»Das wird überall anerkannt« Hamburg lockert Abiturvorschriften

Mehr Zeit für Klausuren, genauere Themenhinweise, keine flächendeckende Zweitkorrektur: Hamburgs Schulsenator hat Pläne für das Corona-Abitur im Frühjahr präsentiert. Sie könnten anderen Bundesländern als Blaupause dienen.
Abiturientin bei einer Klausur (Archivbild)

Abiturientin bei einer Klausur (Archivbild)

Foto: Julian Stratenschulte/ picture alliance / dpa

Am 24. Juni beginnen in diesem Jahr in Hamburg die Sommerferien, außerdem gibt es noch eine Woche Pfingstferien im Mai. »Das sind zwei extrem unglückliche Ferientermine«, sagt Ties Rabe, der Hamburger Schulsenator: Unglücklich deshalb, weil sie seinen Spielraum beim Umgang mit den Abschlussprüfungen in diesem besonderen Schuljahr extrem einschränken.

Rabe skizzierte nun, wie er die schulischen Examensarbeiten und insbesondere die Prüfungen zum Abitur trotz Corona und trotz der freien Wochen »zu fairen Bedingungen« sicherstellen will. Rund 9500 Schülerinnen und Schüler werden in Hamburg zur Prüfung antreten, 27.000 Klausuren müssen anschließend bewertet werden. Das Prozedere im Stadtstaat könnte auch als Blaupause für andere Bundesländer dienen.

»Viele Schülerinnen und Schüler haben fast ein halbes Jahr keinen regulären Unterricht gehabt«, sagt Rabe. Die diesjährigen Abiturientinnen und Abiturienten seien von der Ausnahmesituation besonders betroffen. »Deshalb werden wir die Prüfungsbedingungen anpassen«, kündigt der SPD-Politiker an – und betont mehrfach, dass die Maßnahmen mit der Kultusministerkonferenz (KMK) abgestimmt seien, »denn wir wollen sicherstellen, dass es ein vollwertiges Abitur ist und überall anerkannt wird«.

»Prüfungen müssen stattfinden«

Die Voraussetzungen dafür seien klar definiert: »Alle Prüfungen müssen stattfinden und sie müssen auch auf einem ordentlichen Abiturniveau stattfinden.« Dennoch werde es Modifikationen im Vergleich zu den Prüfungen in anderen Jahren geben, so der SPD-Politiker. Das bedeutet konkret:

  • Die Bearbeitungszeit für Klausuren wird um jeweils 30 Minuten verlängert. Für Kurse mit erhöhtem Anforderungsniveau, die in anderen Bundesländern Leistungskurse heißen, bedeutet das eine Klausurzeit von sechs Stunden.

  • Die Lehrkräfte – und damit indirekt auch die Schülerinnen und Schüler – erhalten genauere Hinweise auf die Schwerpunktthemen der Prüfungen. Damit sei eine gezieltere Vorbereitung möglich, sagt Rabe, »die Aufgaben selbst bleiben aber geheim«.

  • Im Fach Mathematik erhalten die Lehrerinnen und Lehrer erstmals die Möglichkeit, für ihre Prüflinge aus mehreren möglichen Aufgabenstellungen eine Auswahl zu treffen und damit gezielter den zuvor behandelten Stoff zu prüfen. In anderen Bundesländern wird das längst praktiziert.

  • Die Termine für die Klausuren werden um eine Woche nach hinten verschoben, ab dem 23. April stehen jetzt die ersten Prüfungen an. Die regulär letzten Klausuren werden am 18. Mai geschrieben, danach gibt es Termine für mündliche Prüfungen und Möglichkeiten zum Nachschreiben. Eine weitere Verschiebung sei wegen der frühen Sommerferien nicht möglich gewesen, sagt Rabe. Und die Ferienzeiten einzuschränken, halte er für »unmenschlich«.

Um die Lehrerinnen und Lehrer zu entlasten, will die Schulbehörde außerdem flächendeckend auf die sonst üblichen Zweitkorrekturen verzichten. Eine weitere Bewertung wird nur noch dann eingeholt, wenn die Klausurnote mehr als drei Notenstufen von den vorher im Unterricht erreichten Zensuren abweicht.

Rabe appellierte ausdrücklich an die Lehrerinnen und Lehrer, bei den Korrekturen Bewertungsspielräume »so gut es geht zu berücksichtigen«: Viele Schülerinnen und Schüler hätten neben dem Unterrichtsausfall auch Fehlzeiten durch Quarantäne oder Selbstisolation, das solle man als Lehrerin oder Lehrer im Blick haben.

Für Forderungen, auf die Abschlussprüfungen ganz zu verzichten, zeigte Ties Rabe kein Verständnis. Er verwies auf das vergangene Jahr, als die Länder nach dem ersten Corona-Shutdown und nach teils heftigen Auseinandersetzungen die Prüfungen durchgeführt hatten – mit ausgesprochen großem Erfolg, wie der Schulsenator betonte: »Da hatten wir das beste Abitur der vergangenen fünf Jahre.«

him
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