Bildung und Corona FDP fordert mehr Pragmatismus bei Schulschließungen

Geschlossene Schulen und Kitas machen Kindern und Jugendlichen zunehmend zu schaffen. Sie erkranken selbst nur selten schwer an Covid-19, seien aber von vielen Maßnahmen unverhältnismäßig stark betroffen, kritisiert die FDP.
Kitas und Schulen müssen wegen der Pandemie immer wieder schließen (Symbolbild)

Kitas und Schulen müssen wegen der Pandemie immer wieder schließen (Symbolbild)

Foto: Hauke-Christian Dittrich/ dpa

Kinder und Jugendliche, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, müssen in Deutschland nur in seltenen Fällen im Krankenhaus behandelt werden: 1,2 Prozent der unter 20-jährigen Covid-19-Erkrankten betraf das seit Beginn der Pandemie.

68 Kinder und Jugendliche wurden bisher wegen Covid-19 intensivmedizinisch betreut. Dem Robert Koch-Institut sind elf bestätigte Todesfälle von jungen Menschen unter 18 Jahre im Zusammenhang mit dem Virus bekannt.

Das geht aus einer bisher unveröffentlichten Kleinen Anfrage mehrerer FDP-Bundestagsabgeordneter an die Bundesregierung hervor, die dem SPIEGEL vorliegt. Die Zahlen bilden den Stand vom 9. April 2021 ab.

»Starrsinnigkeit der Bundesregierung«?

Mit ihrer Anfrage möchten die Abgeordneten darauf hinweisen, dass Kinder und Jugendliche möglicherweise unverhältnismäßig stark unter den Maßnahmen der Pandemiebekämpfung leiden, obwohl sie selbst in den allermeisten Fällen nicht schwer erkranken.

Ab einem Inzidenzwert von 200 sollen Schulen und Kitas künftig geschlossen bleiben, so plant es Kanzlerin Angela Merkel im »vierten Bevölkerungsschutzgesetz«. Die Regierung betont dabei immer wieder, dass Kindern und Jugendlichen »höchste Priotität« eingeräumt werde.

Die Opposition bewertet das anders. »Bildungschancen und gesundheitliches Wohlergehen der Kleinsten fallenn ein weiteres Mal der Starrsinnigkeit der Bundesregierung zum Opfer«, sagt die Abgeordnete Katrin Helling-Plahr (FDP). Eine Differenzierung zwischen kontrollierbarem Clusterausbruch und diffusem Ausbruchsgeschehen sei so nicht mehr möglich.

Es fehle zudem an »pragmatischen Lösungen«. Man könne etwa die kostenlosen Bürgertests des Bundes auf die Schulen ausweiten. »Jeder zusätzlich wahrgenommene Test bietet einen Sicherheitsgewinn und mehr Perspektiven für Präsenzunterricht«, sagt Helling-Plahr.

Diesem Vorschlag hatte das Bundesgesundheitsministerium Anfang März allerdings eine Absage erteilt. Die Begründung: Testungen im Zusammenhang mit dem Schulbetrieb fielen ausschließlich in den Kompetenzbereich der Länder.

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Sorgen, Ängste, Depression

Dabei gibt es zahlreiche Studien, die belegen, wie sehr Kinder und Jugendliche darunter leiden, nicht in die Schule oder in die Kita gehen zu können und Freunde nicht sehen zu dürfen. Mitte Februar veröffentlichte das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) die Ergebnisse der zweiten Befragung der sogenannten »COPSY«-Studie  (»Corona und Psyche«), die das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen in der Pandemie beleuchtet.

Demnach litt knapp jedes dritte Kind ein Jahr nach Beginn der Pandemie unter psychischen Auffälligkeiten wie Sorgen und Ängsten, aber auch depressiven Symptomen und psychosomatischen Beschwerden wie Kopf- oder Bauchschmerzen. Junge Menschen mit Migrationshintergrund oder aus weniger wohlhabenden Familien waren besonders betroffen.