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Besuch im Katastrophengebiet Bush verspricht schnellen Wiederaufbau

Er wird heftig kritisiert, zum Teil wüst beschimpft wegen seines Krisenmanagements. US-Präsident Bush reiste heute ins Katastrophengebiet an der Südküste, um sich über die Lage zu informieren. New Orleans werde wieder eine "großartige Stadt" werden, versprach Bush.

New Orleans/Washington/Mobile - Noch auf dem Flughafen von Mobile (Alabama) informierten Präsident George W. Bush unter anderem der Gouverneur von Alabama, Bob Riley, und sein Amtskollege aus Mississippi, Haley Barbour, über die Gesamtlage. Anhand einer Karte des Katastrophengebiets erklärten sie Bush den Stand der Rettungsmaßnahmen. Sie versicherten dem Präsidenten, alles in ihrer Macht stehende zu tun, die Situation zu entschärfen. Bush dankte insbesondere der Küstenwache für ihren lebensgefährlichen Einsatz bei der Rettung der Menschen.

Der Präsident versprach den Menschen im Krisengebiet, dass alles dafür getan werde, die Ordnung wiederherzustellen. "Meine Haltung ist: Wenn es nicht richtig läuft, dann sorgen wir dafür, dass es richtig läuft." Bush kündigte an, dass rasch mit dem Wiederaufbau begonnen werden solle. "Aus diesem Chaos wird wieder eine fantastische Golfküste entstehen. New Orleans wird wieder eine großartige Stadt sein", sagte der Präsident. Der Kongress habe 10,5 Milliarden US-Dollar Soforthilfe zur Verfügung gestellt. "Das ist erst ein kleiner Anfang", fügte Bush hinzu.

Im Anschluss wollte Bush mit einem Hubschrauber zu einem Flug über das vom Hurrikan "Katrina" heimgesuchte Gebiet in Mississippi und Alabama aufbrechen. Geplant ist auch ein Besuch in Biloxi (Mississippi), dann ein Flug über das Katastrophengebiet an der Küste von Louisiana und insbesondere New Orleans. "Ich freue mich nicht auf diesen Flug", sagte Bush nach seinen ersten Eindrücken. "Es ist, als ob die gesamte Golfküste von der schlimmsten Waffe, die man sich vorstellen kann, ausradiert worden ist." Zum Abschluss seines Besuchs will der Präsident auf dem Louis-Armstrong-Flughafen in New Orleans eine Erklärung abgeben.

Vor seinem Abflug nach Mobile hatte Bush eingeräumt, dass die Rettungsmaßnahmen im Süden der USA bislang mangelhaft sind. Er versprach unverzügliche und umfassende Hilfen. Zuvor hatte der Bürgermeister von New Orleans den Präsidenten öffentlich beschimpft.

Zwar gebe es viele Menschen, die hart arbeiteten, um den Opfern zu helfen, sagte Bush. Die Ergebnisse der bisherigen Hilfsaktionen seien aber "nicht akzeptabel", gab er nach der massiven öffentlichen Kritik zu. "Aber jetzt werden wir den Menschen helfen, die Hilfe benötigen", versprach der Präsident. Bush hatte seinen Urlaub um zwei Tage verkürzt und war am Mittwoch nach Washington zurückgekehrt, um den Hilfseinsatz zu koordinieren.

Ray Nagin, der Bürgermeister von New Orleans, hatte Bush zuvor massiv attackiert. "Ich brauche Polizeiverstärkung, ich brauche Truppen, ich brauche Busse", forderte Nagin in einem Interview mit dem Radiosender WWL . "Die haben keinen blassen Schimmer, was da unten abgeht", schimpfte er über die Bush-Regierung. "Ich bin stocksauer."

In Washington werde lange über den möglichen Einsatz von Schulbussen diskutiert, dabei müssten angesichts des Ausmaßes des Desasters sämtliche Busse im ganzen Land auf der Stelle bereitgestellt werden, sagte Nagin. "Bringt sie zum Teufel hier runter!"

"Da sind Tausende gestorben und jeden Tag sterben weitere Tausende und wir können es nicht auf die Reihe bekommen, die Hilfe zu organisieren? Jemand muss sich verdammt noch mal ins Flugzeug setzen und herkommen und diese Fragen auf der Stelle lösen!", sagte Nagin.

Trotz der Zusage von täglich 1400 zusätzlichen Nationalgardisten und der laut Präsident Bush größten Hilfsaktion der US-Geschichte hat sich das Chaos in den Katastrophengebieten um New Orleans weiter verschlimmert. "Das ist eine nationale Schande", schimpfte der Sicherheitschef der Südstaatenmetropole Terry Ebbert.

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New Orleans: Verzweifeltes Warten auf Rettung

Foto: AP

Auch heute, am Tag fünf der Katastrophe, warten noch immer Zehntausende Menschen in New Orleans auf ihre Rettung. Sie haben seit Tagen nichts mehr zu Essen und zu Trinken, in den Straßen stapelt sich Müll, Urin und Fäkalien fließen im Rinnstein. Die Opfer der Hurrikan-Katastrophe hätten inzwischen einen Groll auf Politiker jedweder Couleur, sagte der frühere Senator von Louisiana, John B. Breaux. "Es ist ihnen egal, ob Sie ein Elefant oder ein Esel sind", sagte Breaux. "Sie müssen zeigen, dass sie Herr der Lage sind, dass etwas geschieht."

Der Polizeichef von New Orleans, Eddie Compass, berichtete, neben Raubüberfällen und Schlägereien sei es auch zu Vergewaltigungen gekommen. Der Chef der Polizei von Louisiana, Henry Whitehorn, sagte, er habe gehört, dass mehrere Beamte in New Orleans ihre Dienstmarke abgegeben hätten. "Sie sagten, sie hätten alles verloren und wollten jetzt nicht zurückgehen, um sich von Plünderern erschießen zu lassen."

Augenzeugen berichteten auch von zwei Krankenhäusern in New Orleans, die von Plünderern belagert seien. Diese seien mit Schusswaffen und Metallrohren bewaffnet und versuchten, Schmerzmittel und Medikamente zu stehlen. In beiden Kliniken seien Strom und Wasser ausgefallen. Schwer kranke Patienten fehle es an Sauerstoff, Insulin oder Infusionslösungen. "Ein Patient nach dem anderen stirbt", sagte ein Arzt. Unterdessen stieg auch die Seuchen-Gefahr, da die Wassermassen in der Stadt mit Giftstoffen aus Müll, Benzin und Düngemittel durchmischt waren.

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