Wegen dritter Welle Gewerkschaft fordert, Abiturprüfungen ausfallen zu lassen

Im Kampf gegen die Pandemie fordert die Bildungsgewerkschaft GEW eine harte Maßnahme: Sollten die Infektionszahlen weiter so dramatisch ansteigen, müssen die Länder auf die Abiturprüfungen verzichten.
Abiturprüfung im Mai 2020 in einer Sporthalle in Ravensburg

Abiturprüfung im Mai 2020 in einer Sporthalle in Ravensburg

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Felix Kästle / picture alliance / dpa

In Rheinland-Pfalz haben die Schülerinnen und Schüler bereits im Januar ihr Abitur geschrieben, in anderen Bundesländern fanden auch schon die ersten schriftlichen Prüfungen statt. Doch nun warnt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) davor, weitere Prüfungen durchzuziehen: »Sollte das Infektionsgeschehen so dramatisch ansteigen, wie die dritte Welle in anderen europäischen Nachbarstaaten befürchten lässt, müssen die Länder flexibel reagieren und von Prüfungen absehen«, sagte GEW-Chefin Marlis Tepe den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND).

»Dann könnten zum Beispiel die Leistungen aus dem Unterricht zur Grundlage der Notengebung gemacht werden«, sagte Tepe. Die GEW habe sich sehr dafür eingesetzt, dass die Kultusministerinnen und -minister erklärt hätten, die Abiturzeugnisse mit verschiedenen Prüfungsformaten gegenseitig anzuerkennen. Diese Erklärung müsse eingehalten werden, sollten Prüfungen pandemiebedingt ausfallen. Das Abitur 2021 brauche die volle Anerkennung und Wertschätzung.

Der hessische Kultusminister Alexander Lorz sagte dem RND, die Kultusministerkonferenz (KMK) gehe davon aus, dass die Abiturprüfungen in diesem Jahr überall stattfänden. Eine Absage von Prüfungen wäre zum Nachteil der Schüler: »Sie würden den Jugendlichen fürs Leben einen Malus mitgeben.«

»Es werden in den Schulen noch einmal ganz schwierige Wochen«

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) blickt mit großer Sorge auf den weiteren Schulbetrieb in Deutschland. »Es wird überall eine Gratwanderung sein und sehr vom regionalen Infektionsverlauf gerade auch unter den Kindern und Jugendlichen abhängen«, sagte die CDU-Politikerin der Nachrichtenagentur dpa.

»Es werden in den Schulen noch einmal ganz schwierige Wochen, in denen ein Präsenzunterricht leider immer wieder am seidenen Faden hängen wird.« Karliczek fügte hinzu, es werde auch sehr von der Disziplin der gesamten Gesellschaft abhängen, wie es an den Schulen weitergehe.

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Sie sprach sich für Wechselunterricht »mit einem guten Test- und Hygienekonzept« bei Inzidenzen bis 100 aus. Nach Ostern müssten Schüler zweimal pro Woche getestet werden. In einigen Bundesländern sind bereits entsprechende Testpflichten geplant. »Wo die Zahlen über 100 steigen, muss dies als lautes Warnsignal gesehen werden. Präsenzunterricht wird nur dann möglich sein, wenn die bekannten Maßnahmen zur Infektionsprävention ganz strikt eingehalten werden«, sagte Karliczek.

An der Frage, ob das Abitur in diesem Jahr stattfinden soll, haben sich bislang schon viele Diskussionen entzündet. Der Schulleitungsverband Niedersachsen hatte bereits Mitte Januar gefordert, auf Abiturprüfungen sowie auf alle weiteren Abschlussprüfungen zu verzichten.  Angesichts der Turbulenzen an den Schulen und der weiterhin hohen Zahl von Coronainfektionen hält der Verband es für nicht vertretbar, Klausuren und mündliche Prüfungen abzuhalten. Stattdessen sollten die Abschlussnoten aus den Leistungen während des Schuljahrs errechnet werden.

Bereits am 21. Januar verkündete die KMK,  dass die Prüfungen in Abhängigkeit vom Pandemiegeschehen dieses Jahr geschrieben würden. Alle Abschlüsse sollten »denen früherer und späterer Jahrgänge gleichwertig sein und gegenseitig an­erkannt werden«, hieß es damals. Für den Lernerfolg ist nach Ansicht der Kultusministerkonferenz Präsenz­unterricht im Klassenraum der beste Weg. Aber wie viel Zeit Jungen und Mädchen mit ihren Lehrerinnen und Lehrern in der Klasse verbringen, unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland. Und damit auch, wie gut vorbereitet die Schüler die Abschlussprüfungen in Angriff nehmen.

kha/dpa/AFP