Corona-Nachhilfe Berliner Schule will samstags öffnen

Wie können Schülerinnen und Schüler ihre durch Distanzunterricht entstandenen Wissenslücken schließen? Eine Berliner Schule setzt von 24. April an auf freiwilligen Samstagsunterricht.
Volles Klassenzimmer: So könnte es bald samstags an einer Berliner Schule aussehen (Symbolbild)

Volles Klassenzimmer: So könnte es bald samstags an einer Berliner Schule aussehen (Symbolbild)

Foto: Philipp von Ditfurth / dpa

»Aufholen statt wiederholen«: Nach diesem Motto können Berliner Eltern ihre Kinder zu freiwilligen Förderstunden an Samstagen anmelden. Das Angebot gibt es für Schülerinnen und Schüler der Wolfgang-Amadeus-Mozart-Schule. Bis zu den Sommerferien sollen sie dort die Möglichkeit haben, am ersten Wochenendtag in selbst gewählten Fächern Unterrichtsstoff nachzuholen, der wegen der Coronapandemie zu kurz kam.

Es unterrichten allerdings nicht die Lehrkräfte der Schule, sondern Personal des Nachhilfeinstituts Studienkreis, berichtet der »Tagesspiegel« . Finanziert werden die kostenlosen Zusatzstunden von der Stadt über das Bildungs- und Teilhabepaket sowie vom Förderverein der Gemeinschaftsschule im Bezirk Marzahn-Hellersdorf.

Frank Gürntke, der Vorsitzende des Fördervereins, findet es wichtig, dass die Schule hier »schnell und unkompliziert« unterstützt wird. Das Angebot sei super für alle, die mit dem Homeschooling nicht hinterhergekommen seien. Wie viele Kinder und Jugendliche an den Samstagen kommen, kann die Schule noch nicht absehen.

Lehrerverband rechnet mit zwei Millionen Euro für Nachhilfe

Samstagsunterricht ist eine Möglichkeit, die Experten wie Heinz Hilgers, der Chef des Deutschen Kinderschutzbundes, sehen, um die coronabedingten Wissenslücken zu schließen. »Benachteiligte Kinder müssen in Zukunft samstags und in den Ferien unterrichtet werden«, betonte er in einem SPIEGEL-Interview. Dass die Lernrückstände aufgeholt werden müssen, daran zweifelt niemand. Nur in welcher Form – und vor allem: Wie viel Geld ist dafür nötig?

Für die zusätzliche Förderung braucht es nach Schätzungen des Deutschen Lehrerverbands rund zwei Milliarden Euro. Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger sagte der Nachrichtenagentur dpa, dass bei einem Großteil der Schülerinnen und Schüler die coronabedingten Lerndefizite in den nächsten zwei Schuljahren wieder aufgeholt werden könnten. Mindestens 20 Prozent der Schüler müssten allerdings stärker gefördert werden, bei ihnen sei der Bedarf sehr hoch. »Da haben wir Bedenken, ob sie überhaupt noch den verpassten Stoff aufholen können.«

Zwischen 300 und 600 Präsenzstunden seien je nach Bundesland, Schulart und Infektionslage inzwischen weggefallen und nur teilweise durch Distanzunterricht ersetzt worden, sagte Meidinger. Eine Lernförderung müsse daher über mehr als nur ein Schuljahr laufen.

Ähnliche Zahlen hatte zuletzt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) genannt. Die Studie des arbeitgebernahen Instituts geht laut einem Bericht der »Rheinischen Post« von rund 1,5 Millionen Schülern aus, bei denen durch die Krise ein stark erhöhter Förderbedarf entstanden ist. Die Autoren rechnen mit einem durchschnittlichen Förderbedarf von rund 100 Stunden pro betroffenem Schüler – und kommen so auf eine Fördersumme von 1,5 Milliarden Euro.

Über ein entsprechendes Förderprogramm beraten Bund und Länder bereits seit einigen Wochen: Im Gespräch ist eine »Nachhilfe-Milliarde«. So viel würde der Zusatzunterricht in den Kernfächern kosten, erklärte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) der Funke-Mediengruppe. Möglichst schon zu den Sommerferien, spätestens zum neuen Schuljahr würden entsprechende Förderangebote bereitgestellt, für Deutsch, Mathematik und möglicherweise die erste Fremdsprache.

So lange müssen die Schüler der Berliner Mozart-Schule nicht warten. Dort sollen die Samstagsstunden schon am 24. April starten.

kfr/dpa
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