Betrugsverdacht gegen Besitzer Riesensmaragd bleibt bei Auktion liegen

Er wurde als der größte geschliffene Smaragd der Welt angepriesen, er soll mehr als eine Million Dollar wert sein - dennoch wollte niemand den wassermelonengroßen Smaragd bei einer Auktion in Kanada ersteigern. Sein Besitzer war zuvor festgenommen worden.

REUTERS

Hamburg - Der ovale grüne Stein wiegt 11,5 Kilogramm und trägt den griechischen Namen "Teodora", "Geschenk Gottes". Von einem göttlichen Geschenk ging das Auktionshaus Western Star Auctions im westkanadischen Kelowna aus, als ihm dieser Smaragd für eine Versteigerung angeboten wurde.

Es handele sich um den größten geschliffenen Smaragd der Welt, hatte Besitzer Regan R. dem Auktionshaus vorgeschwärmt. Der Stein habe 57.500 Karat und einen Wert von 1,15 Millionen Dollar (rund 876.000 Euro). R. scheute sich auch nicht vor einem Riesenmedienrummel, er gab Interviews und schwärmte von dem "phänomenalen" Stück, für das er schon Gebote aus Texas und Dubai erhalten habe. Doch er wünsche sich, dass der Stein in Kanada bleibe.

Am Samstag sollte der Smaragd unter den Hammer kommen - doch niemand gab ein Gebot für den Riesenstein ab.

Grund könnte sein: Sein Besitzer wurde am Freitag von der Royal Canadian Mounted Polizei (RCMP) in Kelowna in der Provinz British Columbia festgenommen. Gegen ihn liege ein Haftbefehl der ostkanadischen Provinz Ontario vor, der Mann sei mehrerer Betrugsdelikte beschuldigt, sagte Kris Clark von der RCMP dem "Kelowna Daily Courier". In Absprache mit der Polizei in Ontario werde R. nun dorthin überstellt.

Edelsteinexperten sind skeptisch

Man sei "schockiert und überrascht", hieß es in den Auktionsunterlagen, die am Samstag bei Western Star Auctions in Kelowna auslagen. R. hatte sich dem Haus laut "Globe and Mail" als in Calgary ansässiger Händler seltener Edelsteine ausgegeben. Den Stein, der ursprünglich aus Brasilien stamme, habe er über einen Internetkontakt aus Indien gekauft. Offenbar hatte das Auktionshaus aber auch schon eine andere Vorstellung vom Wert des Steins: Das Einstiegsgebot lag bei 500.000 Dollar (380.000 Euro).

Das Auktionshaus hatte nach eigenen Angaben nach R.s Verhaftung überlegt, die Veranstaltung abzusagen - doch neben dem Smaragd waren noch weitere 107 Gegenstände im Angebot. "Wir haben die Auktion zwar auf Teodora aufgebaut, aber wir hatten auch all die anderen Verkäufer mit ihren Dingen", sagte Auktionator Mike Odenbach dem Blatt.

So warteten die Menschen geduldig, bis mit der Nummer 92 der mutmaßliche Smaragd an die Reihe kam, legten aber kein Gebot ab. Es ist unklar, was nun mit dem Stein geschieht. Offenbar gibt es eine weibliche Miteigentümerin, die aber anonym bleiben will.

Das US-amerikanische Fachmagazin "National Jeweler" hatte sich bereits vor der Verhaftung R.s skeptisch über den Stein geäußert. Das Gemological Institute of America, Experten für Edelsteinkunde, erkennt den Stein nach Angaben der "Globe and Mail" nicht als Smaragd an, da er zumindest teilweise eingefärbt sei. Um mit hundertprozentiger Sicherheit festzustellen, ob es sich um einen echten Smaragd handelt, müsste ein Stück abgeschlagen werden, um das Innere des Steins zu untersuchen.

siu



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