Tourismus versus Bildung Bundesländer einigen sich nach Dauerfehde auf Sommerferientermine

Hamburg und Berlin haben ein Privileg für ihre Schulen erstritten: Die Sommerferien beginnen ab 2025 stets im Juli. Für die Küstenkinder gibt es aus wirtschaftlichen Gründen weiterhin größere Schwankungen.
Kinder beim Tauziehen: Hamburg und Berlin ziehen bei der Ferienplanung an einem Strang

Kinder beim Tauziehen: Hamburg und Berlin ziehen bei der Ferienplanung an einem Strang

Foto: MARK SAMPSON / IMAGO

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Welches Bundesland startet wann in die Sommerferien? Auf den ersten Blick sieht die neue Tabelle aus wie immer: Baden-Württemberg und Bayern haben sich die traditionellen Ferientermine Ende Juli, Anfang August gesichert, die Schülerinnen und Schüler im Rest der Republik starten mal eine Woche später, mal eine Woche früher in die langen Ferien.

Doch diese Matrix  ist ein Politikum, über das zwei Jahre gestritten wurde – und einzelne Länder haben nun tatsächlich eine Verbesserung für ihre Schülerinnen und Schüler erreicht.

Die Entscheidung über den Sommerferienzeitraum war eigentlich schon 2019 fällig, die Länder hatten sich bei der Lösung allerdings »völlig verhakt«, wie es aus Teilnehmerkreisen heißt. Das Hauptproblem: Die Kultusministerien entscheiden nicht allein, sie müssen sich besonders in den tourismusstarken Küstenländern mit dem Wirtschaftsministerium einigen – und das hatte ganz andere Vorstellungen als etwa die Bildungspolitiker in Hamburg und Berlin.

Ferienzeiten angleichen

Die Stadtstaaten hatten gefordert, die Ferien erst im Juli beginnen zu lassen. Und Berlin wollte den Zeitraum zwischen den Ländern zudem angleichen. Wenn das eine Land Mitte Juni starte und das andere Anfang August, seien einheitliche Abiturtermine schwer zu setzen. Manche Schülerinnen und Schüler hätten dann längere Vorbereitungszeiten, andere viel kürzere, so das Argument.

Die Tourismusbranche hingegen forderte einen möglichst langen Ferienkorridor, damit von Juni bis September die Betten ausgelastet sind.

Letztendlich haben sich alle Interessen durchgesetzt – aus bildungspolitischer Sicht zum Nachteil der Küstenkinder. Die haben mit einem wechselnden Ferienbeginn von Mitte Juni bis Ende Juli die größten Schwankungen. Die größte Kontinuität haben sich – abgesehen natürlich von den bereits gesetzten Südländern – hingegen Hamburg und Berlin erstritten. Hier beginnen die Ferien ab 2025 immer irgendwann im Juli.

Das Bildungsministerium in Schleswig-Holstein betonte auf SPIEGEL-Anfrage, bei der Ferienregelung »stehen immer die pädagogischen Aspekte im Mittelpunkt«. Wichtig sei vor allem, dass die Dauer der Schulhalbjahre möglichst konstant bleibe. Gleichzeitig seien auch »schulorganisatorischen, touristischen, verkehrs- und umweltpolitischen Aspekten Rechnung getragen« worden. Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz und brandenburgische Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) sagte, »die neue langfristige Sommerferienregelung der Kultusministerkonferenz schafft Planungssicherheit für Schulen, für den Sommerurlaub der Familien mit schulpflichtigen Kindern und für die Tourismusbranche.«

Ferienkorridor schrumpft

Der Zeitraum, über den sich die Ferien strecken, wurde insgesamt allerdings tatsächlich verkürzt – mit einer Ausnahme 2029. In den anderen vier Jahren sind die Länder etwas näher zusammengerückt, die gesamte Ferienzeit liegt nur noch bei 80 Tagen. Zuletzt lag sie bei 85. Im Jahr 2029 liegt sie einmalig bei 87 Tagen.

Die beschlossenen Termine sorgten »durch etwa gleich lange Schuljahre auch für mehr Bildungsgerechtigkeit unter den Ländern«, sagte die scheidende Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Über das Ergebnis für Berlin zeigte sie sich erfreut: Das seien »gute Nachrichten für die Berliner Familien«. Der frühe Ferienbeginn habe großen Zeitdruck an den Schulen erzeugt, um alle Prüfungen im zweiten Halbjahr schülergerecht zu verteilen. Die neue Lösung bringe mehr Kontinuität in die Schuljahresplanungen und sorge für mehr Bildungsgerechtigkeit unter den Ländern.

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