"Big Brother" Massenflucht aus dänischem TV-Container

130.000 Mark Siegprämie konnten sie nicht halten. Drei Teilnehmer aus der dänischen Realityshow "Big Brother" sind Karfreitagnacht ausgebrochen.


Big Brother Dänemark

Big Brother Dänemark

Kopenhagen - Bei der dänischen Version der Realityshow "Big Brother" sind über Ostern alle Hemmungen gefallen. Nach der Flucht von drei der sieben Teilnehmer in der Nacht von Karfreitag entschied sich TvDanmark für den zeitweiligen Abbruch der sonst permanenten Kameraüberwachung des Containers im Hafengelände von Kopenhagen. Der Sender hat jetzt die eigenen Regeln gebrochen, um das komplette Aus zu verhindern.

Die vier restlichen und zeitweise ebenfalls zur Flucht entschlossenen Teilnehmer dürfen in dieser Woche von Freunden und Angehörigen in ihrem Wohn-Container besucht werden. Und ein schon aus der Show herausgewählter Ex-Teilnehmer namens Eddie wurde zum erneuten Einzug bis zur endgültigen Entscheidung Mitte Mai überredet.

"Die Bewohner haben bei 'Big Brother' die Macht übernommen. Der Sender erfüllt ihnen jeden Wunsch", schrieb am Dienstag die Boulevard-Zeitung "Ekstra Bladet" und schilderte die Stimmung unter den Verantwortlichen als "verzweifelt", weil TvDanmark die Serie um jeden Preis wegen der einkalkulierten Werbeeinnahmen bis Mitte Mai hinziehen will.

Mit zwei Tagen Verzögerung konnte sich am Sonntagabend die auch in Dänemark nicht unbeträchtliche Schar der Zuschauer von "Big Brother" ein eigenes Bild von der Vorgeschichte der "Massenflucht" am Schirm machen. Die sieben Teilnehmer im Alter zwischen 20 und 32 Jahren reagierten dabei ohne Ausnahme verbittert über die Entscheidung der Verantwortlichen, ihnen wegen fehlender Lösung einer "Wochenaufgabe" den fälligen Nachschub an hochprozentigem Alkohol und Zigaretten zu verweigern. So jedenfalls präsentierte es der Sender.

Immerhin vier der Meuterer entschieden sich dann doch für den Verbleib. Die drei endgültig Geflüchteten, Sören, 25, Pil, 32, und Christian, 24, aber, die als "Stars" gelten, erklärten selbst, sie könnten es sich nicht mehr über sich bringen, andere Teilnehmer aus der Show herauszustimmen. Dass die Debatte darüber und die danach folgende Flucht auf der ansonsten permanent zugeschalteten Internetseite live überhaupt nicht und im Fernsehen später nur stark zusammenschnitten gezeigt wurde, hat die Fangemeinde offenbar verärgert. "Ekstra Bladet" jedenfalls will von Lesern bestürmt worden sein, die den Abbruch der Show verlangen, weil der Sender selbst die angebliche "Realityshow" durch Abschalten von Kameras und Regelbrüche manipuliert habe.

Bei TvDanmark aber lautet die Devise "Augen zu und durch", bis Mitte Mai nach 100 Tagen mit "Big Brother" ein Sieger mit einer Prämie 500.000 Kronen (130.000 Mark) gekürt werden kann. Ärger mit der TV-Firma Endemol - dem niederländischen Erfinder des Konzeptes von "Big Brother" - hält Regisseur Paul Gazan für unwahrscheinlich. "Es steht nirgends geschrieben, dass wir Regeln nicht ändern dürfen", meinte Gazan in "Ekstra Bladet".



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