Bilanz Flut verursacht Schaden von zig Millionen

Die Pegelstände sinken, doch die Anspannung in den Hochwasserregionen in Bayern bleibt. Aufgeweichte Dämme machen den Bewohnern der betroffenen Gebieten am vierten Tag der Flut zu schaffen. Umweltminister und Versicherer stellen bereits erste Schadensbilanzen auf.


Dorf bei Kelheim: In den Fluten versunken
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Dorf bei Kelheim: In den Fluten versunken

München - Katastrophenalarm herrschte heute noch in den Landkreisen Erding, Freising und Kelheim sowie in der Gemeinde Eschenlohe bei Garmisch-Partenkirchen. Überall im Landkreis Kelheim waren die Helfer die ganze Nacht im Einsatz. Das weltberühmte Kloster Weltenburg habe mit einem Damm aus Sandsäcken erfolgreich gegen die Fluten verteidigt werden können, sagte eine Sprecherin des Landratsamtes. Auch ein Polderdeich in Neustadt an der Donau, der zu brechen drohte, konnte gesichert werden.

Die Isar ist vielerorts noch immer ein reißender Strom. "Der Boden ist zum Teil so aufgeweicht, dass Fahrzeuge nicht mehr hinfahren können", berichtete eine Sprecherin des Landratsamtes Erding. Sandsäcke wurden deshalb mit Bundeswehr-Hubschraubern zum Einsatzgebiet gebracht. "Es gibt einige Wasserdurchbrüche, und auch Sickerwasser hinter dem Deich." Das Wasser sinke nur eine halben Zentimeter pro Stunde.

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Hochwasser in Bayern: Die Flut geht, das Chaos kommt

Deshalb werde damit gerechnet, dass sich die Lage bis zum Sonntag nicht wesentlich entspannt. Im niederbayerischen Landshut kämpften die Menschen gegen die Nachwirkungen der Isar-Flut. Aufgestiegenes Grundwasser habe hunderte Keller überflutet, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Einsatzkräfte kontrollierten weiter die aufgeweichten Dämme.

Donauabwärts verlief die Flut glimpflicher als befürchtet. Am Morgen begannen in Regensburg die Pegelstände zu sinken. "Wir sind sehr gut davongekommen", sagte eine Stadtsprecherin. Einige Uferstraßen waren überschwemmt. Die Einsatzkräfte hätten aber eine relativ ruhige Nacht verbringen können. Der Höchststand blieb am frühen Morgen mit 5,60 Meter einen Meter unter dem Augusthochwasser von 2002.

Im niederbayerischen Straubing wird der höchste Wasserstand am Nachmittag mit rund 6,50 Metern erwartet. Dies sei aber ebenfalls ein Meter weniger als beim Augusthochwasser vor drei Jahren, sagte ein Feuerwehrsprecher. Einsatzkräfte kontrollieren die Dämme und verteilen Sandsäcke. Größere Probleme werden aber nicht erwartet.

In der Drei-Flüsse-Stadt Passau fielen die Pegelstände von Donau und Inn. "Da der Inn zurückgeht, kann uns ein Hochwasser auf der Donau nicht schrecken", sagte ein Stadtsprecher. Der Inn sei bei Hochwasser in Passau der entscheidende Faktor. Trotz der in der Nacht erwarteten Spitze der Donau sollen die Wasserstände weiter fallen.

Unklar ist die Höhe der Schäden. Während Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) von einem mehr als dreistelligen Millionenbetrag sprach, gehen Versicherer in ersten Schätzungen von einem geringeren Schaden aus.

Nach "ersten groben Schätzungen" des größten deutschen Versicherungskonzerns Allianz sind die Schäden mit denen des Hochwassers vom Frühjahr 1999 in Süddeutschland zu vergleichen. Damals habe die Schadensbelastung bezogen auf Deutschland im unteren zweistelligen Millionenbereich gelegen, sagte ein Sprecher. "Die Schadensregulierer der Allianz haben am Mittwoch mit ihrer Arbeit begonnen und die konkrete Schadenssumme kann noch nicht eingegrenzt werden."

Der weltweit drittgrößte Rückversicherer Hannover Rück schätzt die Nettoschadensbelastung für den Konzern durch das Hochwasser in der Schweiz, Österreich und Deutschland auf maximal 35 Millionen Euro. Bei dem ersten Überblick handele es sich um eine "sehr konservative Schätzung", sagte eine Konzernsprecherin. Die Belastungen durch die Hochwasserschäden hätten keinerlei Auswirkungen auf die Jahresprognose der Hannover Rück.

Vom weltgrößten Rückversicherer Münchener Rück liegt noch keine Schätzung über die Belastung durch das Hochwasser vor. "Unsere Experten arbeiten daran", sagte ein Sprecher auf Anfrage. "Solange das Wasser noch unterwegs ist, macht es wenig Sinn, eine Schätzung abzugeben."



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