Gescheiterte Digitalisierung Bafög-Ämter müssen Anträge ausdrucken – teils mit extra Personal

Studierende können Bafög online beantragen – aber da endet die Digitalisierung. Für Ämter bedeutet das Mehrarbeit, für Studierende längere Wartezeit. Verantwortlich sind laut Studierendenwerk die Bundesländer.
Antrag auf echtem Papier: »Hier wird ein Prozess nicht von A bis Z digitalisiert«

Antrag auf echtem Papier: »Hier wird ein Prozess nicht von A bis Z digitalisiert«

Foto: Zoonar / IMAGO

Die Situation sei absurd, sagt Matthias Anbuhl, Generalsekretär des Deutschen Studierendenwerks, bei der Jahrespressekonferenz am Donnerstag. Studierende könnten ihren Bafög-Antrag mittlerweile online stellen – aber wenn die Ämter ihn bearbeiten, müssten sie ihn ausdrucken: »Hier wird ein Prozess nicht von A bis Z digitalisiert«, kritisiert Anbuhl. Das führe zu Mehrarbeit und Frust.

Teilweise sei in einzelnen Ämtern zusätzliches Personal eingestellt worden, »wirklich nur zum Ausdrucken«, sagt Anbuhl. Die Ämter seien aktuell ohnehin ausgelastet, unter anderem weil sie sich um die Auszahlung der beiden von der Bundesregierung auf den Weg gebrachten Heizkostenzuschüsse für berechtigte Bafög-Empfänger kümmerten.

Mehrere Monate Wartezeit

Auf die erste Bafög-Auszahlung warten viele Studierende nun länger. Laut dem ARD- und ZDF-Angebot »Funk«, das zuerst über die Digitalisierungsmisere berichtete , betrug die Wartezeit teils mehrere Monate.

Anbuhl forderte, dass der gesamte Prozess digitalisiert werden müsse, inklusive e-Akte, e-Bescheid und einem verschlüsselten Portal für Rückfragen. Dass das gehe, hätte sich bei den Coronahilfen für Studierende bereits gezeigt. Verantwortlich für die Umsetzung seien die Länder, die dazu Arbeitsgruppen gebildet hätten.

Vom Bund forderte das Studierendenwerk eine grundlegende Reform des Bafög, damit wieder mehr Studierende die Förderung bekommen. Außerdem müsse der Satz weiter angehoben und die Höhe jährlich an die Preisentwicklung angepasst werden. Die Bundesregierung habe mit der Bafög-Novelle »bereits einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Aber weitere müssen folgen«, sagte Rolf-Dieter Postlep, der Präsident des Deutschen Studierendenwerks.

sun
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