Ungeziefer Wie Frankreich seine Bettwanzen-Plage bekämpft

Sie beißen Bürger und Touristen, lösen Juckreiz und großes Unbehagen aus: Frankreich hat ein Problem mit Bettwanzen. Im Kampf gegen das Ungeziefer schaltet sich nun der Staat ein.

Frankreich erlebt seit Jahren eine starke Vermehrung von Bettwanzen. In Paris gingen Schädlingsbekämpfer laut den jüngsten vorliegenden Daten im Jahr 2018 an rund 400.000 Adressen gegen Bettwanzen vor, darunter in zahlreichen Hotels. Das war ein Anstieg um ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr.

Sowohl Privatpersonen als auch Hoteliers bekämpfen das Ungeziefer mit allen Mitteln - doch die Plagegeister loszuwerden, das ist nicht leicht. Nun bekommen die Betroffenen Hilfe von oberster Stelle: Die Regierung schaltete am Freitag eine Notrufnummer für Bürger frei. "Wir können alle betroffen sein", heißt es auf einer neu eingerichteten Website . "Bettwanzen?", steht dort, und: "L'Etat vous accompagne." Sinngemäß: Der Staat lässt euch nicht im Stich.

"Bettwanzen sind mit bloßem Auge erkennbar und für gewöhnlich braun", schreibt die zuständige Behörde, das Ministère de la Cohésion des territoires. "Sie springen nicht und fliegen nicht, und ihre durchschnittliche Lebensdauer beträgt fünf bis sechs Monate." Die Bisswunden der Bettwanze jucken und können sich entzünden, wenn der Betroffene daran kratzt. Auch können die Bisse allergische Reaktionen auslösen.

Die Bettwanze galt vor einigen Jahrzehnten als so gut wie ausgerottet, aus Frankreich war sie seit den Fünfzigerjahren verschwunden. Dass sich das Tier wieder ausbreiten konnte, hat wohl auch etwas mit dem Verbot hochgiftiger Insektenvernichtungsmittel zu tun. Auf der Website der Regierung heißt es aber auch, das internationale Reiseaufkommen sei dafür verantwortlich sowie eine Resistenz der Bettwanzen gegen Insektizide.

Online listet die französische Regierung nun diverse Maßnahmen auf, wie Bürger die Bettwanzen - und auch deren gelegte Eier - wieder loswerden können. Empfohlen werden unter anderem die Reinigung von Räumen mit 120 Grad Celsius heißem Dampf, Wäsche heiß zu waschen oder sie für 72 Stunden bei minus 20 Grad Celsius einzufrieren.

Tipps für Frankreichtouristen

Wie sich Touristen gegen Bettwanzen schützen können, erklärt die Behörde ebenfalls auf ihrer Website:

  • Touristen sollten ihr Gepäck in Hotels nicht auf den Boden oder aufs Bett stellen, sondern auf dafür vorgesehene Kofferhalter, heißt es in den Onlinetipps der Regierung.

  • Zudem sollten Besucher keine Kleider auf dem Bett des Hotelzimmers oder der Ferienwohnung ablegen, ohne es zuvor gründlich auf Bettwanzen untersucht zu haben. Auch in Sesseln und unter Teppichen sowie hinter Bilderrahmen könne sich der Parasit verbergen.

  • Touristen wird überdies geraten, nach der Rückkehr von einer Reise ihre Textilien möglichst bei 60 Grad zu waschen - selbst wenn sie noch nicht getragen wurden.

Doch Bettwanzen sind nicht nur ein Problem der Hotelbranche. Zunächst galten vorwiegend Sozialwohnungen am Rand von Großstädten wie Marseille und Paris als befallen. Später räumten auch Wohlhabende ein, unter den bisswütigen Parasiten zu leiden.

Zuletzt berichtete der Pariser Bürgermeisterkandidat Benjamin Griveaux vom "Albtraum" für seine Familie. Er schlug einen eigenen städtischen Dienst gegen Bettwanzen vor. Kurz danach zog Griveaux wegen einer Sexvideoaffäre seine Kandidatur zurück.

Bettwanzen existieren nicht nur in Frankreich, sondern können weltweit eine Plage sein. Auch in den Alpen breiteten sich die Insekten zuletzt aus, Hüttenwirte schlugen Alarm. Im vergangenen Sommer gab der Deutsche Alpenverein Maßnahmen bekannt, wie er seine Hütten besser gegen Bettwanzen schützen wollte

jus/AFP
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