Nach Explosion Schulbesuch von Zehntausenden Kindern in Beirut gefährdet

Dutzende Schulen sind kaputt: Nach der Explosion in Beirut können viele Kinder und Jugendliche nicht wie gewohnt zum Unterricht gehen. Erschwerend kommt die Corona-Pandemie hinzu.
Eltern und Kinder inmitten von Trümmern: In Beirut ist der Schulbesuch akut gefährdet (Symbolbild)

Eltern und Kinder inmitten von Trümmern: In Beirut ist der Schulbesuch akut gefährdet (Symbolbild)

Foto: - / AFP

Zwei Monate nach der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut warnt eine Hilfsorganisation vor dramatischen Auswirkungen für Schülerinnen und Schüler. Mindestens einem Viertel aller Kinder in der libanesischen Hauptstadt drohten Versäumnisse bei der Schulbildung, mahnt das International Rescue Committee (IRC). Folgen der Corona-Pandemie seien in diese Schätzung noch nicht eingerechnet.

163 Schulen sind den Angaben zufolge durch die schwere Explosion im Hafen von Beirut am 4. August beschädigt worden. Insgesamt 85.000 Kinder hätten die betroffenen Schulen besucht. "Es wird bis zu einem Jahr dauern, um die am schwersten beschädigten Gebäude wiederaufzubauen", erklärte die Hilfsorganisation.

Angesichts der Kosten für den Transport zu alternativen Bildungsstätten sowie Sorgen von Eltern um die Sicherheit ihrer Kinder auf dem Schulweg sei zu befürchten, dass zum Schuljahresbeginn sehr viel weniger Kinder die Schule besuchen würden als vor der Katastrophe, sagte der IRC-Direktor für den Libanon, Mohammad Nasser. Im weiteren Verlauf des Schuljahres sei damit zu rechnen, dass weitere Kinder die Schule abbrechen werden.

Durch die Explosion von rund 2.750 Tonnen ungesichertem Ammoniumnitrat im Hafen von Beirut waren mehr als 190 Menschen getötet worden. Tausende wurden verletzt. Weite Teile Beiruts wurden zerstört. Derzeit sind die Schulen im Libanon geschlossen. Wegen des Anstiegs der Infektionszahlen verschob die Regierung den Beginn des neuen Schuljahres zuletzt bis zum 12. Oktober.

Seit Beginn der Pandemie wurden in dem Land mehr als 35.000 Infektions- und 340 Todesfälle registriert. Nach der Explosion waren die Infektionszahlen in die Höhe gegangen.

Schon Anfang September hatte die Hilfsorganisation Unicef  gewarnt, dass der Schulbesuch Zehntausender Kinder in Beirut nicht gesichert sei - obwohl dieser nach der verstörenden Katastrophe umso wichtiger sei. "Die Schule kann Kindern einen sicheren Ort und ein Stück Normalität inmitten des Chaos bieten", sagte die Unicef-Leiterin vor Ort, Yukie Mokuo. Schulen müssten nun zumindest Fernunterricht anbieten.

fok/AFP
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