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Corona-Ausbrüche an Schulen Robert Koch-Institut sieht Schüler »eher nicht als Motor«

Dass viele Kinder seit Montag wieder in die Schule gehen dürfen, halten Kritiker für zu riskant. Welche Ansteckungsgefahr bisher vom Schulbetrieb ausging, hat jetzt das RKI analysiert.
Schüler mit Maske (Symbolbild): RKI legt Analyse zu Schulen vor

Schüler mit Maske (Symbolbild): RKI legt Analyse zu Schulen vor

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Arne Dedert/ dpa

Welche Rolle Deutschlands Schulen im Infektionsgeschehen spielen, ist seit Monaten stark umstritten. Nun ist das Robert Koch-Institut (RKI) der Sache nachgegangen und zu dem Ergebnis gekommen, dass Schülerinnen und Schüler »eher nicht als ›Motor‹ eine größere Rolle spielen«, aber dass es auch bei ihnen zu Übertragungen komme und Ausbrüche verhindert werden müssten. Das schreibt das RKI in einer am Donnerstag veröffentlichten Onlinepublikation  und beruft sich auf eine Analyse von Meldedaten und Studien.

Ausbrüche  an Schulen stehen dem Papier zufolge in engem Zusammenhang mit der Inzidenz, also den Fallzahlen auf 100.000 Einwohner gerechnet, in der gesamten Bevölkerung. In Gebieten mit niedrigen Infektionsraten ist also die Wahrscheinlichkeit der Ansteckung in Schulen geringer als in Hotspots. Ein weiteres Ergebnis: Lehrkräfte spielten bei der Ausbreitung der Pandemie »eine vielleicht wichtigere Rolle« als Schüler, heißt es vom RKI.

»Auftretende Ausbrüche sind im Regelfall im beobachteten Zeitraum klein und etwa die Hälfte beschränkt sich auf die Jahrgänge oder Klassen«, stellten die Wissenschaftler fest. Größere Ausbrüche – in einem Fall mit 55 Fällen – kämen zwar vor, seien aber »insgesamt ein seltenes Ereignis«.

Das höchste relative Infektionsrisiko haben laut RKI Lehrkräfte

Der Hauptfokus der Untersuchung lag auf Corona-Ausbrüchen, die zwischen Anfang August und Mitte Dezember ans RKI gemeldet wurden, also zwischen dem Ende der Sommerferien in ersten Bundesländern und dem Beginn des verschärften bundesweiten Shutdowns. Als auffällig beschreiben die Wissenschaftler einen weiteren linearen Anstieg der Schulausbrüche auch nach Beginn des Shutdown light im Herbst 2020. Diese gingen vor allem auf die jüngeren Altersgruppen zurück. Grundsätzlich seien jedoch alle Altersgruppen in Schulausbrüchen vertreten. Das höchste relative Risiko, sich zu infizieren, hätten Lehrkräfte.

Bei der RKI-Untersuchung ist zu beachten, dass die Autoren vor allem auf Meldedaten blicken, die auf laborbestätigten Corona-Fällen beruhen. Sie weisen selbst auf eine Reihe von damit verbundenen Einschränkungen hin: Insbesondere Grundschüler wiesen relativ häufig keine Symptome auf oder der Beginn der Erkrankung lasse sich schwer zuordnen. Möglicherweise werde eine »größere Anzahl« asymptomatischer Infizierter nicht erfasst und die Größe von Ausbrüchen unterschätzt. Anhand einer großen österreichischen Studie  könne aber angenommen werden, »dass dieser Fehler vermutlich nicht substanziell groß ist«.

»Neue Herausforderungen durch Mutanten«

Die neuen Corona-Varianten, insbesondere die in Großbritannien entdeckte Mutante B.1.1.7, stellen den Autoren zufolge »neue Herausforderungen dar«. Die leichtere Übertragbarkeit scheine auf alle Altersgruppen zuzutreffen. »Das könnte bei einer Ausbreitung ansteckungsfähigerer Varianten bedeuten, dass Schulen einen größeren Beitrag zum Infektionsgeschehen leisten könnten«. Seit Wochen wird in Deutschland ein Anstieg des Anteils der Mutante B.1.1.7 an den positiven Corona-Proben in Deutschland beobachtet.

Das RKI leitet aus seinen Erkenntnissen folgende Empfehlungen ab:

  • Wenn es um Schulöffnungen geht, sollen die Erkenntnisse zu Mutanten beachtet werden.

  • Schulschließungen und Wiedereröffnungen sollten unbedingt in den Kontext der Gesamtinzidenz in der Region gesetzt werden.

  • Bei schrittweisen Öffnungen sollten zuerst die unteren Klassenstufen wieder in den Präsenzunterricht kommen.

  • Für ältere Schüler sind den Fachleuten zufolge Modelle wie Wechselunterricht eine gute Option.

Die Frage von möglichen Corona-Ausbrüchen an Schulen ist derzeit besonders brisant. Am Montag hatten zehn Bundesländer ihre Schulen zumindest für einige Klassen und teils im Wechselunterricht nach wochenlangen Schließungen wieder geöffnet – oft verbunden mit dem Argument, Schulen seien »nicht die Treiber in der Pandemie«. Kritiker hingegen halten die Öffnungen für zu riskant, zumal sie die Schutzvorkehrungen an einigen Schulen als unzureichend empfinden.

Der Berliner Virologe Christian Drosten hatte sich Anfang Februar in einem NDR-Podcast zum wiederholten Mal zu der Frage geäußert, ob Kinder oder Schulen Treiber der Pandemie seien. Er appellierte, sich »von dieser blöden Idee« zu verabschieden, dass irgendeine Gruppe der spezielle Treiber des Geschehens sei. »Wir leisten alle den gleichen Beitrag zu diesem Problem«, sagte der Charité-Experte. Der Vergleich der Pandemie mit einer Grippewelle hinke. In der Corona-Pandemie seien alle empfänglich für das neue Virus. Bei Influenza gelten dagegen Kinder tatsächlich als Treiber von Ansteckungen.

fok/dpa