Beunruhigender Zwischenfall Rätselhafte Großexplosion in Nordkorea

War es ein Unglück oder gar ein Atombombentest? Wie erst jetzt bekannt wird, hat sich am Donnerstag eine wohl gigantische Detonation in Nordkorea ereignet. Satellitenbilder zeigen laut Agenturberichten eine kilometerbreite Pilzwolke aufsteigen. Die südkoreanische Regierung aber erklärt einen Nukleartest für unwahrscheinlich.


Seoul - Der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap zufolge hat die riesige Explosion am Donnerstag den Nordosten Nordkoreas, die entlegene Yanggang-Provinz, erschüttert. Donnerstag war der 56. Jahrestag der Gründung Nordkoreas.

Die Agentur meldete unter Berufung auf nicht näher bezeichnete Kreise in Peking, Satelliten hätten nach der Explosion eine pilzförmige Wolke mit einem Durchmesser von bis zu vier Kilometern aufgenommen. Die gebirgige Gegend beherberge Raketensilos.

Die Stärke der Detonation sei wahrscheinlich größer als die Explosion am 22. April auf dem nordkoreanischen Bahnhof Ryongchon gewesen. Bei dem Bahnunglück waren damals knapp 170 Menschen ums Leben gekommen. Etwa 1300 Menschen wurden dabei verletzt. Die amtlichen nordkoreanischen Medien hatten erst zwei Tage später über den Zwischenfall berichtet.

Waldbrand, Unglück oder Test?

Satellitenbild des Zugunglücks in Ryongchon im April: Aus Nordkorea selbst gibt es nach dem neuen Zwischenfall bisher keinerlei Berichte, Stellungnahmen oder Bilder
REUTERS/ DigitalGlobe

Satellitenbild des Zugunglücks in Ryongchon im April: Aus Nordkorea selbst gibt es nach dem neuen Zwischenfall bisher keinerlei Berichte, Stellungnahmen oder Bilder

Südkoreas Vereinigungsminister Chung Dong Young bezeichnete es als unwahrscheinlich, dass es sich um einen Atomwaffentest gehandelt habe.

Die Explosion an der Grenze zu China sei den Kreisen zufolge kein Unfall gewesen, berichtete Yonhap. Anderen Darstellungen zufolge habe es sich um einen Waldbrand gehandelt. Ein Vertreter der US-Regierung erklärte in Washington, es sei unklar, was in Nordkorea geschehen sei.

Die "New York Times" berichtete am Sonntag, die Regierung von US-Präsident George W. Bush habe kürzlich Geheimdiensthinweise erhalten, nach denen Nordkorea möglicherweise einen ersten Atomwaffentest vorbereite. Die USA gehen davon aus, dass Nordkorea genug Plutonium für die Herstellung von acht Atombomben haben könnte. Südkorea, die USA, China, Russland und Japan versuchen festgefahrene Gespräche über eine Lösung der Krise um Nordkoreas Atomprogramm wieder in Gang zu bringen.



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