Drohender Nachwuchsmangel Ärzte fordern mehr Medizinstudienplätze

Rund 90.000 Ärztinnen und Ärzte gehen in den kommenden Jahren in den Ruhestand. Die Standesvertretung warnt: Zur Nachwuchssicherung müssen die Studienplätze um zehn Prozent ausgebaut werden.
Medizinstudierende am Uniklinikum Göttingen

Medizinstudierende am Uniklinikum Göttingen

Foto: A3803 Jochen Lübke/ dpa

Der Ärzteverband Marburger Bund hat eindringlich vor den Folgen einer »Ruhestandswelle« bei der Ärzteschaft gewarnt. Rund 54.000 berufstätige Ärztinnen und Ärzte seien laut Bundesärztekammer zwischen 60 und 65, weitere 35.500 über 65 Jahre alt, erklärte Verbandschefin Susanne Johna.

»Das heißt, dass knapp 90.000 Ärzte aus allen Versorgungsbereichen in nächster Zeit altersbedingt aus dem Beruf ausscheiden werden«, sagte Johna. Damit seien rund 22 Prozent der berufstätigen Ärzte in Klinik und Praxis nur noch wenige Jahre berufstätig oder stünden unmittelbar vor der Rente.

Johna forderte vor diesem Hintergrund einen Ausbau der Kapazitäten im Medizinstudium um mindestens zehn Prozent. Das gehöre ganz oben auf die politische Agenda. »Wegducken hilft nicht – wir brauchen mehr ärztlichen Nachwuchs, um den wachsenden Ersatzbedarf durch die Verrentung der Babyboomer wenigstens teilweise ausgleichen zu können.«

Der Marburger Bund ist der Verband aller angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte. Mit rund 131.000 Mitgliedern ist er nach eigenen Angaben der größte deutsche Ärzteverband und Deutschlands einzige Ärztegewerkschaft.

Die 230 Delegierten des Verbandes trafen sich am Wochenende zum Auftakt ihrer Hauptversammlung in Bremen, die wenige Tage vor dem Ärztetag in Bremen stattfindet. Am Dienstag wird zum Ärztetag auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) erwartet.

him/dpa