Urteil Kleidungsstil darf Prüfungsnote nicht beeinflussen

Weil eine Jura-Studentin nicht im "eleganten Kurzjackett" oder "lieblichen Blouson" zur Prüfung erschienen war, zog ihr die Dozentin Punkte ab. Das wollte die Frau nicht hinnehmen - und klagte dagegen.

Bei einer Prüfung darf sich der Kleidungsstil eines Menschen nicht negativ auf seine Note auswirken. Das hat das Berliner Verwaltungsgericht entschieden und damit einer Studentin recht gegeben. Die Frau hatte für eine Präsentationsleistung eine schlechtere Note kassiert, weil sie nach Ansicht ihrer Dozentin "nicht angemessen" gekleidet war.

Die Klägerin hatte an einer Berliner Hochschule vor zwei Jahren ihren Master im Fach "Recht für die öffentliche Verwaltung" gemacht, wie das Gericht am Montag mitteilte.  Dazu gehörte auch eine mündliche Prüfung, bei der die zuständige Dozentin im Vorfeld immer wieder einen Dresscode  thematisiert hatte, und zwar immer wieder einen anderen.

Kleiderfrage bei 35 Grad

In einer ersten E-Mail an die Studierenden schrieb die Dozentin den Angaben zufolge, sie werde unter anderem "sicheres und überzeugendes Auftreten mit einem dem Charakter der Prüfung angemessenen Kleidungsstil" bewerten. In einer weiteren E-Mail hieß es, maßgebend sei "ein der Prüfung angemessenes, dezentes und ansprechendes Kleidungsbewusstsein".

Wenig später teilte die Dozentin mit, sie verzichte angesichts der sommerlichen Hitze auf einen "strengen formalen, geschäftlichen Dresscode", die Studierenden sollten sich jedoch "dem Anlass entsprechend ansprechend und gepflegt" kleiden. Den Angaben zufolge herrschten in diesen Tagen Außentemperaturen von 35 Grad Celsius.

Die Klägerin erschien zur Prüfung in Jeans und gepunktetem Oberteil - und musste deshalb einen deutlichen Punktabzug hinnehmen. Statt der Note 1,3 bekam sie wegen ihres Outfits nur eine 1,7. Begründung der Prüferin: Der Kleidungsstil habe "eher einem Alltagsoutfit" entsprochen, die Jeans sei bei der Hitze zudem als luftiges Kleidungsstück ungeeignet.

Bitte ein "lieblicher oder auch strenger Blouson"

Die Dozentin hatte sehr konkrete Vorstellungen, welche Kleidung sie sich stattdessen gewünscht hätte: Die Klägerin hätte "auf eine weiße Leinenhose und Black Shirt mit Ethnokette oder einem lieblichen oder auch strengen Blouson zurückgreifen oder ein Top mit elegantem Kurzjackett" ausprobieren können, zitiert das Gericht die Frau.

Die Richter ließen solche Ansprüche jedoch nicht gelten: "Die Bewertung einer Prüfungsleistung anhand des Kriteriums der Kleidung ist grundsätzlich fehlerhaft", urteilten sie Ende Februar.

Zwar sei es nicht grundsätzlich ausgeschlossen, eine Prüfungsleistung auch anhand des Kriteriums "Kleidung" zu bewerten, dies gelte aber nur für Prüfungen, in denen die Kleidung selbst Prüfungsgegenstand sei, wie etwa im Fach Modedesign. In diesem Fall jedoch sei die Kleiderwahl der Klägerin "ein vertretbarer Lösungsansatz" gewesen.

Das Gericht verpflichtete die Dozentin deshalb, der Studentin ein neues Zeugnis auszustellen: mit der Note 1,3.

fok
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