Bamberg Drei Jugendliche stehen wegen geklauter Abi-Aufgaben vor Gericht

Sie sollen nachts in die Schule eingebrochen sein, den Tresor geknackt, Abi-Aufgaben geklaut und im Wald versteckt haben: Drei Ex-Schüler müssen sich deshalb nun vor Gericht verantworten. Die Tat hatte gravierende Folgen.
Schülerinnen und Schüler bei Abiturprüfungen (Symbolbild)

Schülerinnen und Schüler bei Abiturprüfungen (Symbolbild)

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Felix Kästle / picture alliance / dpa

Der Coup schien sorgfältig und von langer Hand geplant: In einem Bamberger Gymnasium verschwanden über Nacht die Prüfungsaufgaben fürs Abitur in den Fächern Latein, Englisch und Deutsch aus dem Schultresor. Die Einbrecher seien sehr professionell vorgegangen, sagten die Ermittler in dem Fall, der inzwischen rund ein Jahr zurückliegt. Schließlich kamen sie aber doch einem damals 18-jährigen Schüler auf die Schliche.

Er und zwei andere junge Männer sollen die Aufgaben in einer spektakulären nächtlichen Aktion gestohlen haben – und müssen sich deshalb von diesem Montag an vor dem Bamberger Amtsgericht verantworten.

Bereits im Dezember war Anklage gegen die drei erhoben worden, unter anderem wegen besonders schweren Diebstahls. Einer der Angeklagten muss sich zudem wegen Ausspähens von Daten verantworten. Er soll bei einem der Einbrüche sensible Daten von einem Computer geklaut haben.

Auf der Schultoilette Abdrücke vom Generalschlüssel gemacht

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Abiturienten des Kaiser-Heinrich-Gymnasiums im bayerischen Bamberg den Diebstahl schon Monate vor den Prüfungen im Kopf hatten. Einer der Schüler soll bereits im November 2019 unter einem Vorwand einen Generalschlüssel aus dem Sekretariat ausgeliehen haben. Auf der Schultoilette seien Abdrücke und Fotos gemacht worden, mit denen im Internet ein nachgemachter Generalschlüssel bestellt werden konnte.

Der Ermittler nehmen an, dass die Schüler mehrfach nachts in das Gebäude eindrangen. Im Mai 2020 seien zwei der Angeklagten in das Büro des Direktors eingebrochen, hätten den Safe aus einem Wandschrank gelöst und diesen aufgesägt. Darin sollen die Abituraufgaben gelegen haben. »Technische und digitale Spuren« führten den Ermittlern zufolge dann zu einem der nun angeklagten Gymnasiasten.

Nach einer Hausdurchsuchung und einer anschließenden Vernehmung gestand der damals 18-Jährige und übergab den Ermittlern das Tatwerkzeug sowie die Prüfungsaufgaben, die laut Polizeibericht in einem Waldgebiet versteckt gewesen waren. Den jungen Männern könnte nun wegen des besonders schweren Diebstahls eine Haftstrafe drohen. Die Tat war folgenreich: Rund 33.000 Prüflinge in Bayern bekamen im vergangenen Jahr Ersatzaufgaben gestellt, wie das Kultusministerium mitteilte.

fok/dpa
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