anerkennung zuteil wird", so Benedikt. "Allerdings ist darauf zu achten, dass der Respekt gegenüber den anderen stets gewahrt bleibt."

Gegenseitiger Respekt wachse nur durch ein Einvernehmen über unveräußerliche Werte und die "unverletzliche Würde jeder einzelnen Person". Der Papst betonte, in Deutschland und vielen anderen Ländern sei der allgemeine Bezugsrahmen durch die Verfassung vorgegeben. Deren rechtlicher Gehalt sei für jeden Bürger verbindlich, gleich ob er Mitglied einer Glaubensgemeinschaft sei oder nicht. Zu dem Treffen waren unter anderem der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, sowie Mitglieder der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB) eingeladen.

Regensburger Rede kein Thema

Mazyek sagte nach dem Treffen, von dem Berliner Gespräch gehe ein Signal für das Verhältnis von Katholiken und Muslimen aus. "Der Papst will im interreligiösen Dialog eine neue Seite aufschlagen", sagte Mazyek. "Es liegt nun an uns, diesen Stab aufzunehmen." Das bedeute nicht, Trennendes zu verschweigen.

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Vor fünf Jahren hatte Benedikt mit seiner umstrittenen Regensburger Rede heftige Proteste in der islamischen Welt ausgelöst. Muslime warfen dem Papst vor, den Islam in die Nähe der Gewalt gestellt zu haben, weil er einen byzantinischen Kaiser mit den Worten zitierte, der Islam sei eine intolerante und gewalttätige Religion. Der Vatikan ließ damals eine Erklärung verbreiten, wonach der Papst seine Wortwahl bedauere.

Die Regensburger Rede habe bei dem jetzigen Gespräch keine Rolle gespielt, sagte Mouhanad Khorchide, Professor für islamische Religionspädagogik an der Universität Münster. "Die offenen Fragen hatte der Papst bereits aus dem Weg geräumt." Das Gespräch sei in einer "sehr spirituellen Atmosphäre" verlaufen.

Papst in Thüringen angekommen

Anschließend reiste Benedikt zum Treffen mit führenden evangelischen Christen nach Thüringen. Am Flughafen Erfurt wurde er von Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) begrüßt. Die Ökumene ist ein Schwerpunkt seines Deutschland-Besuchs, die Erwartungen an das Treffen in Thüringen sind hoch: Das Gespräch findet im Augustinerkloster statt - dort hatte der spätere Reformator Martin Luther vor 500 Jahren als katholischer Mönch gelebt. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, erhofft sich Anstöße für ein besseres Miteinander von Protestanten und Katholiken.

Man müsse bei den Erwartungen an einen solchen Besuch das "richtige Maß finden", sagte Schneider am Freitag im Deutschlandfunk. Sofortige Neuerungen seien zwar nicht zu erwarten. "Ich hoffe jedoch, dass es Impulse geben wird", so Schneider. Auf dem Weg einer Annäherung sei es wichtig, sich "auf Augenhöhe zu begegnen". Dabei müsse ein Weg gefunden werden, wie mit der Einschätzung umgegangen werde, die Reformierten hätten lediglich den Stellenwert einer kirchlichen Gemeinschaft und nicht einer Kirche.

Die Vorsitzende der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, Katrin Göring-Eckardt, wünschte sich bei NDR Info, dass Protestanten und Katholiken gemeinsam das Reformationsjubiläum 2017 feiern.

Bundespräsident Christian Wulff hatte bei der Begrüßung des Papstes vor dem Schloss Bellevue am Donnerstagvormittag konkrete Verbesserungen im Miteinander von Katholiken und Protestanten angemahnt. "Das Trennende zwischen den christlichen Kirchen bedarf der Begründung, nicht das Gemeinsame. Und deswegen haben wir hier noch sehr viel zu tun", sagte er.

Der Bischof der evangelischen Kirche von Berlin und Brandenburg, Markus Dröge, sagte RBB-Inforadio, es sei noch kein ökumenisches Zeichen von Benedikt gesetzt worden: "Bisher ist es für alle, die auf ökumenische Signale warten, eher enttäuschend."

"Großes Zeichen der ökumenischen Begegnung"

Ministerpräsidentin Lieberknecht bezeichnete den Besuch des Papstes in Thüringen als herausragendes Ereignis. "Es ist der erste Besuch eines Papstes in der 2000-jährigen Kirchengeschichte und insbesondere in der fast 500-jährigen Reformationsgeschichte im Kernland der Reformation", sagte sie. "Das ist ein großes Zeichen der ökumenischen Begegnung, das noch lange Zeit über den Besuch hinausstrahlen wird."

Lieberknecht setzt auch auf positive Effekte für Thüringen: "Der Erfurter Dom und die Severikirche, das kirchenhistorisch bedeutsame Augustinerkloster und die wunderschöne Landschaft des Eichsfelds werden sich den Menschen weltweit einprägen", sagte die Ministerpräsidentin.

Am Nachmittag fliegt der Papst mit dem Hubschrauber ins katholische Eichsfeld im Norden Thüringens. An der Marienwallfahrtskapelle Etzelsbach feiert er mit etwa 60.000 Pilgern ein Abendgebet. Am Samstag und Sonntag schließt er den Deutschland-Besuch in Freiburg ab.

hut/dpa/dapd

insgesamt 42 Beiträge
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kellitom, 23.09.2011
1. Keine großen Erwartungen
Der Papst sprach der evangelischen Kirche den Kirchenstatus ab. Ob da hinsichtlich der Ökomene viel zu erwarten ist, ist schon sehr zweifelhaft.
hundini 23.09.2011
2. ^^
Was interessiert einem Atheisten die Ökumene?^^
jimknopf107 23.09.2011
3. Ganz Gallien?
Ob man ihn mag oder nicht, aber dass dieser doch mittlerweile recht alte Mann sich überhaupt die Mühe macht, um ein paar winzige, protestantischen Ländchen in Europa zu besuchen, allein dafür muss man ihm schon Respekt zollen.
AKI CHIBA 23.09.2011
4. Entspannung!!!
Der Hl. Vater sorgt doch selber für Entspannung. In seiner hochphilosophischen Rede vor dem Bundestag hat er schließlich vernehmlich zum Ausdruck gebracht, dass man so manches in dieser komplizierten Welt auf legere Art und Weise loswerden kann. Wer die Rede runterlädt und bei fast genau 6 Minuten den Lautsprecher laut stellt, kann sich eines menschlich-allzumenschlichen Schmunzelns nicht erwehren.
distributer 23.09.2011
5. Naja
Zitat von jimknopf107Ob man ihn mag oder nicht, aber dass dieser doch mittlerweile recht alte Mann sich überhaupt die Mühe macht, um ein paar winzige, protestantischen Ländchen in Europa zu besuchen, allein dafür muss man ihm schon Respekt zollen.
und all die Beamten im Bundestag. Persoenlich bin ich ja nicht sonderlich religious aber lass sie doch ihr goldenes Kalb feiern :)
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