Debatte nach Unfall in Berlin Grünenpolitiker fordert Obergrenze für SUV in Innenstädten

Nach einem tödlichen Unfall in Berlin verlangen Politiker der Grünen Maßnahmen gegen große SUV. Ein Unfallforscher hält die Fahrzeuge jedoch nicht für "grundsätzlich gefährlicher" als Kleinwagen.

Kerzen, Blumen und Zeitungen: Trauer in Berlin
FELIPE TRUEBA/EPA-EFE/REX

Kerzen, Blumen und Zeitungen: Trauer in Berlin


Nachdem in Berlin vier Menschen bei einem Unfall mit einem SUV ums Leben kamen, haben mehrere Grünenpolitiker neue Regelungen für derartige Fahrzeuge gefordert. "Wir brauchen eine Obergrenze für große SUV in den Innenstädten", sagte der stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Oliver Krischer, dem "Tagesspiegel" . "Am besten wäre eine bundesrechtliche Regelung, die es Kommunen erlaubt, bestimmte Größenbegrenzungen zu erlassen."

Ein SUV war am Freitagabend in Berlin-Mitte von der Straße abgekommen und hatte vier Fußgänger an einer Ampel tödlich verletzt, darunter einen dreijährigen Jungen. Am Samstagabend kamen rund 500 Menschen zu einer Mahnwache an die Kreuzung Invalidenstraße/Ackerstraße. Auch am Sonntag legten Passanten Kerzen, Blumen und Bilder an der Unfallstelle ab. Außer der Trauer ist die Frage nach dem Risiko durch hochmotorisierte SUV ein Thema.

"Solche panzerähnlichen Autos gehören nicht in die Stadt"

In diesem Jahr würden nach Branchenschätzungen erstmals über eine Million der geländegängigen Limousinen in Deutschland neu zugelassen, schreibt der "Tagesspiegel". "Die Autos brauchen immer breitere Parkplätze in Städten, wo der Raum immer knapper wird", sagte der Verkehrs- und Umweltexperte Krischer. "Sie sind eine Gefahr gerade für Fußgänger und Radfahrer." Es brauche dringend eine Debatte, "wie groß die Autos denn noch werden sollen, die in unseren Innenstädten rumfahren".

Der Unfall in Berlin hatte am Wochenende eine politische Debatte angefacht. Der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, forderte im "Tagesspiegel" rasch umsetzbare Maßnahmen gegen SUV: entweder eine City-Maut, die die Einfahrt in Städte für große, schwere Wagen sehr teuer mache - oder ein Parkverbot beziehungsweise deutlich erhöhte SUV-Parkgebühren in Städten.

Der Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, Stephan von Dassel (Grüne), sagte: "Solche panzerähnlichen Autos gehören nicht in die Stadt." Jeder Fahrfehler bedeute Lebensgefahr für Unschuldige. Seine Parteikollegin, Verkehrssenatorin Regine Günther äußerte sich zurückhaltender: "Wir müssen analysieren, wie es zu diesem schrecklichen Unfall kommen konnte, bevor wir Konsequenzen ziehen können."

Polizei will Unfall möglicherweise in 3D-Modell nachstellen

"Man kann nicht einfach sagen: Ein SUV ist grundsätzlich gefährlicher als ein Polo oder als ein Smart", sagte der Unfallforscher Siegfried Brockmann vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Mehr Einfluss als das Gewicht hätten Geschwindigkeit und Art des Zusammenstoßes. Im Berliner Fall hätte aber der Ampelmast, den der SUV umriss, einen kleineren Wagen möglicherweise aufgehalten.

Unterdessen gehen die Ermittlungen zu dem Unfall weiter. Die Polizei zieht unter anderem einen medizinischen Notfall beim Fahrer als Ursache in Betracht. Der 42-Jährige liegt demnach schwer verletzt im Krankenhaus. Vorsatz schließen die Ermittler bislang aus.

Nach Anwohnerangaben hat der SUV sehr schnell auf der Gegenfahrspur den stehenden Verkehr an der Ampel überholt und war auf den Gehweg geraten. Der Wagen knickte einen Ampelmast und mehrere Poller um, durchbrach einen Bauzaun und kam erst auf einem Baugrundstück zum Stehen. Zur Ursachenforschung will die Polizei den Unfall gegebenenfalls in einem 3D-Modell nachstellen.

bbr/dpa



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