Kriminalität in Berlin Deutlicher Anstieg von Gewalttaten im Jahr 2023
Bundespolizist am S-Bahnhof Warschauer Straße in Berlin
Foto: Paul Zinken/ DPAGenaue Zahlen zur Entwicklung der Kriminalität in Berlin werden mit der offiziellen Statistik im Frühjahr veröffentlicht. Vorläufige Zahlen jedoch zeichnen ein düsteres Bild: Demnach registriert die Polizei für das Jahr 2023 einen deutlichen Anstieg bei den Gewalttaten.
Die sogenannten Rohheitsdelikte seien um etwa zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr angestiegen, teilte die Polizei der Deutschen Presse-Agentur mit. Im Vorjahr seien es 8846 Fälle gewesen. »Wir werden leider erneut einen Zehnjahreshöchstwert erreichen«, sagte ein Sprecher.
»Auffallend ist auch die Entwicklung von Taten im schulischen Kontext«, so die Einschätzung. Hier stiegen die Zahlen der Polizei zufolge im Jahr 2023 um etwa zehn Prozent. Bei den darin enthaltenen Rohheitsdelikten gab es sogar einen Anstieg um etwa 23 Prozent. Ob es tatsächlich viel mehr Gewalt an Schulen gab oder ob mehr Fälle von Lehrern oder Eltern bei der Polizei angezeigt wurden, lasse sich aber nicht sicher sagen, hieß es.
Auch sei zu beachten, dass die Kriminalitätszahlen während der Coronapandemie stark gesunken seien und Berlin zudem eine wachsende Stadt mit immer mehr Einwohnern sei.
Im Bereich Jugendgruppengewalt gab es allerdings ebenfalls einen Anstieg um 13 Prozent seit 2022. Die Zahl aller statistisch erfassten Straftaten stieg 2023 laut Polizei um etwa drei Prozent auf 535.000 (2022: 519.817 erfasste Fälle).
Neuer Höchststand bei häuslicher Gewalt
Gewalttaten in Familien und Beziehungen nahmen laut der Polizeistatistik nach dem Höchststand 2022 im vergangenen Jahr erneut um fast zehn Prozent zu. Ebenso stieg die Zahl der dabei verletzten Opfer um rund zwölf Prozent.
Deutlich mehr Gewalttaten wurden im vergangenen Jahr auch in Unterkünften von Flüchtlingen erfasst. Hier verzeichnete die Polizei ein Plus von knapp 50 Prozent. Die Zahl der Flüchtlinge in den Unterkünften nahm im selben Zeitraum um etwa 21 Prozent zu.
Tatwaffen: Mehr Messer, mehr Schusswaffengebrauch
Messer wurden bei Überfällen, Raubtaten und Auseinandersetzungen häufiger benutzt oder mit ihnen gedroht. 2023 stellte die Polizei in dem Bereich einen erneuten Höchststand fest. 2022 wurden 3317 Taten mit Messern gezählt, 2023 waren es etwa 3550 (plus 7 Prozent). In früheren Jahren lagen die Zahlen unter der Marke von 3000.
Hinzu kamen etwas mehr Taten mithilfe einer Schusswaffe (2022: 349 Fälle). »Man muss aber leider konstatieren, dass in diesem Jahr dabei häufiger auch wirklich geschossen und nicht nur gedroht wurde.«
Zuwachs bei Nötigungen und Bedrohungen
Bei den sogenannten Straftaten gegen die persönliche Freiheit wie Nötigungen und Bedrohungen stieg die Zahl der Delikte um 17 Prozent. Zum Teil geht dieser Anstieg auf das Konto der Klimaschutzgruppe Letzte Generation, weil es bei deren gewaltfreien Straßenblockaden juristisch oft um den Vorwurf der Nötigung ging.
Auch die Zahl der Einbrüche schnellte in die Höhe: Bei Einbrüchen in Speicher und Keller verzeichnet die Polizei einen Zuwachs von 46 Prozent, bei Wohnungen von 36 Prozent. Es gab außerdem 36 Prozent mehr Autodiebstähle sowie 18 Prozent mehr Ladendiebstähle.