Corona-Beschlüsse zu Schulen Wechselunterricht wird weiter regional geregelt

Zur Eindämmung der Coronazahlen sollen ältere Schüler in »Hotspots« abwechselnd zu Hause und in der Schule lernen, im Hybridmodell. Das sieht ein Beschluss der Bund-Länder-Runde vor. Verpflichtend ist die Maßnahme nicht.
Bund-Länder-Beschluss: Schulen bleiben offen, aber es gelten strengere Regeln (Symbolbild)

Bund-Länder-Beschluss: Schulen bleiben offen, aber es gelten strengere Regeln (Symbolbild)

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Matthias Balk / dpa

Schulen in »Corona-Hotspots« sollen künftig strengere Regeln zum Infektionsschutz aufstellen – etwa, indem sie für ältere Jahrgänge auf Wechselunterricht umstellen. Auf diesen Kompromiss hat sich Kanzlerin Angela Merkel am Mittwochabend nach stundenlangen Beratungen mit den Ministerpräsidenten geeinigt. Wie Merkel in der anschließenden Pressekonferenz mitteilte, sollen Schulen in Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 200 Fällen pro 100.000 Einwohner weitergehende Maßnahmen für die Unterrichtsgestaltung »schulspezifisch« umsetzen. Diese sollen ab Klassenstufe acht gelten, aber nicht zwingend für Abschlussklassen.

Bei der Art der Maßnahmen bleibt die Formulierung der Runde sehr weich: Es gehe um Maßnahmen, welche »die Umsetzung der AHA-L-Regeln besser gewährleisten, beispielsweise Hybrid- oder Wechselunterricht«, heißt es in dem gemeinsamen Beschluss. AHA-L steht für Alltagsmaske, Hygieneregeln, Abstand und Lüften.

Schülerinnen und Schüler lernen bei diesem Modell in Kleingruppen abwechselnd in einer Art Schichtsystem, sodass der Mindestabstand im Klassenraum gewahrt werden kann. Eine Gruppe lernt jeweils in der Schule, die andere zu Hause, idealerweise digital. Tage- oder wochenweise wird getauscht. Eine Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 200 Fällen wird in den meisten Landkreisen Deutschlands laut aktuellen Daten des Robert Koch-Instituts momentan nicht überschritten. Merkel sagte, derzeit seien Berlin und 62 weitere Landkreise davon betroffen.

Präsenzunterricht behält »oberste Priorität«

Verbindlich wird das Wechselmodell mit dem Beschluss vom Mittwoch nicht, schon gar nicht flächendeckend. Die Runde mit der Kanzlerin legt den Unterricht mit halben Klassen nur abhängig vom Infektionsgeschehen nahe. Letztlich bleibt die Entscheidung Ländersache oder wird vor Ort von den Schulen getroffen. Auf weitere Zugeständnisse wollten sich die Ministerpräsidenten gegenüber der Bundesregierung, die auf weitergehende Schritte gedrungen hatte, offenbar nicht einlassen.

Auch die 16 Kultusminister hatten bis zuletzt beharrlich daran festgehalten, der Präsenzunterricht habe »oberste Priorität«, und zwar auch im Sinne der Chancengerechtigkeit. Kinder und Jugendliche aus sozial schwierigen Verhältnissen drohten sonst, abgehängt zu werden. Diese Haltung bekräftigten letztlich auch Bund und Länder in ihrem Beschluss. Kitas und Schulen blieben geöffnet. Das Recht auf Bildung könne am besten durch Lernen und Lehren in Präsenz gewährleistet werden. Weitere Beschlüsse:

  • Vereinbart wurde auch eine Maskenpflicht im Unterricht ab der 7. Klasse, ebenfalls abhängig von den regionalen Corona-Zahlen. Als unscharfe Grenze ist hier im Papier von »deutlich mehr« als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner die Rede. Allerdings gilt in den meisten Bundesländern längst eine Maskenpflicht im Unterricht, und zwar schon ab der 5. Klasse, in Bayern sogar an Grundschulen. 

  • Die Weihnachtsferien sollen in diesem Jahr fast überall in Deutschland gleichzeitig am 19. Dezember beginnen. Schon vor der Videoschalte hatten allerdings Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen und Baden-Württemberg angekündigt, ihre Ferien auf diesen Tag vorzuziehen. So soll die Zahl der Kontakte direkt vor den Feiertagen und damit die Ansteckungsgefahr im Familienkreis verringert werden. In den meisten übrigen Bundesländern fangen die Ferien ohnehin am 19. Dezember an.

»Der Küchentisch ist nicht der bessere Lernort«

Eine Rückkehr zum Hybridunterricht galt als zentraler Streitpunkt zwischen der Kanzlerin und den Länderchefs, von denen sich einige noch kurz vor der Videoschalte klar auf der Seite ihrer Schulminister positioniert hatten. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) warb eindringlich für den Präsenzunterricht. »Der Küchentisch zu Hause in einer Zwei- oder Dreizimmerwohnung ist nicht der bessere Lernort. Der beste Lernort ist die Schule«, sagte er im Landtag. Darüber seien sich alle Ministerpräsidenten einig.

Auch Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann hatte sich vehement gegen Forderungen gestemmt, Schüler im Wechsel in der Schule und zu Hause unterrichten zu lassen. »Wechselunterricht in Baden-Württemberg wäre ein existenzieller Fehler«, sagte die CDU-Politikerin. Es gebe auch keine guten Argumente, warum diese Form des Unterrichts aus Schutz vor Corona-Infektionen eingeführt werden sollte. »Für den Wechselunterricht spricht gar nichts. Es gibt keine inhaltliche Begründung, weder Zahlen noch Fakten.« Wechselunterricht sei in Baden-Württemberg bereits zwischen Pfingsten und den Sommerferien ausprobiert worden – allerdings ohne durchschlagenden Erfolg.

Mehrere Eltern- und Lehrerverbände dagegen fordern seit Monaten eindringlich, zum Hybridunterricht wie im Frühjahr zurückzukehren, und zwar eigentlich bereits bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von 50 Fälle pro 100.000 Einwohner. So sehen es auch die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts vor. Die Länder setzen diese bisher aber allenfalls vereinzelt und nicht flächendeckend um, zum Ärger etlicher Schulakteure.

Die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Marlis Tepe, hatte vor der Videoschalte noch einmal die Forderungen zum Hybridunterricht bekräftigt. Gesundheitsschutz für Lehrer, Schüler und Eltern einerseits und ein Offenhalten der Schulen andererseits ließen sich nicht unter einen Hut bringen.

fok/dpa/Reuters
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