Künstler-Kollektiv lässt Obdachlose in geschlossene U-Bahnhöfe – die BVG findet das gar nicht witzig

Dieser Beitrag wurde am 28.01.2019 auf bento.de veröffentlicht.

Vergangenes Jahr sorgten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) für Aufregung mit Plänen, in diesem Winter sämtliche U-Bahnhöfe nachts zu schließen – und somit Obdachlose, die keinen anderen Unterschlupf haben, auszuschließen. 

Im November öffnete die BVG nach langem Streit mit dem Berliner Senat schließlich doch zwei "Kältebahnhöfe" – die Stationen Lichtenberg und Moritzplatz sind seitdem rund um die Uhr geöffnet, die Stadt stellt zudem Toiletten und Sozialarbeiter zur Verfügung. (Berliner Zeitung )

Aber reichen zwei geöffnete U-Bahnstationen für eine Millionenstadt wie Berlin aus? 

Zwei Künstler-Kollektive sehen das offenbar nicht so: "Rocco and his Brothers" und "Dies Irae" haben sich zusammengeschlossen und Pakete für Obdachlose geschnürt. Darin: Decken, Warnwesten, belegte Brötchen – und ein Schlüssel für die Tore der U-Bahnhöfe

In einem Video der Aktion ist zu sehen, wie Aktivisten verschiedene U-Bahnhöfe aufschließen und die Pakete mit den Schlüsseln für Obdachlose hinterlassen:

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Was sagt die BVG dazu?

BVG-Pressesprecherin Petra Nelken hält wenig von der Aktion: "Für mich ist das nichts anderes als eitle Selbstdarstellung", sagte sie gegenüber bento. Wirklich geholfen werde Obdachlosen damit nicht, ohnehin seien die beiden geöffneten U-Bahnhöfe nur ein Notnagel. Diese würden von Wohnungslosen aber gut angenommen: In der Nacht zum Montag kamen dort insgesamt 49 Menschen unter. Im Gegensatz zu den anderen U-Bahnhöfen gibt es dort aber Toiletten.

Dass die Schlüssel im Umlauf sind, darüber wundert sich die Pressesprecherin nicht: Es handele sich um sehr alte Schlüsselsysteme, viele Menschen hätten Zugang zu den Bahnhöfen. "Es bleibt aber Hausfriedensbruch", stellt Nelken klar. Obdachlose würden mit der Aktion in eine "unmögliche Situation" gebracht werden, wenn sie in den geschlossenen U-Bahnhöfen erwischt würden. 

In dem Video wird zudem suggeriert, dass die BVG in den vergangenen Jahren alle U-Bahnhöfe geöffnet blieben – tatsächlich aber gibt es die offenen Kältebahnhöfe erst seit 2003, in der Regel waren es seitdem zwei Bahnhöfe, die den Winter über geöffnet waren. (Berliner Zeitung 

Den Aktivisten empfiehlt die BVG-Pressesprecherin, lieber bei den beiden geöffneten Bahnhöfen mit Hand anzulegen: Dort würden Helfer gebraucht.

Weshalb wurde überhaupt erwogen, die Bahnhöfe zu schließen?

Als Hauptgrund hatte die BVG genannt, dass die Sicherheit der Obdachlosen nicht gewährleistet werden könne – in den vergangenen Jahren habe sich die Situation zugespitzt, weil immer mehr Menschen nachts in die Bahnhöfe gekommen seien – teilweise alkoholisiert oder unter Drogeneinfluss. Gleichzeitig bleibt der Starkstrom im Gleisbereich eingeschaltet, in einem Fall sei zudem eine Person ins Gleisbett gefallen.

Zudem führte die BVG an, dass die Fahrgästen am Morgen einen Anspruch darauf hätten, die Bahnhöfe in "vertretbarem Zustand" vorzufinden – das sei jedoch oftmals nicht der Fall gewesen, vor allem weil es in den Stationen keine Toiletten gibt. 

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.