Erziehungswissenschaftler über Chancengleichheit "Bildung als Allheilmittel - das ist doch Wahnsinn"

Aladin El-Mafaalani sagt, die Schule sei der falsche Ort, um Ungleichheit zu bekämpfen und gesellschaftliche Probleme zu lösen. Wie kommt er darauf?
Ein Interview von Miriam Olbrisch
"Schule ist blind für Ungleichheit"

"Schule ist blind für Ungleichheit"

Foto: Frank Molter/ picture alliance/dpa

Aladin El-Mafaalani, 41, kennt das deutsche Bildungssystem aus vielen Perspektiven. Der promovierte Soziologe unterrichtete Wirtschaft an einer Berufsschule in Ahlen, lehrte Politikwissenschaft an der Fachhochschule Münster und arbeitete als Abteilungsleiter im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration in Düsseldorf. Heute ist er Professor für Erziehung und Bildung in der Migrationsgesellschaft an der Universität Osnabrück. Mit seinem Buch "Das Integrationsparadox" löste er 2018 eine Debatte über Konflikte in einer Zuwanderungsgesellschaft aus. Sein neues Buch "Mythos Bildung - die ungerechte Gesellschaft, ihr Bildungssystem und seine Zukunft" erscheint am 13. Februar.

SPIEGEL: Herr El-Mafaalani, waren Sie ein guter Schüler?

El-Mafaalani: Ich habe Schule lange Zeit als sehr anstrengend erlebt. So viele Hausaufgaben, so viel Stoff. Das Arbeitspensum war zu hoch. Gleichzeitig fühlte ich mich intellektuell oft unterfordert. Das ging vielen damals so. In der Oberstufe wurde es besser. Je älter ich wurde, umso mehr Freiheiten bekam ich - und umso besser wurden die Noten.

SPIEGEL: Sie machten Abitur, studierten Soziologie, heute sind Sie Professor. Dabei hatten Sie seinerzeit nicht einmal eine Empfehlung für das Gymnasium bekommen. Was ist da schiefgelaufen?

El-Mafaalani: In der Grundschule waren meine Noten nicht gerade glänzend. Auch mein Deutsch hätte wirklich besser sein können. Meine Eltern sind aus Syrien nach Deutschland eingewandert, zu Hause sprachen wir Arabisch. Mein Vater hat trotzdem darauf bestanden, dass ich aufs Gymnasium komme. Einige meiner Freunde hatten nicht so viel Glück, obwohl ihre Noten oft besser waren als meine. Sie landeten auf der Real- oder Hauptschule, ihre Karrierewege verliefen sehr anders als meiner.

SPIEGEL: In Ihrem Buch kritisieren Sie unter anderem, wie stark der Schulerfolg in Deutschland vom Elternhaus abhängt. Das Bildungssystem manifestiere soziale Ungleichheit.

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