Wolf in der Hauptstadt geortet Juli in Berlin

Die Vermutung, dass Wölfe auch in der deutschen Hauptstadt Station machen, gibt es schon lange. Bisher fehlte der Beweis. Dann kam Juli.
Wolf im Wildpark Schorfheide in Brandenburg (Archivbild)

Wolf im Wildpark Schorfheide in Brandenburg (Archivbild)

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Erstmals ist es gelungen, die Anwesenheit eines Wolfs in Berlin zu belegen. Das mit einem Sender versehene Weibchen habe sich im Januar vier Tage lang am Rand des südöstlichen Stadtteils Adlershof aufgehalten, sagte Derk Ehlert, Wildtierexperte der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. Er bestätigte damit entsprechende Berichte von "B.Z." und "RBB".

Inzwischen lebe die zweijährige Wölfin, die den Namen Juli bekam, auf einem Truppenübungsplatz nahe Neubrandenburg in Mecklenburg-Vorpommern. Das Tier stammt demnach aus Sachsen und ist offenbar sehr umtriebig: Seit Juli 2019 soll Juli den Sendedaten zufolge Hunderte Kilometer gelaufen sein und sich unter anderem in Polen aufgehalten haben.

Wildtierexperte: Berlin ist kein idealer Lebensraum für Wölfe

Ehlert zufolge ist das städtische Berlin kein idealer Lebensraum für Wölfe. Sie könnten zwar an den Stadträndern immer wieder mal herumstreifen, sagte er. Aber das, was diese Tiere liebten, könne ihnen die Hauptstadt nun mal nicht bieten: weite und ungestörte Landschaften.

In Brandenburg werden immer mal wieder Wölfe gesichtet. Viele Landwirte vor Ort beobachten das mit Sorge, weil die Raubtiere eine potenzielle Gefahr für Nutztiere darstellen. Sie fordern unter anderem besseren Schutz vor den Wildtieren und Entschädigungen für gerissene Tiere.

In Deutschland mit durchziehenden Wölfen rechnen

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) in Bonn geht davon aus, dass es hierzulande 700 bis 1400 mögliche Territorien für Wölfe gibt. Das BfN bezieht sich dabei auf eine gemeinsame Analyse mehrerer Forschungseinrichtungen. Demnach muss in Deutschland grundsätzlich in allen Landschaften mit durchziehenden oder in Teilen mit territorialen Wölfen gerechnet werden. Ein Territorium kann von einem Einzeltier, einem Paar oder einem Rudel bewohnt werden.

Für das Monitoringjahr 2018/2019 wurden laut dem Bericht in Deutschland 105 Rudel, 29 Paare und 11 territoriale Einzeltiere nachgewiesen.

Den Forschern zufolge sind Großstädte wie Berlin und Hamburg, bestimmte Ballungsräume und ein Großteil von Nordrhein-Westfalen für Wolfsterritorien schlecht geeignet. Gebiete mit einer sehr guten Eignung seien unter anderem in den bayerischen Alpen, entlang der tschechischen Grenze, in den Mittelgebirgen sowie verstreut in Nordostdeutschland zu finden.

ala/dpa

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