Betrunken auf russischem Eis Widerspenstige Fischer gerettet

Nur mit großer Überredungskunst haben Rettungshelfer in Russland mehr als 440 zum Teil schwer betrunkene Angler von abtreibenden Eisschollen in Sicherheit bringen können. Die Fischer wollten unbedingt ihre Geräte und den Fang mitnehmen.


Wladiwostok - Nach dem Abbrechen einer etwa 25 Quadratkilometer großen Eisscholle von der fernöstlichen Insel Sachalin haben sich Dutzende russischer Angler über Stunden geweigert, in die Rettungskörbe der Hubschrauber zu steigen. Sie hätten darauf bestanden, ihre Geräte und ihren Fang mitzunehmen, berichteten Behördenvertreter. Angesichts der einbrechenden Dunkelheit sei es schließlich gelungen, auch den letzten widerspenstigen Fischer zu überreden, sein Hab und Gut aufzugeben und das schmelzende Eis zu verlassen. Viele der Fischer hätten unter einer "starken Alkoholvergiftung" gelitten, sagte ein Ministeriumsvertreter laut Nachrichtenagentur Interfax.

Die russischen Medien berichten im Winter immer wieder von
spektakulären Einsätzen zur Rettung von Eisanglern. Vor der Küste Sachalins waren drei Hubschrauber und fünf Boote den Anglern zu Hilfe geeilt. Bei der Rettungsaktion sei niemand verletzt worden, teilte der Zivilschutz in der Stadt Juschno-Sachalinsk mit.

Trotz häufig wiederholter Warnungen der Behörden warten an Russlands Küsten und Flüssen Millionen von Männern das
ganze Jahr über sehnsüchtig auf die ersten starken Dauerfröste, um endlich mit Bohrer, Angelausrüstung, heißem Tee und Wodka aufs Eis zu können. Viele Fischer entfernen sich dabei weit von der Küste. Dies ist in diesem Jahr besonders gefährlich: Aufgrund des milden Winters ist das Eis nur etwa zehn Zentimeter dick. In kalten Wintern sind es mindestens 50 Zentimeter.

kai/dpa/AFP



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