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INTERNET Big Brother, ganz privat

aus DER SPIEGEL 52/2002

In den Achtzigern war John M. Poindexter der Nationale Sicherheitsberater von Ronald Reagan. In den Neunzigern half er, »Genoa« zu entwickeln, ein Programm, das heimlich Informationen aus Computern sammelt. Heute ist Poindexter Chef des »Total Information Awareness«-Projekts des US-Verteidigungsministeriums. Mit einem Jahresbudget von 200 Millionen Dollar soll Poindexter die digitale Rasterfahndung in Amerikas Datenbanken möglich machen und so dem Krieg gegen den Terrorismus dienen. Kreditkartenzahlungen, E-Mails, Krankheitsdaten, Reisereservierungen und alle anderen Informationen sollen genutzt werden, um Täterprofile zu erstellen und potenzielle Täter zu finden. Wie unangenehm es ist, wenn Unbekannte in den eigenen Daten herumwühlen, konnte Poindexter vor kurzem selbst feststellen. Hacker nahmen die Jagd auf Informationen aus seinem Privatleben auf. Innerhalb weniger Tage war bekannt, dass Poindexter 269 700 Dollar für sein Haus in Maryland bezahlt hat, dass es nicht gestrichen, sondern mit Aluminium verkleidet ist. Außerdem tauchten Daten aus der Steuererklärung Poindexters auf, Satellitenbilder seines Grundstücks und natürlich auch seine private Telefonnummer. Sie lautet 301-424 66 13. Anfangs nahmen Familienmitglieder den Hörer noch ab, wenn Amerikaner Poindexter die Meinung sagen wollten. Aber dann wurde es ihnen wohl zu viel. Wählt man die Nummer heute, ist zu hören: »Kein Anschluss mehr unter dieser Nummer.«

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