Berlin Schröders neue Heimat bröckelt

Noch hat Gerhard Schröder von seiner Berliner Wohnung aus einen Ausblick auf das Holocaust-Mahnmal und die umliegenden geschichtsträchtigen Gebäude. Doch bald schon könnte vor seinem neuen Wohnsitz ein hohes Gerüst stehen. Denn die Fassade des Hauses an der Behrenstraße fällt auseinander.


Berlin - Ein edles Fleckchen hat Ex-Kanzler Gerhard Schröder als neuen Wohnsitz gewählt. Seine neue Wohnung mit 80 Quadratmetern Wohnfläche liegt im hinteren Teil der DZ-Bank (vorher DG-Bank) am Pariser Platz, direkt am Brandenburger Tor. Noch kann er aus seinem Fenster ungehindert auf das Stelenfeld mit 2700 Betonpfeilern blicken. Rechts das Brandenburger Tor, links der Potsdamer Platz - zentraler geht es kaum.

Brüchige Fassade: Bald wird ein Gerüst den Ausblick versperren
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Brüchige Fassade: Bald wird ein Gerüst den Ausblick versperren

Doch schon bald könnte zu dem Baulärm der amerikanischen Botschaft, die bis zum Frühjahr 2008 auf dem Grundstück nebenan hochgezogen wird, weitere Unruhe kommen. Denn die Fassade des Wohnhauses an der Behrenstraße, direkt neben dem Adlon-Hotel, bröckelt - und muss repariert werden.

Die großen Platten aus edlem, italienischem Muschelkalk-Sandstein haben sich gelöst. Im vergangenen Jahr wurden die Schäden immer zahlreicher. Die Löcher in der Fassade wurden nur notdürftig geflickt. Spanplatten und Plastikfolien verbergen die hässlichen Baumängel. Wahrscheinlich war es nicht gerade diese Aussage, die der berühmte Architekt, Frank O. Gehry, mit seinem Stil "Dekonstruktivismus" machen wollte.

Frank O. Gehry ist für die Konstruktion des Guggenheim-Museums in Bilbao oder des Zollhofs in Düsseldorf bekannt. Von 1996 bis 1999 beschäftigte sich der Star der Architekturszene dann mit dem Bau des Berliner Bankhauses am Pariser Platz. Was an der Frontseite edel und galant aussieht, ist auf der Rückseite bereits brüchig. Die gewellte, ausbauchende Fassade, die - für Gehry typisch - dicht an dicht mit kleinen Guckkastenfenstern geziert ist, fällt auseinander.

Lange Zeit passierte an dem Wohnhaus gar nichts. Jetzt - offenbar nach dem Einzug des Ex-Kanzlers - tut sich endlich was.

"Das sind Mangelerscheinungen, die jetzt beseitigt werden", erklärt eine Mitarbeiterin der Betreibergesellschaft der DZ-Bank. Erklärungen für die frühen Schäden an dem aufwendigen Bauwerk wollte sie jedoch nicht geben. "Die Nachbesserungen liegen noch im Bereich der Regress-Ansprüche", erklärt sie. Zum genauen Termin der Bauarbeiten wollte sie sich ebenfalls nicht äußern.

Früher oder später müssen die Plastikplanen und Holzverschläge jedoch durch optisch und bautechnisch hochwertigeres Material ersetzt werden. Dann kann Gerhard Schröder ja immer noch zu seiner Frau Doris nach Hannover oder in sein Büro in Berlin-Mitte, Unter den Linden 50, flüchten.



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