"Club der Visionäre" in Berlin Feuerwehr kritisiert "abenteuerlichen" Brandschutz

In einem der bekanntesten Technoklubs brannte es. Der Vorfall hat jetzt eine Debatte, nun ja, entfacht - in der sich Feuerwehr und Betreiber in zentralen Punkten widersprechen.

Feuerwehrleute vor dem "Club der Visionäre" in Berlin: "Abenteuerliche Strominstallationen"
Paul Zinken/ DPA

Feuerwehrleute vor dem "Club der Visionäre" in Berlin: "Abenteuerliche Strominstallationen"


Nach einem Feuer im bekannten Berliner "Club der Visionäre" hat eine Diskussion um den Brandschutz in der Diskothek begonnen. Die Vorkehrungen hätten "bei einem vollen Klub mitten in der Nacht" nicht ausgereicht, sagte ein Sprecher der Feuerwehr laut "Tagesspiegel".

Im Rbb äußerte ein Sprecher einen weiteren Kritikpunkt: In den einfach zusammengezimmerten Bretterhütten auf dem Gelände gebe es "teilweise abenteuerliche Strominstallationen". Auch ein paar Dutzend Gasflaschen hätten herumgestanden, teilweise seien sie während des Brands explodiert. Die Feuerwehr habe die Bauaufsicht gebeten, sich die Klubs und Restaurants rund um den Flutgraben genauer anzusehen.

Der Berliner Polizei zufolge wurde das Feuer Samstagmorgen gegen 8.15 Uhr von einem Gast bemerkt. Zu diesem Zeitpunkt waren noch etwa hundert Menschen in dem Klub an der Spree. Sie hätten das brennende Gelände verlassen, zwei Menschen seien von der Feuerwehr aus dem Klub in Sicherheit gebracht worden. Die Feuerwehr schrieb auf Twitter, der Klub sei fast vollständig ausgebrannt.

Dem widersprach der Betreiber auf Facebook. Nur ein kleiner Teil des Freiluftbereichs habe gebrannt. Er sei schon geschlossen gewesen. Außerdem habe es keine Verletzten gegeben. Die Feuerwehr hatte von drei leicht Verletzten gesprochen, die Polizei hingegen teilte mit, niemand sei verletzt worden.

Zum Vorwurf des mangelnden Brandschutzes hieß es in der Einlassung der Betreiber: Alle erforderlichen Maßnahmen seien getroffen worden, die Mitarbeiter seien zu Brandschutzhelfern ausgebildet. Sie hätten sofort gelöscht. Der Klub sei kontrolliert geräumt worden. "Das Brandschutzkonzept funktionierte."

Archivbild vom "Club der Visionäre" an der Spree
Travel-Stock-Image/ imago images

Archivbild vom "Club der Visionäre" an der Spree

In dem Klub an der Spree fand von Freitag auf Samstag eine Japanparty mit dem Motto "Kisses from Tokyo" mit mehreren DJs statt, berichtet der "Tagesspiegel". Anlass war demnach der Geburtstag des Berliner DJs James Dean Brown, der auch als Hauptact angekündigt war.

jpz

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insgesamt 43 Beiträge
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vaikl 16.06.2019
1. Deutschland, Deine Entrepreneure...
"Es ist doch nix passiert" soll also der Beweis sein, dass der Brandschutz auflagengemäß konzeptioniert und umgesetzt wurde. Und wenn es dann beim nächsten Brand die ersten Todesopfer gibt, kann man ja mal drüber reden... Sowas macht echt fassungslos:
Alfred Ahrens 16.06.2019
2. Warum gelten TÜV und Gesetze hier nicht ?
In unserem Land ist so ziemlich alles reglementiert. Jeder, der mal selbst gebaut hat kann ein Lied davon singen. Behörden und deren Mitarbeiter Kosten den Steuerzahler sehr viel Geld. Aber offensichtlich gibt es in Berlin Gebiete, wo sich keiner darum schert. Vielleicht packt das ja der R2G-Senat unter Herrn Müller mal an? Bevor Schlimmeres passiert !
Augustusrex 16.06.2019
3. Also ich
glaube hier eher dem Betreiber, denn die Berufsfeuerwehr, die hat doch keinen Ahnung von nix, wenn es um Feuer und Brandschutz geht. Ironie aus.
Das Grauen 16.06.2019
4. Um 8 Uhr 15 morgens nix passiert? Sehr beruhigend.
Die Ausrede der Betreiber ist ja lächerlich. Was wäre denn gewesen, wenn das Feuer bei vollem Haus, nachts um 1 oder so, ausgrbrochen wäre? Die Feuerwehr hat kein Interesse daran, irgendwas zu erfinden, wenn die abenteuerliche Installationen und gefährlich gelagerte Gasflaschen bemängelt, dann ist das sicher so. Und wenn sie von drei Leichtverletzten berichtet (ich vermute mal, Rauchgasvergiftungen) dann stimmt das sicher auch, denn sie hat ja direkt mit diesen zu tun gehabt, während die Polizei erst später den Sachverhalt aufnimmt. Demgegenüber wirken die Hinweise der Betreiber auf die angebliche Brandschutzausbildung der Mitarbeiter (könnte sich um eine halbstündige Einweisung in den Umgang mit Feuerlöschern handeln) ziemlich lächerlich. Thekenkräfte sind nun einmal keine Feuerwehrspezialisten und hätten in einem vollbesetzten Lokal sicher erhebliche Schwierigkeiten, zu einem Brandherd rechtzeitig vorzudringen, um diesen mit einfachen Mitteln, ohne Atemschutzausrüstung, noch in der Entstehungsphase zu löschen. Wer dort arbeitet, sollte sich auch fragen, ob er für den Arbeitgeber wirklich Leib und Leben riskieren will, um dessen mangelnde Brandschutzvorsorge auszugleichen. Falls Panik ausbrechen sollte, was bei Bränden in Nachtclubs nicht so selten ist, dürften aber selbst die mutigsten und engagiertesten Mitarbeiter chancenlos sein. Also, die Verhinderung von Bränden ist das A und O, eine selbst organisierte, fragwürdig kompetente "Betriebsfeuerwehr" kann dies nicht ersetzen. Zur Sicherstellung, daß in einem Betrieb technisvh und organisatorisch die nötigen Maßnahmen getroffen wurden, ist das Ordnungsamt zuständig. Da scheint allerdings auch etwas im Argen zu liegrn, wenn die Feuerwehr nachträglich erhebliche Mängel findet. Wann wurde dieser Club denn das letzte Mal kontrolliert? Offensichtlich besteht da Nachholbedarf. Bitte jetzt sofort verstärkte Kontrollen, nicht weiter aussitzten, bis schlimmeres passiert!
franz.branntwein 16.06.2019
5. Brandschutz-War da was?
Es ist immer wieder erschreckend, wie die Sicherheit von Besuchern, Gästen und auch Beschäftigten nahezu vorsätzlich gefährdet wird. Bei zu vielen zuständigen Behörden wird offensichtlich solange zugewartet, bis etwas passiert. Irgendwelche fragwürdigen Brandschutzgutachten, erstellt im Auftrag des Betreibers, werden immer wieder fröhlich abgestempelt und somit Genehmigungen erteilt. In den seltensten Fällen, rafft sich ein Behördenmitarbeiter auf, die Lage vor Ort selbst in Augenschein zu nehmen und fachlich fundiert zu beurteilen. Besonders tragisch ist es, wenn Öffentlich-Rechtliche Betreiber von Versammlungsstätten, sich selbst die Genehmigungen erteilen. Es gibt zahllose Beispiele in dieser Republik, die einen erschaudern lassen, was da alles betrieben wird. Hier sollte es mal eine sog. Black-List geben, die potentielle Besucher darüber informiert, welche Location aus Sicherheitsgründen zu meiden wären.
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