Benedikt XVI. zur Papstwahl "Als das Fallbeil herabfiel, wurde mir ganz schwindelig"

Während seiner ersten Audienz hat sich Papst Benedikt XVI. in aufgeräumter Stimmung präsentiert. Bei seiner Ernennung, scherzte er vor deutschen Pilgern, habe er sich gefühlt wie unter einer Guillotine.

Rom - Er habe sich sein Amt nicht gewünscht, berichtete der 78-Jährige gegenüber den Pilgern aus Deutschland. Er habe gehofft, seine letzten Jahre ruhig und friedlich verbringen zu können, sagte Benedikt während des Empfangs.

Als sich während des Konklaves abgezeichnet habe, dass er viele Stimmen erhalten würde, habe ihm ein anderer Kardinal einen Zettel zugesteckt. Darauf habe ihn dieser daran erinnert, wie er, Ratzinger, vor dem Konklave über Christus' Aufforderung an Petrus, ihm zu folgen, gepredigt habe.

Dann schilderte er den Moment, "als das Fallbeil auf mich herabfiel und mir ganz schwindelig zumute wurde". An einem gewissen Punkt habe er dann zu Gott gebetet, "bitte tu' mir das nicht an", sagte Benedikt. Aber "offenkundig hat Er mich dieses Mal nicht erhört".

Der neue Papst wurde bei seiner Ankunft überschwänglich begrüßt. "Benedikt, Gott geschickt", riefen die Pilger, von denen einige bayerische Flaggen und ein Banner des Weltjugendtags, der im August in Köln stattfinden soll, trugen. Benedikt, der vor seinem Pontifikat häufig als steif und fast unnahbar bezeichnet worden war, ging lächelnd durch die Reihen, schüttelte Hände und begrüßte die Menschen. Den Beifall, der seine Antrittsrede immer wieder unterbrach, schien Ratzinger zu genießen.

Zu Beginn seiner Audienz entschuldigte er sich für seine Verspätung. Ein Treffen mit Führern anderer Religionsgemeinschaften habe länger gedauert als geplant. Die Deutschen seien Pünktlichkeit gewohnt. Aber er sei eben bereits sehr italienisch geworden, scherzte Benedikt. Bei dem vorangegangenen interreligiösen Treffen hatte Benedikt eine Fortsetzung des christlich-muslimischen Dialogs angekündigt. "Ich versichere Ihnen, dass die Kirche weiterhin Brücken der Freundschaft zu den Anhängern aller Religionen bauen will, um das wahre Gute jeder Person und der Gesellschaft als ganzer zu suchen", hatte der Pontifex gesagt. Er werde sich auch um die Einheit der christlichen Kirchen bemühen.

Bei seiner Audienz mit den Deutschen wandte sich Benedikt speziell auch an die Jugend: Er freue sich auf den Weltjugendtag in Köln, sagte er. Es sei nicht wahr, dass junge Menschen sich nur für Konsum und materielle Dinge interessierten. Junge Leute wollten große Dinge. Zugleich bat er die Menschen um Vertrauen, wenn er Fehler mache oder Dinge sage, die nicht leicht zu verstehen seien. Denn der Papst müsse diese Dinge sagen. Mehrfach ging Benedikt auf seine bayerischen Wurzeln ein: "Ich bin natürlich ein Bayer geblieben, auch als Bischof von Rom."

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