Berlin Offenbar Journalisten auf Kundgebung von Verschwörungsideologen angegriffen

Umstehende filmten eine Kundgebung in Berlin, die Demonstranten erkannten in ihnen Pressevertreter - und attackierten sie. Einem Betroffenen wurde die Kamera aus der Hand geschlagen.
Zuletzt kamen nur noch wenige Demonstranten zu den Kundgebungen, hier in Berlin am 20. Juni

Zuletzt kamen nur noch wenige Demonstranten zu den Kundgebungen, hier in Berlin am 20. Juni

Foto: STEFANIE LOOS/ AFP

Auf einer Kundgebung von Verschwörungsideologen sind Umstehende am Samstag in Berlin offenbar bedroht und angegriffen worden. Ein auf Twitter veröffentlichtes Video zeigt, wie die Demonstranten den Betroffenen drohen, ihre Wohnorte und Namen herauszufinden, und sie in mindestens einem Fall auch körperlich attackieren. Offenbar hielten die Demonstranten sie für Journalisten. Die anwesenden Polizisten, die ebenfalls im Video zu sehen sind, griffen nicht ein.

Die Demonstranten, unter ihnen auch Attila Hildmann, forderten die Filmenden unter anderem auf, ihre Presseausweise zu zeigen. Dann sagte Hildmann: "Ich weiß ganz genau, wer du bist. Ich weiß ganz genau, wer ihr alle seid." Einer der Demonstranten schlug einem Betroffenen auf die Kamera.

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Das Twitter-Video zeigt die Geschehnisse aus der Perspektive der angeblichen Journalisten. Attila Hildmann, der regelmäßig auf Demonstrationen der Verschwörungsideologen spricht und ihre kruden Theorien an vorderster Front verbreitet , stellt sich darin dicht vor die Kamera. "Gehörst du dazu, oder was?", fragt er. "Seid ihr auch Feinde der Demokratie?"

Dann geht es weiter: "Wir werden eure Namen finden, und dann gucken wir mal weiter", sagt Hildmann.

Ob es sich tatsächlich um Journalisten handelte, bleibt unklar. Die Polizei Berlin wollte auf Nachfrage des SPIEGEL keine Angaben zu dem Fall machen. Man prüfe die Ereignisse derzeit, sagte ein Sprecher. Auf Twitter schrieb die Polizei Berlin zu dem Vorfall nur vage: "Wir haben die Pflicht, Versammlungen ungeachtet ihres Themas und die Pressefreiheit zu schützen. Wir lassen den Fall mit in die Vorbereitung künftiger Einsätze einfließen."

Staatsschutz ermittelt gegen Hildmann

Nach eigener Aussage will Hildmann auf seinen Demonstrationen die Grundrechte verteidigen. Tatsächlich ermittelt inzwischen der Staatsschutz gegen den Vegankoch, der Verdacht lautet auf Antisemitismus und Volksverhetzung. Auf einem öffentlich einsehbaren Telegram-Kanal bezeichnete Hildmann Adolf Hitler unter anderem als "Segen für Deutschland". Juden und Zionisten tauchen in seinen Äußerungen immer wieder als Feindbild auf.

(Mehr zu Hildmanns Verschwörungsideologien lesen Sie hier.)

Das Video zeigt, wie sich immer mehr Demonstranten um Hildmann versammeln und die Szene mit ihren Handys filmen. Die Umstehenden fordern sie auf, Abstand zu halten, doch einige von ihnen kommen immer näher.

Die Polizisten begleiten die Demonstranten, als sie sich auf die angeblichen Pressevertreter zubewegen, scheinen weiter aber nicht einzugreifen. Einer der Beamten hebt beschwichtigend die Hand. Das Video bricht mit der Bitte des Filmenden ab: "Können Sie bitte etwas mehr Beamte hinzuziehen?"

lmd
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