Umfrage Schüler halten fehlende Digitalisierung für "dringlichstes Problem"

Jugendliche in Deutschland sind unzufrieden mit den digitalen Lernmöglichkeiten an ihren Schulen, ergab eine aktuelle Umfrage. An den Lehrkräften liegt das wohl nicht.
Siebtklässler in Niedersachsen lernen mit Tablet-PC

Siebtklässler in Niedersachsen lernen mit Tablet-PC

Foto: Julian Stratenschulte/ picture alliance/dpa

Drei Viertel der Schülerinnen und Schüler zwischen 14 und 19 Jahren sind mit den digitalen Lernangeboten an ihren Schulen unzufrieden. Das ergab eine repräsentative Befragung im Auftrag des Digitalverbandes Bitkom unter mehr als 500 Schülern an weiterführenden Schulen in ganz Deutschland.

Die Befragung fand in diesem Januar und Februar telefonisch statt – noch bevor die Schulen im ganzen Land schließen mussten, um eine Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen. Schon damals hielt die Mehrheit der Schüler den fehlenden Einsatz digitaler Technik für das "dringlichste Problem" in ihrem Lernalltag.

Andere Schwierigkeiten wie Unterrichtsausfall, überfüllte Klassen und baufällige Schulgebäude bewerteten die Befragten als weniger schlimm.

Schüler wünschen sich Laptops und Tablet-PCs

An den Lehrkräften scheitert es nach Ansicht der befragten Schüler meist nicht: Sechs von zehn sagten, ihre Lehrer stünden digitalen Medien überwiegend positiv gegenüber. Ein Fünftel sieht in einem Großteil des Lehrpersonals sogar echte Technik-Fans.

Fast alle befragten Schülerinnen und Schüler (93 Prozent) glauben, digitale Medien machten den Unterricht interessanter. Sechs von zehn sagen von sich, Lehrinhalte durch digitale Medien besser und schneller zu verstehen.

Die Schüler wünschen sich zudem, dass sie von der Schule mit IT ausgestattet werden: 85 Prozent meinen, jeder Schüler sollte ein mobiles Endgerät zur Verfügung gestellt bekommen, etwa einen Laptop oder ein Tablet.

Hubig: "Noch viel Luft nach oben"

"Die Corona-Krise ist ein Stresstest für die digitale Infrastruktur der Schullandschaft", kommentierte Stefanie Hubig, Kultusministerin in Rheinland-Pfalz und amtierende Präsidentin der Kultusministerkonferenz. "Digitale Bildung umfasst mehr als nur die neuen technischen Möglichkeiten, es ist ein pädagogischer und didaktischer Auftrag an das Lernen und Lehren in einer zunehmend digitalisierten Welt."

Natürlich sei aber auch bei diesem Thema noch "viel Luft nach oben", sagte Hubig. Alle Länder arbeiteten deshalb unter Hochdruck daran, noch besser zu werden.

Digitalpaktgeld für Lernplattformen nutzen

Die Bundesländer wollten nun Gelder aus dem Digitalpakt für die Digitalisierung der Schulen in Deutschland auch für den Auf- und Ausbau von Online-Lernplattformen nutzen, sagte Hubig. "Wir stehen gerade mit dem Bundesbildungsministerium in Verhandlungen." Mit Blick auf die Coronakrise müssten jetzt Mittel umgewidmet werden.

Der Digitalpakt Schule war am 17. Mai 2019 in Kraft getreten. Bis 2024 stellt der Bund mit dem Pakt fünf Milliarden Euro für die Digitalisierung von Deutschlands Schulen bereit. Hinzu kommt ein Eigenanteil der Bundesländer von 555 Millionen Euro.

Die Schulträger können beim jeweiligen Land Fördermittel beantragen. Davon sollten nach dem bisherigen Konzept vor allem die Ausrüstung an den Schulen selbst finanziert werden, nicht landesweite Online-Plattformen oder digitale Lerninhalte.

olb/dpa
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