Letzter Arbeitstag als Papst Benedikt verspricht Nachfolger bedingungslosen Gehorsam

Der nächste Papst kann mit der vollen Unterstützung seines Vorgängers rechnen: Benedikt XVI. hat bei einem Abschiedstreffen mit Kardinälen gesagt, er werde seinem Nachfolger bedingungslos Ehrfurcht und Gehorsam erweisen.
Letzter Arbeitstag als Papst: Benedikt verspricht Nachfolger bedingungslosen Gehorsam

Letzter Arbeitstag als Papst: Benedikt verspricht Nachfolger bedingungslosen Gehorsam

Foto: VINCENZO PINTO/ AFP

Rom - Wer auch immer zum nächsten Papst gewählt wird, kann sich der vollen Unterstützung von Benedikt XVI. sicher sein. Am letzten Tag seiner Amtszeit sagte der Papst in Rom, er werde seinem Nachfolger "bedingungslos Ehrfurcht und Gehorsam erweisen". Der 85-Jährige äußerte sich bei einem Treffen mit Kardinälen am Vormittag - wenige Stunden vor dem Ende seiner Amtszeit. Bei der Zusammenkunft verabschiedete sich Benedikt XVI. im Vatikan von den Würdenträgern. "Ich werde euch weiterhin im Gebet nahe sein, besonders in den kommenden Tagen", sagte er.

Er hielt die Kardinäle dazu an, in Einigkeit zu arbeiten. Das Kardinalskollegium sei "wie ein Orchester", in dem Übereinstimmung und Harmonie erreicht werden könne. Damit richtete der Papst einen deutlichen Appell an das Konklave, das bald zur Papstwahl zusammentreten wird.

In den vergangenen acht Jahren, so der Papst, habe man sehr schöne, aber auch dunkle Momente erlebt, "in denen Wolken den Himmel verdunkelten". Das war eine verklausulierte Anspielung auf den Vatileaks-Skandal, die Missbrauchsfälle durch katholische Geistliche und Machtkämpfe im Vatikan.

Benedikt XVI. traf in der Sala Clementina des Apostolischen Palastes mit den Kardinälen zusammen, die für die Vorbereitungen auf die im März anstehende Wahl des neuen Papstes bereits in Rom sind. Benedikt betrat unter dem Applaus der Kardinäle den Raum, der Dekan des Kardinalskollegiums, Angelo Sodano, bedankte sich in einer kurzen Ansprache beim Papst.

Der Papst hatte angekündigt, sich aus der Wahl seines Nachfolgers herauszuhalten - auch, um Spekulationen über einen möglichen Schattenpapst entgegenzutreten, der aus dem Ruhestand Einfluss nimmt. Seine Äußerungen scheinen nun zu bekräftigen, dass er künftig tatsächlich Privatmann sein und sich aus den Angelegenheiten des Vatikan heraushalten will.

Aus Sicht eines ranghohen Geistlichen erschwert Benedikt XVI. mit seinem Rücktritt die Aufgabe des nächsten Papstes. Der australische Kardinal George Pell, ranghöchster Geistlicher des Kontinents, kritisierte die Entscheidung zum Amtsverzicht, weil "Menschen, die mit einem der kommenden Päpste nicht einverstanden sind, jetzt Kampagnen für ihren Rücktritt anstoßen können". Benedikt XVI. sei sich sehr bewusst darüber, dass sein Rücktritt ein "Bruch mit der Tradition" sei und auf die Kirche "eher destabilisierend" wirke.

Pell, der mit seinen 71 Jahren am Konklave zur Wahl des Nachfolgers teilnehmen darf, kritisierte zudem, der scheidende Papst sei zwar ein "brillanter Lehrer", aber "Regieren war nicht seine Stärke". Die katholische Kirche brauche nun einen Nachfolger, "der sie führen und wieder ein bisschen enger zusammenbringen kann".

Amtszeit des Papstes endet um 20 Uhr

Es ist vorgesehen, dass Benedikt XVI. gegen 17 Uhr letztmals den Vatikan als Papst verlässt. Er wird in die Residenz Castel Gandolfo geflogen. Dort wird er darauf warten, dass es 20 Uhr wird - genau zu dieser Zeit endet seine Amtszeit. Benedikt XVI. ist der erste Papst der Neuzeit, der von seinem Amt zurücktritt.

In Castel Gandolfo wird er in den nächsten beiden Monaten als emeritierter Papst wohnen. Danach zieht er in ein Kloster in den Vatikanischen Gärten, das für ihn hergerichtet wird. In Castel Gandolfo ist am frühen Abend Benedikts letzter öffentlicher Akt geplant: ein Gruß an die Gläubigen von der Loggia des Palastes aus.

Am Mittwoch hatte sich Benedikt XVI. auf dem Petersplatz bei seiner letzten Generalaudienz von etwa 150.000 Gläubigen und Touristen verabschiedet.

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Letzte Audienz von Papst Benedikt XVI: Abschied auf dem Petersplatz

Foto: ALBERTO PIZZOLI/ AFP
ulz/AFP/Reuters/AP