Besuch in Freiburg Papst vergleicht Kirchenstreit mit Stuttgart 21

Benedikt XVI. ist in Freiburg angekommen - und mittendrin in der Landespolitik Baden-Württembergs. Bei einem Treffen mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann fragte der Papst nach dem Stand von Stuttgart 21. Im Streit um das Bahnprojekt sah er Parallelen zur Situation der Kirche.

DPA

Freiburg - Der Streit um Stuttgart 21 berührt auch den Papst. Bei seinem Treffen mit Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) fragte Benedikt XVI. überraschend nach dem aktuellen Stand des Bahnprojekts. In einem ARD-Interview berichtete Kretschmann am Samstag in Freiburg, der Papst habe den Konflikt sogar mit dem Streit in der katholischen Kirche verglichen.

Er habe dem Papst geschildert, wie er als Ministerpräsident sich bemühe, dass der Konflikt nicht die Gesellschaft spalte. "Ja, das Problem habe ich auch, wie ich eine pluralistisch werdende Kirche zusammenhalte", habe der Papst geantwortet.

Kretschmann hatte die katholische Kirche vor dem Treffen in einem Zeitungsinterview kritisiert und Reformen verlangt. Bei seinem Gespräch mit Benedikt habe er dies aber nicht angesprochen, sagte Kretschmann, der Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken ist. Der Deutschlandbesuch des Papstes werde sicher Auswirkungen haben. "Das ist durchaus inspirierend, was dieser intellektuelle Papst sagt, aber die Kirchenprobleme löst man nicht in drei Tagen."

Ein weiteres Thema des Gesprächs war die Integration der Muslime in Baden-Württemberg. Er habe dem Gast aus Rom gesagt, dass an der Universität Tübingen ein Lehrstuhl für islamische Theologie eingerichtet wurde, erzählte Kretschmann. "Das hat ihn alles sehr interessiert."

Am Samstagvormittag hatte Benedikt XVI. gemeinsam mit fast 30.000 Menschen eine Messe auf dem Erfurter Domplatz gefeiert. Vor Beginn der Veranstaltung war es nahe des Platzes zu einem Zwischenfall gekommen. Ein Mann hatte Wachleute mit einem Luftgewehr beschossen, berichtete die Polizei. Er wurde später festgenommen, bestreitet aber die Tat.

Von Erfurt aus ist der Pontifex dann nach Freiburg weitergereist, der letzten Station seiner Deutschlandreise. Der Papst war im Papamobil durch eine von jubelnden Menschen gesäumte enge Gasse zum Münster gefahren. Bei strahlendem Sonnenschein wurde er dort vom Domkapitel begrüßt. Im Münster zelebrierte er ein Gebet mit 600 Gläubigen.

Benedikt XVI. fühlt sich trotz aller Anstrengungen am dritten Tag seiner Deutschlandreise nach wie vor fit. "Es geht ihm wirklich gut und auch besser, als ich erwartet habe", sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi am Samstag in Freiburg. "Es ist wunderbar, wie er alle Momente dieser Reise wirklich intensiv erlebt."

Der 84-Jährige absolviert im Moment einen Programm-Marathon. 21 Jahre nach der Wiedervereinigung Deutschlands stand am Nachmittag ein Treffen mit dem früheren Bundeskanzler Helmut Kohl auf dem Programm. Das Gespräch kam auf Bitten des Papstes zustande und fand hinter verschlossenen Türen statt. "Es war der Wunsch des Heiligen Vaters, dem Kanzler der Einheit zu begegnen", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Freiburgs Erzbischof Robert Zollitsch. Kohl wollte sich nicht äußern, weil er das Treffen als privat wertete.

Zu einem Abendgebet mit Jugendlichen meldeten sich nach Kirchenangaben rund 28.000 Menschen an. Zur Messe an diesem Sonntag auf einem Flugplatz werden rund 90.000 Gläubige erwartet. Danach reist der Papst zurück nach Rom.

hda/dpa

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weltbetrachter 24.09.2011
1. Event in drei Tagen
Wenn man das so liest kann man diesen ganzen Zirkus zu einem Event in drei Tagen mit verschiedenen Auftritten zusammenfassen. . Worum es hauptsächlich geht, das wird wieder schön ausgeblendet und in blumigen Worten auf weißem Papie zelebriert. JA, die Kirche hat sich schuldig gemacht. Schuldig des sexuellen Mißbrauchs und was mindestens genauso schlimm ist - deren jahrzehntelangen Vertuschung. Nicht einmal heute wird damit aufgehört. . Zugegeben, das geschieht nicht nur in der Kirche, aber sie trägt für ihre Leute eine besondere Verantwortund. Diese wird aber noch immer massiv ausgeblendet. . Darüber kann der Event in drei Tagen auch nicht hinwegtäuschen. Eine weitere Change der Regelung dieser schlimmen Sachen wurde mal wieder vertan.
thepunisher75 24.09.2011
2. Und Ich vergleiche den Papst mit den Scheinheiligen....
Zitat von sysopBenedikt XVI. ist in Freiburg angekommen - und mittendrin in der Landespolitik Baden-Württembergs. Bei einem Treffen mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann fragte der Papst nach dem Stand von Stuttgart 21. Im Streit um das*Bahnprojekt sah er Parallelen*zur Situation*der Kirche. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,788199,00.html
...Politikern, die im Bundestag ihre Arbeit erledigen ! Er ist nähmlich genauso nicht bereit zuzuhören, was seine Anhänger von ihm wollen, inbesondere was die Reformen betreffen, oder bereit Probleme anzusprechen, wie z.B. die Missbrauchsgeschichten seiner Kirche, sondern einfach nur jemand, der sich sonnt in seinem Amt als Papst, und dies ausnutzt das er angehimmelt wird, wie manche FPD Politiker,obwohl er nichts leistet !
Henry_Rearden 24.09.2011
3. Schlagzeile
Erstaunlich, wie es der Spiegel immer wieder schafft aus vergleichbar unaufgeregten Begebenheiten reißerische Überschriften zu basteln. Ich habe die Aussagen Kretschmanns ebenfalls im Fernsehen gesehen, wäre aber niemals auf die Idee gekommen, dass der Papst mit seinen im privaten Smalltalk ausgetauschten Nettigkeiten eine politische Aussage machen wollte. Hier auch mal ein Rüffel für Kretschmann. Internes aus Papstunterredungen zitiert man nicht so lax, sonst kommt wieder diese mediale Verzerrung heraus.
juerv1, 24.09.2011
4. .
Zitat von weltbetrachterWenn man das so liest kann man diesen ganzen Zirkus zu einem Event in drei Tagen mit verschiedenen Auftritten zusammenfassen. . Worum es hauptsächlich geht, das wird wieder schön ausgeblendet und in blumigen Worten auf weißem Papie zelebriert. JA, die Kirche hat sich schuldig gemacht. Schuldig des sexuellen Mißbrauchs und was mindestens genauso schlimm ist - deren jahrzehntelangen Vertuschung. Nicht einmal heute wird damit aufgehört. . Zugegeben, das geschieht nicht nur in der Kirche, aber sie trägt für ihre Leute eine besondere Verantwortund. Diese wird aber noch immer massiv ausgeblendet. . Darüber kann der Event in drei Tagen auch nicht hinwegtäuschen. Eine weitere Change der Regelung dieser schlimmen Sachen wurde mal wieder vertan.
Als der Sepp Ratzinger noch Erzbischof von München war, war er damit einverstanden, dass ein bekannter Kinderfummler in seiner Diözese eingesetzt wird. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,683332,00.html Und dass er als hohes Tier in der RKK und rechte Hand von Woityla nichts von den Schweinereien in Irland mitbekommen bzw. nicht an deren Vertuschung mitgeholfen haben soll, glaube ich nie und nimmer. Vor diesem Hintergrund ist seine jetzige "tiefe Betroffenheit" einfach nur heuchlerisch und abstoßend. Vor allem, wenn man bedenkt, dass Ratzingers Besuch anscheinend 30 Millionen verschlingt, während die Mißbrauchsopfer abgespeist oder hingehalten werden.
Layer_8 24.09.2011
5. Flugplatz
Zitat von sysopBenedikt XVI. ist in Freiburg angekommen - und mittendrin in der Landespolitik Baden-Württembergs. Bei einem Treffen mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann fragte der Papst nach dem Stand von Stuttgart 21. Im Streit um das*Bahnprojekt sah er Parallelen*zur Situation*der Kirche. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,788199,00.html
"Zur Messe an diesem Sonntag auf einem Flugplatz werden rund 90.000 Gläubige erwartet. Danach reist der Papst zurück nach Rom." Wird wohl der 'Flugplatz' Basel-Mulhouse sein, welcher in Frankreich liegt.
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