Betrugsprozess Karsten Speck räumt Fehlverhalten ein

Der Schauspieler und Entertainer Karsten Speck hat im Prozess um betrügerische Baufinanzierungen am 128. Verhandlungstag erstmals überraschend eigene Fehler eingestanden. Bislang hatte Speck sich und seine Frau stets als Opfer gescheiterter Bauprojekte bezeichnet.


Fernsehdarsteller Karsten Speck: Nach über hundert Verhandlungstagen Fehler eingestanden
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Fernsehdarsteller Karsten Speck: Nach über hundert Verhandlungstagen Fehler eingestanden

Dortmund - Der wegen mehrfachen Finanzbetrugs angeklagte Fernsehstar Karsten Speck hat nach mehr als hundert Verhandlungstagen eine spektakuläre Wende in seiner Verteidigungsstrategie vollzogen. Wie ein Sprecher des Dortmunder Landgerichts mitteilte, räumte der 44-Jährige ein, gemeinsam mit anderen Beteiligten in millionenschwere Betrügereien um Kapitalanlagen und Immobilien verwickelt gewesen zu sein.

Der TV-Moderator erklärte, dass er Fehler begangen habe, die ihm nun sehr Leid täten. An seiner seit zwei Wochen andauernden Untersuchungshaft wegen Fluchtgefahr ändert sich vorerst nichts. Seit Prozessbeginn im Januar 2003 hatte sich der im Erzgebirge geborene Schauspieler stets selbst als Opfer bezeichnet, der bei zahlreichen gescheiterten Bauprojekten vor allem in Ostdeutschland viel Geld verloren habe.

Karsten Speck und Frau Cora: "Egal, ob die Geldgeber Verluste erlitten"
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Karsten Speck und Frau Cora: "Egal, ob die Geldgeber Verluste erlitten"

Jetzt aber räumte Speck erstmals ein, dass er in einigen Fällen seine Popularität dazu genutzt habe, weitere Investoren zu finden, und dass es ihm egal gewesen sei, ob diese Geldgeber Verluste erlitten oder nicht. Speck und seine Ehefrau Cora sollen Mitte der neunziger Jahre in mehrere dubiose Immobiliengeschäfte involviert gewesen sein, bei denen Banken und Anleger um rund 20 Millionen Euro betrogen wurden. Als Drahtzieher und Hintermänner der mutmaßlichen Betrugsprojekte gelten vier ebenfalls angeklagte Männer aus Hamm und Bergkamen.

Der Prozess gegen Ehefrau Cora ist aus gesundheitlichen Gründen bereits abgetrennt worden. Der Hauptangeklagte wurde schon im September zu einer Haftstrafe von siebeneinhalb Jahren verurteilt.

Nach dem neuen Vorbringen Specks ist ein Ende des Prozesses nun in greifbare Nähe gerückt. Die 13. Strafkammer hatte bereits vor Wochen erklärt, sie halte das Verfahren für "entscheidungsreif". Im Anschluss daran hatten Specks Verteidiger jedoch 77 Beweisanträge gestellt, die das Verfahren weiter in die Länge hätten ziehen können. Nach den neuen Aussagen Specks wurden diese Beweisanträge wieder zurückgenommen. Nach Angaben des Gerichtssprechers könnte das Urteil gegen den Moderator nun am Freitag kommender Woche ergehen.



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