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Werke aus dem 19. Jahrhundert Arsenverdacht – Unibibliothek überprüft 15.000 Bücher

Gefährdet Lesen die Gesundheit? Bücher aus dem 19. Jahrhundert stehen an mehreren Unis unter Verdacht, möglicherweise mit Arsen belastet zu sein. Allein in Düsseldorf werden 15.000 Werke überprüft.
Bücher in der Bibliothek der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (Symbolbild)

Bücher in der Bibliothek der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (Symbolbild)

Foto: Maja Hitij/ dpa

Weil einzelne Exemplare aus dem 19. Jahrhundert mit giftigem Arsen belastet sein könnten, will die Universitätsbibliothek Düsseldorf 15.000 Bücher sichten und die Verdachtsfälle herausnehmen. Es wird befürchtet, einige der Werke könnten Arsenverbindungen enthalten, weil der giftige Stoff mitunter in damals verwendeten grünen Farbstoffen benutzt wurde. Damit folgt die Bibliothek der Heinrich-Heine-Universität dem Beispiel anderer Einrichtungen mit historischen Büchern in den Regalen, etwa den Unibibliotheken in Siegen und Bielefeld.

»Solange die Bücher im Regal stehen, stellen sie keine Gesundheitsgefahr dar«, heißt es in einer Erklärung der Bibliothek . Es könne allerdings theoretisch zu einer Gefährdung kommen, »wenn im 19. Jahrhundert erschienene Bände mit grünen Bestandteilen angefasst und zum Umblättern der Seiten die Finger gar mit der Zunge angefeuchtet werden«.

Auch sei denkbar, dass möglicherweise Arsen enthaltender Staub auf den Bänden eingeatmet wird oder durch das Anfassen der Bände Arsen in die Augen gerät. Konkrete Vergiftungsfälle seien bisher allerdings nicht bekannt.

Vier Standorte werden zeitweise geschlossen

Um die Bücher untersuchen zu können, sollen vom 18. bis 22. März die Zentralbibliothek und einige Fachbibliotheken komplett geschlossen werden. Die Schließung sei notwendig, damit die möglicherweise belasteten Bücher zügig und geschützt aus dem frei zugänglichen Bereich entfernt werden könnten.

»Wir werden die 15.000 Bände des 19. Jahrhunderts im Freihandbereich schnellstmöglich sichten, potenziell belastete Bände entfernen und diese für die nachfolgende Testung zunächst einlagern«, sagt Kathrin Kessen, Direktorin der Bibliothek. »Wie viele der Bücher dann tatsächlich eine Arsenbelastung aufweisen, lässt sich erst nach einer Testung beziffern. Wir kalkulieren mit einer niedrigen vierstelligen Zahl.«

Während unbedenklich eingestufte Bücher nach den Tests schnellstmöglich wieder nutzbar gemacht werden sollen, müsse über den Umgang mit belasteten Bänden – etwa in Form besonderer Schutzvorkehrungen – noch beraten werden. Insgesamt handele es sich um eine theoretische Gefährdung, das Aussortieren der Bände sei »eine reine – allerdings erforderliche – Vorsichtsmaßnahme« zum Gesundheitsschutz.

An der Universität Siegen sind aktuell 12.000 Bücher vom Arsenverdacht betroffen , in Bielefeld sind es nach einer Erklärung der Universität sogar 60.000 Bände .

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, dass 15.000 Bücher aus dem Regal genommen würden und nicht mehr ausleihbar seien. Tatsächlich werden die Bücher lediglich überprüft. Ausleihbar sind sie wegen ihres Alters ohnehin nicht. Wir haben die Stellen angepasst.

him/dpa